Stellantis Autoexperte Dudenhöffer schließt Schlimmeres für Opel in Eisenach nicht aus

Politik, Gewerkschaft und Betriebsrat sprechen sich klar gegen die Überlegungen des Autobauers Stellantis aus, Opel die rechtliche Verantwortung für das Eisenacher Werk zu entziehen. Der Brancheninsider Ferdinand Dudenhöffer sagt, sicherlich gebe es bei Stellantis Überlegungen, dass das Werk in Eisenach langfristig nicht mehr gebraucht werde.

Ferdinand Dudenhöffer
Ferdinand Dudenhöffer: "Ich würde Schlimmes nicht ausschließen für Eisenach." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer schließt schlimmere Entwicklungen für das Eisenacher Opelwerk nicht aus. Der Branchenkenner sagte dem MDR, ein solches Vorgehen mit monatelanger Kurzarbeit sei "äußerst unüblich in der Autoindustrie". Seiner Meinung nach gibt es bei Stellantis sicher Überlegungen, die darauf hindeuten, dass Eisenach langfristig nicht mehr gebraucht werde. Stellantis sei ein knallharter Kosten-Optimierer und nicht vergleichbar mit anderen Autokonzernen wie VW, Mercedes oder BMW.

Dudenhöffer sagte weiter, der Chipmangel sei für die Schließung aus seiner Sicht ein Stück weit vorgeschoben. Diesen nutze Stellantis aus seiner Sicht so, dass man in Deutschland Kurzarbeitgeld kassiert. Er verwies darauf, dass in Frankreich zeitgleich weiterproduziert werde. Nach Schließung des Eisenacher Werks Ende September verlegte der Konzern die Produktion des Grandland X ins französische Stellantis-Werk nach Sochaux. Dudenhöffer zufolge bleibt von der Marke Opel im Stellantis-Konzern nichts als eine bloße Hülle übrig.

Entzieht Stellantis Opel die Verantwortung für Werk in Eisenach?

Ein Stellantis-Sprecher hatte nach einem Handelsblatt-Bericht am Donnerstagabend auf Anfrage mitgeteilt, der Konzern prüfe, die beiden Produktionsstätten in Rüsselsheim und Eisenach zu eigenen Rechts- und Produktionsorganisationen zu entwickeln. So solle "die Zusammenarbeit und Flexibilität innerhalb des Stellantis-Produktionsverbundes" weiter gestärkt werden. Der Schritt solle langfristig dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern. Bei Opel in Eisenach sind 1.300 Arbeitnehmer beschäftigt, die bis Jahresende in Kurzarbeit sind.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach sich am Freitag deutlich gegen die geplante Ausgliederung des Eisenacher Opelwerks aus. Noch sei zwar unklar, ob und wie das passieren solle, er spreche sich aber trotzdem schon jetzt dezidiert dagegen aus, sagte Tiefensee.

Wolfgang Tiefensee steht 2015 vor einem Opel-Logo.
Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee fordert Stellantis auf, Verträge und Zusagen einzuhalten. Bildrechte: dpa

Stellantis und Opel seien im Verbund stark, das Werk in Eisenach könne schon jetzt für alle Stellantis-Marken produzieren, so der Minister. Angesichts der Verunsicherung bei Kunden, Belegschaft und Öffentlichkeit rate er dringend, "diese Überlegungen rasch zu beenden und stattdessen schnellstmöglich die Stabilisierung der Produktion und die Stärkung des Standortes voranzutreiben".

IG Metall: Unausgegorene Hinterzimmer-Entscheidungen

Kritik kam auch von der IG Metall und vom Opel-Betriebsrat. Stellantis gefährde mit den Plänen nicht nur die gesamte Marke, sondern auch Standorte, Arbeitsplätze und Mitbestimmungsstrukturen, sagte Jörg Köhlinger von der IG Metall. Anstatt mit innovativen Antriebstechniken und Fahrzeugmodellen Schlagzeilen zu produzieren, sei Opel erneut mit "unausgegorenen Hinterzimmer-Entscheidungen" präsent. Er bezweifele, dass Stellantis an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit interessiert ist.

Links Jörg Köhlinger, Chef des IG-Metall Bezirks Mitte, rechts Uwe Laubach, Geschäftsführer der IG Metall Eisenach während einer Pressekonferenz.
Sorge um den Eisenacher Opel-Standort: Jörg Köhlinger, (l.), Chef des IG-Metall Bezirks Mitte und Uwe Laubach, Geschäftsführer der IG Metall Eisenach (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Opel-Betriebsratschef Uwe Baum sprach von mangelnder wirtschaftlicher Logik. Die Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen. Laut IG Metall ist für Ende Oktober ein Aktionstag geplant. Dann wollen Beschäftigte gegen die Pläne auf die Straße gehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

40 Kommentare

martin vor 6 Wochen

Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Stellantis eine andere Entscheidung treffen würde, wenn die Mittel zur Förderung des Opel-Standorts Eisenach umgerubelt würden. Der Betrag gehört für Stellantis in die Abteilung 'Peanuts'.

martin vor 6 Wochen

Das blöde an meiner Polemik ist, dass ich nicht mal ausschließen kann, dass sie wahr wird ....
Dann bleibt uns das Lachen im Hals stecken. Mir jedenfalls ...

martin vor 6 Wochen

Die Strategie an sich sinnvolle Argumente durch maßlose Übertreibung lächerlich zu machen ist sowas von langweilig....

Wie wäre es mit echten Argumenten?

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