Pollmeier in Creuzburg Baubuche - Tragfähiger als Nadelholz, nachhaltiger als Stahl

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Holz als Baustoff liegt im Trend - ein nachhaltiger CO2-Speicher, der noch dazu schön aussieht. Das Laubholzunternehmen Pollmeier, das in Creuzburg ein großes Sägewerk betreibt, ist neue Wege gegangen und hat als erstes Furnierschichtholz aus Buche entwickelt. Die sogenannte Baubuche ermöglicht Konstruktionen, die vorher mit Holz nicht möglich waren und hat sich mittlerweile am Markt etabliert. Bis zum kommenden Jahr soll sich die Kapazität des Furnierwerks im Wartburgkreis verdoppeln.

Furnierholzplatten liegen gestapelt übereinander.
Das Laubholzunternehmen Pollmeier, das in Creuzburg ein großes Sägewerk betreibt, hat als erstes Unternehmen Furnierschichtholz aus Buche entwickelt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

"Wir haben jetzt die Zeit der Experimente hinter uns", sagt Patrik Rodlberger selbstbewusst. Der Geschäftsführer der Pollmeier Furnierstoffwerke GmbH räumt aber auch ein, dass der Weg zum Absatz der "Baubuche" steinig war. Furnierschichtholz aus Nadelholz hat eine lange Tradition, aber aus Buche ist es bisher einzigartig.

Daran hat sich noch niemand gewagt, Buche lässt sich sehr schwer bändigen.

Patrik Rodlberger, Geschäftsführer der Pollmeier Furnierstoffwerke GmbH

Patrick Rodlberger
Geschäftsführer Patrik Rodlberger hat die Entwicklung des Furnierschichtholzes aus Buche über Jahre mit begleitet. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Seit 2013 hat das Unternehmen in Creuzburg im Wartburgkreis die Produktion aufgebaut. Immer wieder mussten Prozesse angepasst oder umgeworfen, Maschinen verändert oder erneuert werden, berichtet Rodlberger. "Heute haben wir den Prozess im Griff und wissen, worauf es ankommt."

Kontrolle über viele Bildschirme

Die Fertigung ist aufwändig. Das beginnt bereits bei der Vorbereitung: Ein Greifer hebt die Buchenstämme zunächst in dampfende Kochgruben, in denen sie rund 60 Stunden in heißem Wasser einweichen. Das Bad soll Risse bei der weiteren Verarbeitung verhindern. Anschließend werden sie entrindet und auf Längen von sechs oder acht Fuß - zwei bis zweieinhalb Meter - geschnitten.

Eine Maschine "greift" die Baumstämme.
Die Buchen werden als Rundholz angeliefert. Zuerst geht es zum Einweichen in die Kochgruben. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Das steuert Patrick Krüger: Er sitzt in einem Arbeitssessel in einer klimatisierten Kabine vor zahlreichen Bildschirmen. Bequem sei sein Arbeitsplatz schon, sagt er, aber man müsse einiges gleichzeitig im Blick haben, immer mal eine Kontrollrunde über die Bildschirme werfen.

Ein Mann sitzt vor mehreren Monitoren.
Patrick Krüger überwacht den Holzeingang - hier werden die Stämme auf sechs oder acht Fuß Länge geschnitten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Stämme werden dünn abgeschält

Ähnlich sein junger Kollege an der nächsten Station. Nico hat erst vor einem halben Jahr ausgelernt. Auch er sitzt in einer Kabine, vom Lärm der Produktion abgeschottet, mit einer Vielzahl von Monitoren und Bedienelementen um sich. Er kontrolliert die Schälmaschine. Dort wird aus dem Rundholz Furnier. Dazu wird der Stamm mit Lasern vermessen und so eingespannt, dass möglichst wenig Abfall anfällt.

Schließlich wird er gedreht und dabei abgeschält. Das sieht aus wie das Abrollen einer Küchenrolle: Ein langer, etwa drei Millimeter dünner Holzteppich schiebt sich auf das Fließband. Übrig bleibt der Kern, eine Rolle von knapp zehn Zentimetern Durchmesser. Sie wird zu Hackschnitzeln verarbeitet.

Eine Furnierschälmaschine.
Die Schälmaschine: Hier wird der Stamm rundherum abgeschält - in einer etwa drei Millimeter starken Schicht, dem Furnier. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Schichtholz als Endlosplatte

Das Schälen ist ein spanloses Verfahren, erklärt Patrik Rodlberger, es gibt weniger Abfall als beim Sägen. Die Bäume sind ja auch rund gewachsen. Das Nassfurnier wird sortiert und getrocknet - gerade mal drei Prozent Holzfeuchte sind das Ziel. In einem Zwischenlager sind die getrockneten Furniere aufgestapelt, nach Qualitäten sortiert. Anschließend werden sie zu Schichtholz verarbeitet.

An den sogenannten Legelinien wird eine Endlosplatte erzeugt: Dazu werden die dünnen Furnierplatten einzeln mit Klebstoff benetzt und in Schichten übereinander gelegt. Allerdings nicht gerade, sondern um jeweils etwa 15 Zentimeter verschoben. Auf die oberste Schicht kommt ein Furnier, das besonders makellos aussieht.

Dünne Furnierplatten liegen übereinander.
Die Furniere werden einzeln mit Klebstoff benetzt und leicht versetzt aufeinander gelegt, so dass eine Endlosplatte entsteht. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

In einer Presse sorgen Temperatur und Druck dafür, dass der Klebstoff aushärtet. Diese Endlosplatte wird auf Wunschlänge abgesägt, geschliffen und eventuell in weiteren Arbeitsschritten erneut zu dickeren Platten verklebt. Beim Blick auf die vielen dünnen Holzschichten macht der Geschäftsführer den grundlegenden Vorteil von Furnierschichtholz klar: Bei einem 40 Millimeter-Holzbrett wäre ein Riss "eine Katastrophe", sagt Rodlberger. "Aber wenn auf 40 Millimeter ein Furnier einen Riss hat, wird das durch die darüber- und darunterliegenden Schichten homogenisiert." Das heißt, solche Fehlstellen werden durch die Vielzahl der Furniere aufgefangen und ausglichen.

Holzbalken liegen auf einem Tisch.
Auch Möbelindustrie und Gestellbau arbeiten mittlerweile mit dem stabilen Material. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Neue Holzkonstruktionen möglich

Aus den vielen dünnen Schichten entstehen am Ende ganz unterschiedliche Produkte: Träger und Stützen in verschiedenen Stärken, Platten oder auch Material für die Möbelindustrie und den Gestellbau. Im Holzbau sei "Baubuche" mittlerweile weithin bekannt, sagt der Geschäftsführer. Aber das sei nicht einfach gewesen, weil die Holzindustrie sehr traditionell geprägt sei. Dabei hat das Furnierschichtholz aus Buche statisch deutlich bessere Werte als das aus Nadelholz.

Von vielfältigen Möglichkeiten vom Skelettbau bis zum Fachwerk spricht Patrik Rodlberger: Es seien Konstruktionen möglich, die bisher nicht aus Holz gefertigt werden konnten. Oder aber Träger und Stützen könnten filigraner ausfallen als bisher. Das sehe nicht nur eleganter aus, sondern ermögliche auch mehr Nutzfläche, sagt der Geschäftsführer: Bei Quadratmeterpreisen von 15.000 Euro, wie bei einem Projekt in der Schweiz, lohne sich der Platzgewinn durch schlankere Querschnitte durchaus.

Ein Mann steht vor einer Holzbox.
Solche Querschnitte können Stützen aus "Baubuche" haben, zeigt Geschäftsführer Patrik Rodlberger. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Nachhaltigkeit sorgt für Absatz

Nicht zuletzt spielt das Thema Nachhaltigkeit dem Werk in die Karten: Bei der Furnierproduktion wird der nachwachsende Rohstoff Holz effizient genutzt. Und beim Absatz? "Da sind wir mit unseren Produkten, die auch eine Alternative zu Stahl und Stahlbeton bieten, voll im Trend der Zeit", sagt Patrik Rodlberger. Das werde sich über kurz oder lang positiv auf den Absatz auswirken.

Da sind wir mit unseren Produkten voll im Trend der Zeit.

Patrik Rodlberger, Geschäftsführer der Pollmeier Furnierstoffwerke GmbH

Deshalb wird ausgebaut. Zehn Millionen Euro fließen in neue Maschinen und Lagerflächen. Bis zum kommenden Jahr soll sich die Kapazität des Furnierschichtholzwerkes verdoppeln. Weil die Produktion weitgehend automatisiert ist, soll die Zahl der Mitarbeiter von derzeit rund 160 nur um etwa 15 steigen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Januar 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

thoralf1 vor 17 Wochen

Hallo Hansi, Ihr Kommentar ist wirklich gut.
Hallo Eulenspiegel, Ihrer im Ergebnis auch, aber gerade die Grünen wollen Windkrafträder im Wald bauen. Das Windrad ist vielleicht nicht einmal das Problem, aber wieviel Wald bzw. Natur muss erst einmal für eine Baustraße zum Bauplatz fallen?
Erst einmal ist es für die CO2 Bilanz irrelevant wie das Holz "endet". Verbrennen oder Biosphärenreservat setzt die gleiche Menge des gespeicherten Gehaltes frei.
In den Häusern bleibt es länger gespeichert und das ist erst einmal sehr gut.
Da wir sicher nicht Brasilien beeinflussen können, sollte wir uns eine eigene "Waldbilanz" schaffen.
Norwegen baut z.B. Birkenwälder nur als Heizmaterial an, Einschlagen nach 15 Jahren.
So schön wie es wäre, aber eine Globalität wird nie funktionieren!

Eulenspiegel vor 17 Wochen

Ja die Antwort ist doch klar. Wir brauchen mehr Wälder. Und zwar überall auf der Erde.

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