Bad Liebenstein Tier verendet - Tierpark beschwert sich über Besucher

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Traurig und wütend sind die Tierpark-Mitarbeiter in Bad Liebenstein: am Montagmorgen fanden sie ihre fünf Muntjaks, Mini-Hirsche aus Asien, teilnahmslos im Gehege. Ein Tier starb am gleichen Tag, ein anderes kämpft noch ums Überleben. Die vermutete Ursache: grüne Äpfel, die offenbar Besucher an die Tiere verfüttert hatten.

Mitarbeiter im Tierpark Bad Liebenstein streichelt Muntjak
Dieses Muntjak-Weibchen liegt noch immer apathisch in der Hütte. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Tierparkleiter Simon Geib spürt den Schrecken noch in den Gliedern und hat das Bild vom Montagmorgen vor Augen: Als die Mitarbeiter zur Arbeit kamen, da lagen die Muntjaks verstreut und halb weggetreten in ihrem Gehege. Sie hatten schlimmen Durchfall, berichtet Tierpflegerin Susanne Krüger, und waren aufgebläht. Schnell wurden die Tiere eingefangen und zur Tierärztin gebracht.

Hirchnachwuchs 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 17.08.2021 19:00Uhr 01:49 min

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Eines hat den Tag nicht überlebt, es wurde zur Untersuchung nach Bad Langensalza gebracht. Ein anderes liegt noch apathisch in der Hütte unter der Wärmelampe. Dieses Weibchen sei am Montagabend mehr tot als lebendig gewesen, erzählen sie und hoffen auf weitere Besserung. Zwei Jungtiere und ein Bock haben sich inzwischen etwas erholt.

Grüne Äpfel ins Gehege geworfen

Die vermutliche Ursache hat Susanne Krüger in einer Kiste zusammengesammelt: kleine grüne Apfel. Das unreife Obst ist sehr sauer und gärt im Magen, erklärt sie. Offenbar haben Besucher die Äpfel in das Gehege geworfen. Auch bei anderen Tieren haben die Tierparkmitarbeiter sie schon gefunden. "Vermutlich sagen sie: Och, der eine Apfel macht nichts", sagt Krüger. "Aber der nächste hebt den nächsten Apfel auf und schmeißt ihn auch rein - das sind dann vielleicht zwei, drei Kilo am Tag - das geht gar nicht." Und weil das nicht das erste Mal ist, dass so etwas passiert, sind die Mitarbeiter nicht nur traurig, sondern auch wütend.

Mitarbeiter im Tierpark Bad Liebenstein
Susanne Krüger muss immer wieder unreife Äpfel aus dem Gehege sammeln. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Bier für die Ziegen, Kastanien für die Pelikane

"Mindestens 90 Prozent sind ordentlich", nimmt Tierparkleiter Simon Geib die überwiegende Zahl der Gäste in Schutz. Aber fünf bis zehn Prozent machen Probleme, halten sich nicht an Regeln. Keineswegs nur Kinder, sondern auch Erwachsene, betonen Geib und Krüger. Das fängt beim Füttern an: Die trockenen Pellets, die an der Kasse für Schafe, Ziegen und Alpakas angeboten werden, landen auch in anderen Käfigen wie beispielsweise bei den Affen.

Vermutlich sagen sie: Och, der eine Apfel macht nichts. Aber der nächste hebt den nächsten Apfel auf und schmeißt ihn auch rein - das sind dann vielleicht zwei, drei Kilo am Tag - das geht gar nicht.

Tierpflegerin Susanne Krüger

Unlängst hatten Besucher Bier in den Pappbecher mit dem Trockenfutter gekippt und sie an die Ziegen verfüttert. Als die Tierparkmitarbeiter die Gäste daraufhin zum Ausgang geleiteten und rauswarfen, mussten sie sich noch beschimpfen lassen.

Andere Besucher bringen von zuhause Kartoffel- und Möhrenschalen mit. "Denken die, hier sind Schweine?", entrüstet sich Geib. Alle Tiere bekommen ihr spezielles Futter - die Pelikane beispielsweise nur Fisch. Aber auch ihnen haben Gäste schon Kastanien hingeworfen. Daran hätten sie ersticken können, sagt der Tierparkleiter.

Mitarbeiter im Tierpark Bad Liebenstein
Obwohl überall Schilder hängen, halten sich manche Besucher nicht daran. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Kein Abstand zum Gehege gehalten

Auch Absperrungen und Schilder werden von dieser Minderheit ignoriert. Wie die Warnung, Finger nicht durchs Gitter zu stecken. Immer wieder müssen Bisse mit Pflastern versorgt werden. Trotz aller Warnhinweise gelang es einem Nerzweibchen, dank eines unvorsichtigen Gastes aus dem Gehege auszubüxen. Als der über die Glaswand langte, verbiss sich das Tier in den Ärmel. Als der Besucher den Arm hochriss, wurde auch der Nerz herausgeschleudert - und zum Glück schnell wieder eingefangen.

Mitarbeiter im Tierpark Bad Liebenstein
Tierparkleiter Simon Geib ist genauso frustriert wie seine Mitstreiterinnen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Auch die Toilette verwüstet

Nicht nur Ignoranz und schlechtes Benehmen ärgert das Tierpark-Team, es gibt auch Vandalismus. Erst vor wenigen Wochen war eine Toilette verwüstet worden: die Klobrille zerschlagen, Kot rundum verschmiert, an Wänden und auf dem Boden. Der Tierpark wird privat betrieben, er lebt von Einnahmen, Spenden und dem ehrenamtlichen Einsatz vieler Helfer. Das respektlose Benehmen gegenüber den Tieren und dem Tierpark hat zugenommen, stellt Leiter Simon Geib fest, das mache "frustriert und sprachlos".

Quelle: MDR Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 18. August 2021 | 07:15 Uhr

7 Kommentare

Harka2 vor 9 Wochen

Das ist ein privater Zoo. Videoüberwachung ist teuer und nur ein Bild von dem Idioten zu haben nützt einem Privatmann auch nicht viel. Da kommt bei einer Anzeige nicht viel raus. Leider.

Kritiker vor 9 Wochen

Gibt es nur eines. Videoüberwachung und die Minderheit der Unvernünftigen zur Kasse bitten oder ein Besuchsverbot aussprechen über Jahre oder Jahrzehnte!

Anni22 vor 10 Wochen

Bitte keine Tiere in Tierparks usw. füttern. Ich weiß, man meint es gut, aber es schadet den Tieren wirklich. Lassen Sie es bitte sein.
Und die Irren, die Bier usw zum Spaß verfüttern , sagt mal seid ihr noch ganz dicht?
Warum randaliert man in einem Tierpark? Was sind das für Gestalten? Hat wer was gesehen? Weiß wer, wer das war? Was ist nur mit solchen Menschen los? Es wird wirklich immer schlimmer!

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