Corona Reha in Bad Salzungen: Günstige Prognose bei Long-Covid

Long-Covid betrifft viele. Hilfe finden sie zum Beispiel in der Parkklinik Bad Salzungen. MDR THÜRINGEN hat mit dem Chefarzt der Reha-Klinik, Andreas Dösch, darüber gesprochen, ob es neue Erkenntnisse zum Thema gibt.

Buchstabenwürfel bilden den Schriftzug Long Covid neben Blutprobe und Coronavirus-Modell
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Professor Dr. Andreas Dösch, Chefarzt der Asklepios Parkklinik Bad Salzungen, ist vorsichtig optimistisch. "Die überwiegende Anzahl der Patienten spürt eine deutliche Besserung, die auch von Dauer ist", sagt er. Gemeint ist eine deutliche Besserung bei Long-Covid-Symptomen und das ist eine gute Nachricht. Denn Long-Covid betrifft viele.

Portrait von Professor Andreas Dösch und im Hintergrund links die Asklepios-Katharina-Schroth-Klinik
Andreas Dösch Bildrechte: dpa/ASKLEPIOS Klinik Bad Salzungen

Post-Covid umfasst Beschwerden, die nach einer überstandenen akuten Covid-19-Infektion für einen gewissen Zeitraum fortdauern oder im Verlauf neu hinzukommen. Long-Covid beinhaltet eine anhaltende symptomatische Infektion und Post-Covid (Quelle: National Institute for Health and Care Excellence, kurz NICE).

Wie viele Menschen genau von Long-Covid betroffen sind, dazu gibt es laut RKI sehr unterschiedliche Schätzungen. Zwischen 7,5 und 41 Prozent der Erwachsenen leiden nach einer überstandenen Sars-Cov-2-Infektion an gesundheitlichen Langzeitfolgen. Das zeige eine Übersicht verschiedener Studien.  

Hunderte mit Long-Covid in Reha

Allein die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland hat auf eine Anfrage von MDR THÜRINGEN aufgeschlüsselt, dass zwischen Juli 2020 und März 2022 291 Versicherte aus Thüringen nach einer Corona-Infektion eine Behandlung in einer Reha-Klinik in Anspruch nahmen. Hinzu kommen noch die Versicherten anderer Träger und Krankenkassen.

Ein Arzt und eine Sporttherapeutin sprechen mit einem Long-Covid-Patienten das Trainingsprogramm auf einem Ergometer ab.
Long-Covid kann ganz verschiedene Symptome haben. (Archivbild) Bildrechte: dpa

"Verglichen mit vielen anderen Erkrankungen ist Covid-19 eine echte Multisystemerkrankung. Jedes wichtige Organ kann direkt oder indirekt betroffen sein. Da braucht die Heilung ihre Zeit", sagt Andreas Dösch.

Long-Covid ist sehr häufig ein vielschichtiges Krankheitsbild.

Andreas Dösch Chefarzt der Asklepios Parkklinik Bad Salzungen

Es verwundere daher nicht, dass auch die Long-Covid-Beschwerden zahlreiche Organsysteme in unterschiedlicher Ausprägung betreffen. Symptome seien beispielsweise anhaltende Atemnot und Husten, Konzentrationsstörungen, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns und anhaltende Müdigkeit und unverhältnismäßige Erschöpfung, Fatigue genannt. "Long-Covid ist sehr häufig ein vielschichtiges Krankheitsbild", sagt der Chefarzt.

Jena, Gera und Bad Berka sind erste Anlaufstellen für Long-Covid

Erste Anlaufstellen für Long-Covid-Behandlungen in Thüringen sind unter anderen das Waldklinikum Gera, das Universitätsklinikum Jena und die Zentralklinik Bad Berka.

Portrait von Professor Andreas Dösch und im Hintergrund links die Asklepios-Katharina-Schroth-Klinik 12 min
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Professor Andreas Dösch ist Chefarzt an der Asklepios Parkklinik in Bad Salzungen. Hier betreut er zahlreiche Long-Covid-Patienten. Im Interview spricht er über die Reha-Ansätze bei der Covid-Nachsorge

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 11.01.2021 15:18Uhr 11:38 min

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Eine stationäre Rehabilitation, wie sie in Bad Salzungen angeboten wird, dauere zwischen drei und sechs Wochen, sagt Andreas Dösch. Schon sehr früh nach Beginn der Corona-Pandemie bot die Klinik Long-Covid-Behandlungen an. "Wir waren ein Haus der ersten Stunde", sagt der Chefarzt.

"Wir haben diesbezüglich inzwischen eine große Expertise und konnten umfangreiche Erfahrungen sammeln." Mit diesem Hintergrund unterstreicht er: "Man kann durch entsprechende Maßnahmen viel erreichen. Gerade Patienten mit Atembeschwerden haben eine hohe Rehabilitationsfähigkeit." Die Prognose bei Long-Covid sehe überwiegend günstig aus.

Man muss es wirklich ganzheitlich betrachten. Wir machen eine umfangreiche Diagnostik, schauen nach der Lungenfunktion, nach dem Herzmuskel, nach den Laborwerten und der emotionalen Belastungssituation.

Andreas Dösch Chefarzt der Asklepios Parkklinik Bad Salzungen

In die Parkklinik kommen "Patienten in allen Phasen der Erkrankung, sobald die Infektiosität nicht mehr gegeben ist", sie also nicht mehr ansteckend sind, sagt der Chefarzt. "Vier Wochen nach überstandener Akuterkrankung sollten bei anhaltenden Symptomen die Weichen für weiterführende Maßnahmen gestellt werden."

Auch eine stationäre Durchführung habe sich bei hoher Symptomlast bewährt. Denn diese ermögliche ein sehr vielfältiges Therapieangebot unter einem Dach. "Man muss es wirklich ganzheitlich betrachten. Wir machen eine umfangreiche Diagnostik, schauen nach der Lungenfunktion, nach dem Herzmuskel, nach den Laborwerten und der emotionalen Belastungssituation."

Ein junger Mann läuft auf einem Laufband, seine Hände umfassen eine Stange vor ihm. Neben ihm steht eine Frau mit Mundschutzmaske.
Chefarzt Andreas Dösch: "Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig, aber sie müssen individuell auf den Patienten abgestimmt sein." (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So vielschichtig das Krankheitsbild ist, so vielschichtig ist die Behandlung. Andreas Dösch: "Es ist wirklich eine echte Teamleistung" von Pneumologen, Kardiologen, Hals-, Nasen-, Ohrenärzten, Psychologen, Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden, Ernährungsberatern und einigen mehr.

"Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig, aber sie müssen individuell auf den Patienten abgestimmt sein." Das sei eine der wichtigsten Erkenntnisse aus zwei Jahren Pandemieerfahrung. "Es zeichnet sich ab, dass die Behandlung immer patientenindividueller wird", sagt der Pneumologe und Kardiologe. Je nach Beschwerdebild würden Behandlungsschwerpunkte gesetzt, zum Beispiel Atemgymnastik.

Neue Behandlungsansätze bei Fatigue

Ein häufiges Long-Covid-Symptom ist Fatigue, eine unverhältnismäßige Erschöpfung und Müdigkeit. Andreas Dösch: "Allein aufgrund der schieren Zahl an Infektionen sind auch zahlreiche Patienten mit leichten Verläufen durch Fatigue beeinträchtigt." Hier gebe es neue Erkenntnisse und Behandlungsansätze.

"Man muss verhindern, dass Fatigue-Patienten in den sogenannten Crash kommen. Wir arbeiten diesbezüglich mit Tagebüchern und Herzfrequenzprotokollen." Das heißt, der Patient misst zu festgelegten Zeiten seine Herzfrequenz und hält das nebst Begleitsymptomen, wie beispielsweise emotionalem Stress, in einem Protokoll fest. Körperliches Training werde an der Herzfrequenz und der individuellen Belastungssituation orientiert, um Überforderungssituationen zu vermeiden.

Was ist ein Crash?

Ein "Crash" oder Post Exertional Malaise (PEM) bezeichnet die Verschlimmerung der Symptome nach einer körperlichen, geistigen oder emotionalen Anstrengung. Er kann bereits nach kleinsten Anstrengungen auftreten. Frühes Erkennen verbessert das Wohlbefinden.

Jeder Crash geht mit der Gefahr einer Chronifizierung des verschlechterten Gesundheitszustandes einher. Daher wird Patienten empfohlen, innerhalb ihrer Energiegrenzen zu bleiben.

Letztendlich sei die Reha "ein Baustein auf dem Weg zur vollständigen Genesung", sagt Andreas Dösch. Und auch nach zwei Jahren gelte: "Der Bedarf ist klar vorhanden." Die 130 internistischen Betten in der Reha-Klinik sind auch mit anderen Patienten belegt, doch: "Es gibt weiterhin einen erheblichen Anteil von Long-Covid-Patienten." Dabei kommen die Patienten inzwischen aus aller Welt, wenn auch die meisten bis 200 Kilometer aus dem Umkreis kommen.

Der Schriftzug Long Covid
Chefarzt Andreas Dösch: "Wir werden auch in Zukunft mit Sars-Cov-2 und Long-Covid leben müssen." (Archivbild) Bildrechte: imago images/Steinach

Wie geht es weiter? Andreas Dösch antwortet: "Wir werden auch in Zukunft mit Sars-Cov-2 und Long-Covid leben müssen. Das ist nun Teil unseres Alltags. Zum Glück gibt es einige Silberstreifen am Horizont." Er meint die sogenannten Pan-Corona-Impfstoffe, die gerade entwickelt werden und nicht nur vor den aktuellen, sondern auch vor zukünftigen Mutationen schützen sollen. "Es ist für alle nicht einfach, aber wir sehen inzwischen, dass es wirksame Therapeutika gibt und man weiß, wie man sich vor Ansteckung schützen kann." Es bleibt dabei: Der Pneumologe ist vorsichtig optimistisch.

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Eine Long Covid-Patientin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (caf)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 18. Mai 2022 | 20:45 Uhr

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