Wetter in Thüringen Klimawandel - oder einfach nur ein nasser Sommer?

Überschwemmungen, dann wieder brütende Hitze und heftige Gewitter - das Wetter hat in Thüringen in den vergangenen Wochen immer mal verrückt gespielt. Oder ist das nur ein subjektives Gefühl und eigentlich nicht ungewöhnlich? MDR THÜRINGEN hat nachgeforscht.

Feuerwehrleute an einer überschwemmten Straße
In Weimar-Legefeld wurde diese Straße Anfang Juni von Wasser- und Schlammmassen überflutet. Bildrechte: MDR/Johannes Krey

Bei Hans-Joachim Waszkiewicz aus Zella-Mehlis hat es Anfang Juni heftig geregnet. So heftig, dass es Überschwemmungen gab, dutzende Keller in Zella-Mehlis liefen voll Wasser. Ähnliche Bilder gab es Anfang Juni auch aus dem Landkreis Gotha und dem Wartburgkreis. Hans-Joachim Waszkiewicz hat das nicht überrascht. Er zeichnet das Wetter seit mehr als zehn Jahren jeden Tag auf.

Kühler Frühling, heißer Juni

Den Daten von Hans-Joachim Waszkiewicz zufolge waren der April und der Mai 2021 relativ kühl im Vergleich zu anderen Jahren. Der Juni war dann sehr warm. Laut der Wetterstation in Neuhaus am Rennweg im Landkreis Sonneberg war es der drittwärmste Juni seit mindestens 1940. Im Vergleich zu den Junis innerhalb der Zeitperiode 1961-1990 wich der diesjährige Juni den Messwerten von Hans-Joachim Waszkiewicz zufolge um rund sechs Grad nach oben vom Referenzwert ab. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die diesjährige Durchschnittstemperatur im Juni lag in Zella-Mehlis bei 19 Grad - während sie zwischen 1961 und 1990 bei etwa 13 Grad lag.

Der Deutsche Wetterdienst beschreibt das auch für ganz Thüringen so: kühler Frühling, heißer Juni. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen - das ist ein Grund dafür, dass es in diesem sehr warmen Juni auch viel geregnet hat. Jedoch sind weder die Wärme noch die teilweise hohe Niederschlagsmenge für sich betrachtet etwas Besonderes, sagen Wettermelder Hans-Joachim Waszkiewicz und der Deutsche Wetterdienst übereinstimmend. Solche Ausreißer gibt es immer mal wieder.

Auf längere Zeit betrachtet: Gestiegene Temperatur, weniger Regen

Verglichen mit den Junis der vergangenen Jahrzehnte zeigt sich für den Juni 2021 allerdings, dass es - ganz abgesehen von den normalen Schwankungen - grundsätzlich wärmer geworden ist. Laut Wettermelder Hans-Joachim Waszkiewicz beträgt die Abweichung von der Durchschnittstemperatur zwischen den Perioden 1961 bis 1990 und 1991 bis heute 1,9 Grad. Klimaforscher gehen von einer durchschnittlich um 1,4 Grad erhöhten Temperatur aus.

Auch im Hinblick auf den Niederschlag gibt es laut dem Deutschen Wetterdienst einen Trend: Heute regnet es insgesamt weniger als früher. Von 1961 bis 1990 hat es in Deutschland im Schnitt etwa 15 Liter mehr pro Monat pro Quadratmeter geregnet als in der Periode von 1991 bis heute.

Punktueller Starkregen wird häufiger

Ein Widerspruch zu den Überschwemmungen ist das nicht unbedingt: Die Überschwemmungen haben sich auch deshalb ereignet, weil sich der Regen sehr punktuell entladen hat. Die Folgen dieses örtlich begrenzten Starkregens sind für Menschen und Natur ungünstig: Während es an einem Ort wie aus Kübeln gießt und es zu Überschwemmungen kommt, fehlt der Regen im Nachbarort. Der Deutsche Wetterdienst beobachtet dieses Wetterphänomen in jüngerer Zeit häufiger als früher. Das heißt, es ist davon auszugehen, dass es in Zukunft nicht nur häufiger sehr heiße Perioden, wie die Sommer in den Jahren 2018 und 2019 geben wird, sondern es auch häufiger zu Überschwemmungen kommen kann.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Juli 2021 | 19:00 Uhr

94 Kommentare

Fakt vor 44 Wochen

@Critica:

Wo leben Sie?
Ich persönlich lebe auf der Erde, die es seit knapp fünf Milliarden Jahren gibt. Sollten Sie mit "Welt" das gesamte Universum meinen, kommt man auf etwa 13,8 Milliarden Jahre.

martin vor 44 Wochen

Tja, zu den Zeiten des geschätzten Wilhelm Busch gab es halt noch etliche Kenntnisse von Wetter und Klima noch nicht. An manchen heutigen Zeitgenossen ist der Zuwachs an wissenschaftlicher Erkenntnis spurlos vorüber gegangen.

martin vor 44 Wochen

@rainman: Wenn der Hagel im August einen Tag liegen bleibt, ist das doch so ähnlich, gell?

Schneefall von Sept bis Juni ... das dürfte doch selbst für die Zugspitze eher die Ausnahme sein ....

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