Wartburgkreis Trotz Millionen-Investition: Bahn darf hier weiter nur zehn km/h fahren

Das Problem ist nicht neu: Weil Salzschichten im Untergrund ausgewaschen werden, senkt sich der Boden. Durch eine solche Subrosionssenke verläuft die Bahnlinie von Eisenach gen Süden bei Oberrohn, einem Ortsteil von Bad Salzungen. In den Jahren 2018/19 haben Bahn und Wartburgkreis mehr als eine Million Euro investiert, um den Boden zu stabilisieren und das Absenken zu verlangsamen. Das gewünschte Ziel aber wurde nicht erreicht, teilte die Bahn jetzt mit.

Eine Bahn fährt auf einem Damm entlang.
Nur weil die Bahn auf der 200 Meter langen Strecke hier mit 10 Kilometer pro Stunde entlangzuckelt, kann sie hier überhaupt noch entlangfahren. Bildrechte: MDR/ Ruth Breer

Sehr langsam nähert sich der Triebwagen der Südthüringen-Bahn. Nur zehn Kilometer pro Stunde sind hier bei Oberrohn erlaubt. Betroffen ist nur ein kurzes Stück, etwa 200 Meter lang. Es liegt geologisch ungünstig in einem Erdfallgebiet. Schon seit Jahren muss die Strecke immer wieder gesperrt werden, weil sich die Gleise gesenkt haben, weil Schotter nachgestopft oder gar der gesamte Bahndamm neu aufgebaut werden muss. Für die Fahrgäste heißt das: Schienenersatzverkehr, für die Bahn: Kosten. Als "teures Krisenzentrum" hat Uwe Krüger, der Leiter des Regionalnetzes, diese 200 Meter im November 2018 im MDR-Interview bezeichnet.

44 Zentimeter tiefer im Jahr

Damals hatten Bahn und Wartburgkreis umfangreiche Arbeiten begonnen, um das Problem zu entschärfen. Der Boden senkte sich um 44 Zentimeter im Jahr. Das Gelände neben den Gleisen wurde umfassend bearbeitet. Ein Bach, dessen Wasser im Untergrund verschwand, wurde auf 250 Metern Länge zunächst provisorisch in einen Schlauch gelegt. Inzwischen verläuft er in einer Art Kanal. Ein Hang neben der Bahnlinie, der abzurutschen drohte, wurde abgetragen, ein kleiner See verfüllt. Außerdem wurde im Sommer 2019 der Bahndamm vollständig erneuert.

Ein bach fließt aus einem Rohr heraus.
Aufwendige Arbeiten im Gelände neben der Bahnstrecke: Ein Bach wurde eingefasst, damit das Wasser nicht länger im Untergrund verschwindet. Bildrechte: MDR/ Ruth Breer

Strecke weiter befahrbar - mit zehn km/h

Doch die Züge fahren immer noch mit Tempo zehn - und die Bahn räumt auf Anfrage von MDR THÜRINGEN ein, die umfangreichen Maßnahmen hätten "nur kurzfristig Verbesserungen gezeigt" und "nicht zum gewünschten Ziel geführt". Immerhin, die wichtige Strecke bleibt befahrbar dank der reduzierten Geschwindigkeit und einem umfangreichen Alarm- und Warnsystem, das im Gleisbereich und im Erdreich angebracht wurde. Aber klar ist auch: Der Bahndamm muss bereits in ein bis zwei Jahren wieder aufwendig neu aufgebaut werden, teilt die Bahn mit.

Ein Bahndamm vor einem Wald.
Im Bahndamm wird regelmäßig wegen der Senkungen Schotter nachgestopft. In ein, zwei Jahren muss er vollständig erneuert werden. Bildrechte: MDR/ Ruth Breer

Spezialisten sollen helfen

Zu den bisherigen Kosten der Arbeiten an diesem Gleisabschnitt teilt das Unternehmen nichts mit. Ein Verfüllen untertage oder eine Brückenlösung wie bei stillgelegten Bergwerken seien nicht möglich, heißt es. Die Situation nennt die Bahn "unbefriedigend". Um sie zu verbessern, will sie ihre Expertenrunde um bundesweit anerkannte Spezialisten erweitern. Sie sollen helfen, eine dauerhafte Lösung für das "Krisenzentrum" zu finden. Wie weit die Bahn damit gekommen ist? Arbeitsstände werden man nicht bekannt geben - aber: "Wir werden Sie gern informieren, wenn eine Entscheidung für eine technische Lösung vorliegt."

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 03. April 2022 | 18:05 Uhr

6 Kommentare

Tamico161 vor 25 Wochen

Vielleicht hätte man mal in Japan, der Schweiz oder in China (wenn auch nicht demokratisch) anrufen sollen wie die das machen? Also in Japan kommen trotz Erdbeben die Züge auf die Sekunde pünktlich und die Topografie besagter Länder läßt einen „normalen und pünktlichen“ Zugverkehr zu! Übrigens in China werden in Höhen bis 4000m Schnellzugtrassen gebaut!

Eulenspiegel vor 25 Wochen

Also ich denke das herumdoktern an dieser Sänke wird keinen dauerhaften Erfolg bringen. Man sollte diese Sänke einfach in Ruhe lassen und die 200 Meter mit einer Brücke überspannen,

IamTHandIloveit vor 25 Wochen

Schade dass der Versuch nicht zum Erfolg geführt hat.
Das Problem bleibt und es muss dringend eine funktionsfähige und zukunftssichere Lösung her! Wenn man überlegt wie viele Menschen heute schon zwischen MGN-SLZ-EA von dieser Bahn abhängig sind und nicht „einfach“ aufs Auto umsteigen können oder gar bei einer zuverlässigeren und beschleunigten Strecke umsteigen könnten, ist m. A. n. eine umfassende Lösung vonnöten. Auch die Politik muss hier entschlossen „die Weichen stellen“ (parteiübergreifend). Es muss auch für Investitionen in den Bahnverkehr neu und größer gedacht werden. Neben einer Brücke waren m.W. auch schon eine Streckenverlegung und Tunnel im Gespräch. An eine umweltfreundliche Elektrifizierung und einem 30-Minutentakt im Werratal noch nicht zu denken... Ziel muss es m. A. n. sein den Menschen vor Ort eine nachhaltige, günstige und zuverlässige Mobilität zu ermöglichen. Die Bahnstrecke EA-SLZ-MGN-HBN-(CO) spielt dabei die zentrale Rolle in Südwestthüringen.
Schönen Tag :)

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