Schleppende Energiewende Ausbau der Windenergie in Thüringen weiter ausgebremst

Thüringen will bis 2040 so viel Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen, wie im Land insgesamt verbraucht wird. Um das zu schaffen, müssen jedes Jahr 150 Megawatt Windstrom-Leistung neu installiert werden. Praktisch ist der Freistaat davon weit entfernt. 2021 hat die Branche nur ein knappes Drittel davon geschafft, weil Flächen fehlen.

Windkraftanlage in der Landschaft
An welchen Stellen Windräder zur Stromerzeugung aufgestellt werden dürfen, ist in Deutschland klar geregelt. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Ausbau der Windenergie kommt in Thüringen immer langsamer voran. Wie aus dem Marktstammdaten-Register der Bundesnetzagentur für den Strom- und Gasmarkt hervorgeht, wurden 2021 im Freistaat 13 neue Anlagen gebaut. Im gleichen Zeitraum haben Betreiber sieben ältere Anlagen abgebaut.

Damit ist die Gesamtleistung aller Windräder in Thüringen um 50 Megawatt gestiegen. Um die Klimaziele des Landes zu erreichen, müssen pro Jahr 150 Megawatt zugebaut werden. Thüringen will bis 2040 so viel Strom aus erneuerbaren Quellen selbst erzeugen, wie im Land verbraucht wird. Derzeit sind nach Angaben der Thüringer Servicestelle Wind im Freistaat 843 Anlagen mit rund 1.690 Megawatt möglicher Leistung installiert.

Windräder: Oft mehrere Jahre bis zur Genehmigung

Der Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen im Bundesverband Windenergie, Frank Hummel, sagte MDR THÜRINGEN, vor allem das Hin und Her bei den ausgewiesenen Vorranggebieten bremse den Ausbau. Dadurch würden für Windfirmen kaum noch Flächen zur Verfügung stehen. Außerdem dauere die Hälfte aller Genehmigungsverfahren für neue Anlagen fünf Jahre oder länger.

Zusätzlich habe auch das Verbot von Windrädern im Wald den Ausbau weiter ausgebremst. Dadurch seien in Ostthüringen zwölf Prozent der ausgewiesenen und in Südwestthüringen 60 Prozent der geplanten Vorrangflächen wieder tabu.

Hummel kritisierte die Ankündigung der CDU Thüringen, dem Landeshaushalt für 2022 nur zuzustimmen, wenn Rot-Rot-Grün einem gesetzlich festgelegten Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen Windrädern und Wohnhäusern zustimmt. Die CDU stelle hier Bedingungen, die mit dem Haushalt nichts zu tun haben und erpresse die Minderheitskoalition.

Wissen

Höhenwindrad 5 min
Bildrechte: MDR WISSEN, Daniel Berg

Mehr Akzeptanz für Windkraft schaffen

Die Leiterin der Servicestelle Wind bei der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur, Ramona Rothe, sagte, 2021 sei der Ausbau der Windenergie so langsam vorangekommen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Für bessere Rahmenbedingungen müssten Genehmigungen schneller erteilt, aber auch das Landesentwicklungsprogramm überarbeitet werden.

Für einen schnelleren Ausbau brauche es mehr Akzeptanz in den Kommunen und bei den Bürgerinnen und Bürgern. Dafür müssten neue Windräder für mehr direkte Wertschöpfung in den Regionen sorgen. Rothe fordert erneut, Bürger und Kommunen in Thüringen öfter und stärker am Betrieb von Windenergieanlagen zu beteiligen.

Quelle: MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Januar 2022 | 08:00 Uhr

80 Kommentare

Eulenspiegel vor 31 Wochen

Hallo Tacitus
Ja auch der Ex-Direktor des Münchener Ifo-Institus ist vor Irrtümer nicht sicher.
Ich stelle dagegen:
Die Atomenergie war der größte Irrtum des Jahrhunderts mit deren Folgen die Menschheit noch mehr als 1000 Jahre zu kämpfen haben wird. Von den Kosten ganz zu schweigen.

Eulenspiegel vor 31 Wochen

Ja Norwegen ist auf dem Weg der Stromspeicher Europas zu werden. Dazu kommt die gesamte Wasserstofftechnologie. Denn da geht es ja auch darum große Mengen an Energie zu speichern. Und jetzt geht es darum die Windenergie konsequent auszubauen.

emlo vor 31 Wochen

@hansfriederleistner: "Wie wollen sie feststellen,wie ihr Strom erzeugt wurde? Und glauben sie der Netzverbund unterscheidet?" - Da Sie ja geistig noch fit sind, wird es Ihnen nicht schwer fallen, meinen vorherigen Kommentar noch einmal richtig zu lesen. Da steht die Antwort drin. Kleiner Tipp noch: Achten Sie auf das Wort "bilanziell"!

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