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Gut ein Drittel der Holzkonstruktion des 80 Meter langen westlichen Gradierwerks steht bereits. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Kur

Holzbau im Baukastenprinzip: Wie das Gradierwerk in Bad Salzungen neu entsteht

von Ruth Breer, MDR THÜRINGEN

Stand: 09. August 2021, 16:52 Uhr

Rund 12,5 Millionen Euro fließen in Bad Salzungen in die Sanierung des Gradierwerks. Das Herzstück des Kurbetriebs, die heilsamen Gradierwände, waren allerdings so marode, dass sie niedergelegt und neu aufgebaut werden mussten. Nach Abriss und Arbeiten an der Solewanne ist jetzt zumindest an der Westwand der Baufortschritt unverkennbar: Auf gut einem Drittel der Länge steht bereits die Holzkonstruktion.

Endlich ist wieder etwas zu sehen vom Bad Salzunger Gradierwerk: Seit Ende Juli wächst die Holzkonstruktion auf der Baustelle. Die Westwand ersteht neu, aber originalgetreu in der rund 100 Jahre alten ursprünglichen Form. Ein Gerüst aus mächtigen Lärchenbalken: Insgesamt 350 Kubikmeter Holz braucht es allein für diese Gradierwand. Sie ist 80 Meter lang, mit Dachstuhl etwa 12,5 Meter hoch. Jeden Montag liefert die Holzbaufirma aus dem niedersächsischen Landkreis Vechta Holznachschub für eine Woche.

Zusammenbau nach Zahlen in Bad Salzungen

David Gonzalez-Lombas und seine vier Kollegen bauen aus Kanthölzern eine Art Form auf der Baustelle, direkt auf dem Fußboden der Gradierwand. Dort werden sie mächtige, knapp acht Meter hohe Gebinde zusammensetzen. Ein Kran setzt die trapezförmigen Gestelle wie Querscheiben vor die fertige Konstruktion, dann werden sie durch Querstreben mit dem Rest verbunden. Alle Teile sind nummeriert, zusammengebaut wird nach Montageplan. Kein Problem, sagt Gonzalez-Lombas, Zahlen könne jeder lesen. "Man muss nur die richtige Zahl finden, das ist manchmal das Problem", lacht er.

"Kur" fürs Gradierwerk Bad Salzungen: Holzbau hat begonnen

Gut ein Drittel der Holzkonstruktion der 80 Meter langen westlichen Gradierwand steht bereits. Auf die etwa 75 Meter hohe Konstruktion wird noch ein fünf Meter hoher Dachstuhl aufgesetzt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Architekt Burkhard Hoßfeld zeigt, wie die Holzteile bereits im Abbundzentrum für ihren Zusammenbau vorbereitet wurden: mit Anschnitten, Zapfen oder Aussparungen für Schrauben. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Alle Holzteile werden fertig zugeschnitten angeliefert. Die Nummer darauf zeigt, in welcher Stelle sie eingebaut werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Zimmerleute und Tischler einer niedersächsischen Holzbaufirma bauen eine Form, in der später die einzelnen trapezförmigen Gebinde der Konstruktion am Boden vorgefertigt werden. Sie werden später mit einem Kran aufgerichtet, an Ort und Stelle eingefügt und mit dem Gebäude verbunden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Blick durch die Giebelwand auf die Großbaustelle. Im vergangenen Dezember hatte die Sanierung begonnen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Jeden Montag kommt der Holznachschub - wie die Holzbaufirma auch - aus Niedersachsen. Allein für die Westwand werden rund 350 Kubikmeter Lärchenholz benötigt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Das schmucke Fachwerkgebäude zwischen den Gradierwänden kommt im Zuge der Arbeiten auch noch in Kur. Insgesamt investiert das städtische Kur- und Touristikunternehmen 12,5 Millionen Euro. Bund und Land haben 7,4 Millionen Euro Fördermittel zugesagt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Auf dem Holzlaster gut zu erkennen. Alle Holzteile sind bereits vorgefertigt und einzeln nummeriert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Wenn der Grundbau steht, wird er beplankt, dann der fünf Meter hohe Dachstuhl aufgesetzt. Bis Jahresende soll die Holzkonstruktion stehen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Teil der Giebelwand lehnt seitlich an dem fertiggestellten Holzgerüst. Zu solchen trapezförmigen Gebinden werden die Teile zusammengebaut. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Arbeit für eine Woche: Der Holzlaster wird abgeladen. Innerhalb von fünf Arbeitstagen montieren die fünf Holzbauer fünf bis sieben Gebinde. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Alles fertig vorbereitet

Auf dem Holzlaster frisch aus Niedersachsen liegt das Holz dicht an dicht wie in einem großen System-Baukasten für Kinder. Jedes Teil wurde vorbehandelt, erklärt Architekt Burkhard Hoßfeld: im Sägewerk zugeschnitten auf die erforderlichen Querschnitte, dann im Abbundzentrum mit Anschnitten oder konstruktiven Anschlüssen versehen wie beispielsweise Zapfen, Aussparungen oder Löchern für Schrauben. Deshalb geht es auf der Baustelle vergleichsweise fix: Fünf bis sieben dieser großen Gestelle schaffen die fünf Holzbauer in einer Woche.

Westwand bis April fertig

Wenn der Grundbau steht, wird er beplankt, dann der fünf Meter hohe Dachstuhl aufgesetzt. Bis Jahresende soll die Holzkonstruktion stehen. Dann geht es weiter mit der Dacheindeckung, den Klempnerarbeiten und dem Einbau des Schwarzdorns, durch den später wieder die hochprozentige Salzunger Sole rieseln soll. Bis April, so der Plan, soll die Westwand fertig sein. An der Ostwand soll der Holzbau im Herbst 2021 beginnen.

Kein Mangel an Holz

Obwohl Holz knapp ist, hat es bisher an der Großbaustelle Gradierwerk keine Engpässe gegeben, sagt der Leiter des städtischen Kur- und Touristikunternehmens Daniel Steffan. Er ist sehr zufrieden mit der Arbeit des Holzbauunternehmens aus Niedersachsen. Das habe dank guter Kontakte zu Sägewerken rechtzeitig das Lärchenholz gesichert. Preislich schätzt er den Anteil des Holzbaus an den Gesamtkosten auf 20 bis 25 Prozent. Auch bei der Ostwand, hofft Steffan, wird es ähnlich gut laufen. Der Auftragnehmer habe zugesichert, dass er über die benötigte Holzmenge verfüge.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. August 2021 | 17:00 Uhr

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