"Wilde Weiden" Warum Rinder auf der Weide verhungerten

Es sollte ein Vorzeigeprojekt für Naturschutz sein, doch es endete tragisch. Der Pächter kümmerte sich nicht ausreichend um die Tiere und Rinder verhungerten. Dabei floss jede Menge Fördergeld - eine teure Pleite?

Rinder grasen auf "Wilden Weiden" in Dankmarshausen in Thüringen.
Ein Problem der "Wilden Weiden" in Thüringen war auch, dass gleich mehrere Kontrollbehörden mitmischten - doch keine griff damals ein, als es schief lief. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es sollte ein Paradies werden: für seltene Rinder, bedrohte Vögel, robuste Pferde -  die "Wilden Weiden" in Dankmarshausen. Doch das Naturschutzprojekt endete in einer Katastrophe. Am Ende gab es: Tote Rinder, abgemagerte Tiere und es ist viel Geld umsonst investiert worden.

Es waren Anwohner des Projektes "Wilde Weiden", die MDR exakt 2019 anonym informiert hatten, weil immer wieder tote Rinder auf der Wiese in Dankmarshausen lagen. Schon damals war von der Ursprungsidee nicht mehr viel übrig: 19 Heckrinder und zehn Exmoor-Ponys waren 2015 dort eingesetzt worden. Sie sollten Büsche und Binsen kurzhalten. Schnell aber war die Herde auf über 100 Tiere angewachsen. Nur 40 waren erlaubt. 

Zu viele Tiere, zu wenig Futter. Zugefüttert hatte der Pächter, die Tierproduktion Dankmarshausen, bis dahin nicht. Insgesamt 20 Rinder waren innerhalb von zwei Jahren verstorben.

Ein Problem war auch das Gesamtkonstrukt dieser "Wilden Weiden". Gleich mehrere Kontrollbehörden mischten mit: der NABU, das Umweltministerium Thüringen, die Stiftung Naturschutz, das Landratsamt Wartburgkreis. Aber keiner griff damals wirklich ein, als das Projekt nicht mehr gut lief.

Pferde und Rinder sollten zum Schlachter

Inzwischen ist der Pachtvertrag mit dem Agrarbetrieb gekündigt worden. Alle Tiere mussten nun - anderthalb Jahre später - weg von der Weide. Die verbliebenen 60 Rinder waren bereits zum Schlachter gebracht worden, als MDR exakt vor ein paar Wochen vor Ort war. Auch die Pferde sollten abtransportiert werden.

Zwei Tierschützerinnen sind an diesem Tag ebenfalls vor Ort: "Wir kaufen Ihnen die Pferde alle ab. 500 Euro das Stück und dann haben Sie noch mehr Reibach gemacht, als wenn die jetzt zum Schlachter gehen", sagt eine der beiden Frauen zum Chef des Agrarbetriebes. Sie möchten anonym bleiben und hatten vom Abtransport der Pferde gehört und wollen ihn verhindern.

Tote Rinder im Naturschutzgebiet
Immer wieder lagen tote Rinder auf der Wiese in Dankmarshausen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anschließend haben die Tierschützerinnen lange mit Landwirt Uwe T. verhandeln müssen, bis sie einen Großteil der Pferdeherde herauskaufen konnten. "Das hat mir einfach am Herzen gelegen, weil das waren gesunde Tiere, tolle Ponys, kerngesund und für den Pferdehimmel waren die noch ein bisschen jung", sagt Annette Venema, die zweite der beiden Frauen. Sie zeigt MDR exakt ein Video vom Abtransport der Pferde Anfang März dieses Jahres. Die Ponys grasen jetzt in Dänemark. Eine Stiftung hat sie gekauft.

Viel Geld in Wilde Weiden geflossen

Anfang April 2021 sind die "Wilden Weiden" dann fast komplett leer. In das Projekt war bis dahin viel Geld geflossen. "Das ist für den Steuerzahler raus geschmissenes Geld. Das kann ich nicht gutheißen. Das sollte nicht wieder passieren", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Dankmarshausen, Klaus Reinhardt (Freie Wähler). Ein Projekt, was staatlich gefördert werde, sollte erfolgreich sein.  

MDR exakt fragt bei mehreren Landesministerien in Thüringen und bei Bundesämtern nach. Einige Teilsummen bleiben wegen des Steuergeheimnisses ungenannt. Klar ist: Der Agrarbetrieb Dankmarshausen hat von 2017 bis 2019 fast 124.000 Euro aus dem EU-Agrarfond bekommen, von Thüringer Landesbehörden gab es Förderungen von circa 57.000 Euro. Insgesamt sind also mindestens 181.000 Euro in dieses gescheiterte Beweidungsprojekt geflossen.

Rinder und Kälber stehen und liegen auf einer Weide. 6 min
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Exakt Mi 19.05.2021 20:15Uhr 06:24 min

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Neues Projekt: Wasserbüffel in Dankmarshausen

Doch warum haben die Kontrollbehörden nach Bekanntwerden des Skandals fast zwei Jahre gebraucht, um den Vertrag mit dem Landwirt zu beenden? "Nein, es ist ja nicht so geblieben, wie es ist", sagt der Grünen-Staatsekretär des Umweltministeriums Thüringen, Olaf Möller. "Wir haben ja dann den Pachtvertrag auch im Streit mit dem Pächter beendet. Er ist ausgelaufen, das war unser Glück auch, muss man sagen."

Die Verantwortung werde nicht wegschoben. Da sei einiges schiefgelaufen. "Aber wir haben aus den Fehlern gelernt und haben, glaube ich, mit dem neuen Pächter wirklich einen guten Griff gemacht."

Das Ministerium setzt nun das Beweidungsprojekt mit einem neuen Pächter, neuen Vertrag und ohne den Namen "Wilde Weiden" fort. Eine kleine Herde Wasserbüffel grast nun seit kurzem in Dankmarshausen, sowie vier Ponys aus dem alten Bestand. Mehr Tiere sollen es nicht werden. Es soll ein zweiter Versuch für das einstige Vorzeigeprojekt sein.

Quelle: MDR exakt/ mpö

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 19. Mai 2021 | 20:15 Uhr

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