Mangel an Halbleitern Produktionsstopp bei Opel in Eisenach - Kritik von Ramelow und Tiefensee

Der weltweite Mangel an Halbleitern beeinflusst auch die Automobilbranche in Thüringen. Bei Opel in Eisenach wird die Produktion des Geländewagens "Grandland X" ab Montag vorerst eingestellt. Schon im August standen die Bänder vorübergehend still. Ministerpräsident Bodo Ramelow kritisiert die Organisation. Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee baue darauf, dass es sich nur um eine kurzfristige Pause handelt.

Im Eisenacher Opel-Werk soll die Produktion bis zum Jahresende vorübergehend ruhen. Wie der Mutterkonzern Stellantis MDR THÜRINGEN bestätigte, ist ab der kommenden Woche Kurzarbeit geplant.

Das Unternehmen begründete dies mit der Corona-Pandemie und dem weltweiten Mangel an Halbleitern. In dieser unsicheren Lage müsse die Produktion angepasst werden. Im kommenden Jahr soll die Produktion des Opel "Grandland X" wieder anlaufen - falls die Lieferketten es erlaubten. Die Opel-Werkleitung hatte Donnerstag­morgen damit begonnen, die Belegschaft zu informieren.

Auto-Produktion bei Opel in Eisenach
Der Hybrid-Plugin "Grandland" soll nicht mehr im Opelwerk Eisenach produziert werden (Symbolbild). Bildrechte: imago/Bild13

Die IG Metall spricht von einem unglaublichen Vorgehen. In der Betriebsversammlung vor zwei Tagen sei noch keine Rede davon gewesen, sagt der Eisenacher Bevollmächtigte Uwe Laubach, nichts sei mit den Sozialpartnern abgestimmt worden. Besonders groß ist im Werk offenbar der Ärger darüber, dass die neueste Version des Grandland im französischen Werk in Sochaux gestartet werden soll.

Bodo Ramelow kritisiert Kommunikation

Kritik kommt von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Er erwarte von einem Weltkonzern, dass er in der Lage ist, seine Rohstoff­versorgung, die Bestellung der Vorprodukte, so zu organisieren, dass in Eisenach ausreichend produziert werden könne.

Der Ministerpräsident kritisierte auch die Unternehmens­kommunikation. Bisher habe Opel Deutschland mit den Ministerpräsidenten geredet, wenn solche Entscheidungen anstanden. Diesmal scheint die Anweisung direkt aus Frankreich zu kommen. Der Grandland X müsse auch in der neuen zukünftigen Fassung, ausschließlich in Eisenach entstehen, forderte Ramelow.

 Ministerpräsident Bodo Ramelow
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Bildrechte: imago images/Jacob Schröter

Kurzarbeitergeld trotz gutem Konzernergebnis

Im Interview mit MDR AKTUELL am Freitag sagte Ramelow: "Es geht darum, ob das Kurzarbeitergeld mit einkalkuliert wird für die eigene Gesamtproduktivitäts-Rechnung." Wenn man als Weltkonzern sage, man sei gut durch die Krise gekommen, dann wäre das ein "bitteres Entlasten des eigenen Versagens auf dem Rücken der Steuerzahler". Das könne man so nicht akzeptieren.

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, sitzt während eines Statement zu den Ergebnissen der Beratungen von Bund und Ländern in der Thüringer Staatskanzlei. 6 min
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MDR AKTUELL Fr 01.10.2021 06:45Uhr 06:11 min

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Tiefensee: "Bittere Entscheidung"

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sprach von einer bitteren Entscheidung. Thüringen stehe weiter zu seinem Eisenacher Werk und zu den Beschäftigten. Er baue darauf, dass es sich um eine kurzfristige Pause handelt. Er erwarte, dass die Zusage von Stellantis steht, die Produktion Anfang kommenden Jahres wieder aufzunehmen und das Werk weiter zukunftsfest zu entwickeln.

Wolfgang Tiefensee
Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Bildrechte: dpa

Oberbürgermeisterin Wolf ist besorgt

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) reagierte besorgt auf die angekündigte Kurzarbeit im Opelwerk. Sie hoffe, dass die Probleme bei der Lieferung von Halbleitern bald überwunden seien, sagte Wolf MDR THÜRINGEN. Die Zwischenzeit müsse Opel nutzen, um zukunftsfähige Modelle für den Standort Eisenach zu finden.

Wolf erinnerte daran, dass in Eisenach auch einige Zulieferunternehmen von dem Produktionsausfall betroffen sind. Deren Beschäftigte seien bei Kurzarbeit finanziell meist schlechter gestellt als die Opel-Mitarbeiter.

Katja Wolf (Die Linke), Oberbürgermeisterin von Eisenach
Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf. Bildrechte: dpa

Automotive Thüringen zuversichtlich

Die Sorge vieler Mitarbeiter, dass der Standort in Eisenach möglicherweise ganz aufgegeben werden könnte, ist laut Automotive Thüringen aber unbegründet. Geschäftsführer Rico Chmelik sagte im MDR THÜRINGEN JOURNAL am Donnerstagabend, dass es sich bei dem Produktionsstopp um kein grundsätzliches Problem handele, sondern einen "Nachzieheffekt" der Coronakrise.

Wenn die Chips wieder zur Verfügung stehen, werde alles auch wieder hochfahren, so Chmelik. Der Grandland X, vor allem als Plug-in-Hybrid, sei ein Verkaufsschlager. Laut Verbandschef sind auch die Automobilzulieferer betroffen. Gefordert werde daher eine Re-lokalisierung von Kompetenzen. Was nach Asien ausgelagert wurde, müsse wieder zurück geholt werden, damit man sich nicht von anderen Märkten abhängig mache.

Rico Chmelik im Thüringen Journal
Rico Chmelik, Geschäftsführer Automotive Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lieferengpässe während der Corona-Pandemie

Schon im August 2021 standen die Bänder in Eisenach vorübergehend still. Grund waren Lieferengpässe in Südostasien in Folge der Corona-Pandemie. Ein Zulieferer in Malaysia, der elektronische Komponenten für Opel herstellt, hatte die Fertigung wegen eines Covid-19-Ausbruchs stoppen müssen.

Opel als wichtiger Industrie-Arbeitgeber in Thüringen

Das Eisenacher Werk gehört - auch mit der in den vergangenen Jahren geschrumpften Belegschaft - zu den wichtigen Industrie-Arbeitgebern in Thüringen. In Eisenach arbeiten nach Unternehmensangaben aus dem August 2021 etwa 1.360 Beschäftigte.

2020 wurde in Eisenach damit begonnen, den Geländewagen "Grandland X" herzustellen. Dafür wurde das Werk, in dem zuvor die Kleinwagen Corsa und Adam gebaut wurden, zweieinhalb Monate lang umgebaut. Die Produktion war vorübergehend nach Frankreich verlagert worden, als Mitarbeiter für eine zweite Schicht fehlten.

Aushängeschild der Thüringer Wirtschaft

Viele Jahre war das Opel-Werk in Eisenach Aushängeschild für den Aufbau Ost. Der Rüsselsheimer Autobauer hatte sich gleich nach dem Fall der Mauer für die Milliardeninvestition in Thüringen entschieden. Opel setzte damit die mehr als ein Jahrhundert währende Automobilbautradition in Eisenach fort.

Bereits im Herbst 1990 startete eine Produktion noch auf dem Gelände des damaligen Automobilwerks Eisenach, der DDR-Wartburgschmiede. 1992 wurde dann das neue Opel-Werk in der Wartburgstadt eröffnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. September 2021 | 19:00 Uhr

116 Kommentare

ElBuffo vor 2 Wochen

Es ist eben wirtschaftlicher ein Werk ganz zu schließen als alle ein bisschen. Das eine wird dann das sein, wo insgesamt für den Konzern das meiste rausspringt.

Arsenal vor 2 Wochen

Als ehemaliger Opelaner jetzt mal einige Fakten.
Die Firma Opel macht nicht erst seit der Übernahme durch PSA Kurzarbeit sondern seit über 20 Jahren. Die Augenhöhe die man damals noch mit dem VW Konzern hatte ist durch Missmanagment und Fehlentscheidungen verloren gegangen. Selbst in das damalige Vorzeigewerk in Eisenach sind nur spärlich Investitionen geflossen und mit dem Auslaufen des Corsa und Adam stand für mich persönlich fest, das dieses Werk keine Zukunft mehr hat. Wer spricht heute noch von den ehemaligen Opel Werken in Bochum oder Antwerpen die geschlossen wurden? So wird es leider in Eisenach auch werden - da können auch angeführte Verträge mit Gewerkschaften nichts daran ändern. Der Grandland für Eisenach war der ultimative Abgesang für dieses Werk - leider wahrscheinlich auch für die letzten von uns!
Ich persönlich habe meine Entscheidung vor gut 2 Jahren getroffen die Firma mit Abfindung zu verlassen und ich habe sie nicht bereut.
Grüsse an alle die dieses verstehen.

emlo vor 2 Wochen

Der Sitz des Mutterkonzerns ist nicht in Deutschland, richtig. In Frankreich aber auch nicht, hmm. Meinen Sie, dass die Niederlande vom französischen Staat anhängig sind? Peugeot ist nicht mehr der Mutterkonzern von Opel, sondern Stellantis. Es ist natürlich möglich, dass dort Frankreich immer noch den Ton angibt. Das entzieht sich meiner Kenntnis.

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