Thüringen Tourismuszentren überrannt - Bürgermeister rufen zum Wegbleiben auf

Zahlreiche Tourismus-Zentren in Thüringen sind in den vergangenen Tagen von Ausflüglern regelrecht überrannt worden. Der frische Schnee sorgte für zusätzlichen Anreiz. Doch Bürgermeister von Touristenorten schlagen Alarm: Die Einhaltung der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie sei kaum zu kontrollieren.

Menschen am Rodelhang in Oberhof im Thüringer Wald
Überfüllter Rodelhang in Oberhof kurz vor dem Jahreswechsel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Masserberger Bürgermeister Denis Wagner kritisiert unvernünftige Wintertouristen am Rennsteig im Landkreis Hildburghausen. Wie Wagner MDR THÜRINGEN am Sonntag sagte, hatten sich zum Beispiel an einem Rodelhang im Masserberger Ortsteil Heubach auf kleinsten Raum zahlreiche Menschen aufgehalten, die teilweise sehr eng beieinander standen. Die Parkplätze waren schon am Samstagvormittag überlastet, so dass viele Autos Straßen und Waldeinfahrten blockiert hätten.

Masserberg - Parkplatz
Parkplatz in Masserberg am 3. Januar Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Einwohner müssen sich an Ausgangssperre halten

Wagner forderte das Landratsamt in Hildburghausen auf, stärker zu kontrollieren. Einwohner aus Landkreisen mit Ausgangsperre dürften eigentlich nur in ihrer näheren Umgebung spazieren gehen. Im Landkreis Hildburghausen selbst gilt eine strikte Ausgangssperre. Die Einwohner dürfen ihr Haus nur mit triftigem Grund verlassen. Spaziergänge in der Umgebung ihres Heimatortes sind erlaubt, allerdings keine größeren Ausflüge. "Wer möchte, dass im Thüringer Wald die Skisaison wieder richtig starten kann, sollte jetzt zu Hause bleiben", so Wagner. So jedenfalls könnten die Infektionszahlen nicht sinken.

Wagner kritisiert auch die Entscheidung des Landes Thüringen, die Liftanlagen wegen der Coronapandemie geschlossen zu halten. "Wären die Lifte geöffnet, könnte der Wintertourismus in die richtigen Bahnen gelenkt und besser auf die Anstandsregeln geachtet werden", so Wagner.

Ramelow appelliert: Vermeiden Sie Menschenmassen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat am Sonntag an die Thüringerinnen und Thüringer appelliert, Menschenansammlungen zu vermeiden. Das gelte auch für beliebte Winterurlaubsgebiete im Thüringer Wald. Dort komme es derzeit zu einem Geschehen, das in den Städten bereits untersagt sei. Das könne man nicht so laufen lassen, sagte Ramelow. Er mahnte erneut, Masken zu tragen und Abstand zu halten, vor allem zu Menschen, mit denen man nicht zusammen wohne.

Oberhof: Besucher sollen Bereich um Skistadion meiden

Die Organisatoren des Biathlon-Weltcups in Oberhof bitten darum, den Bereich rund um das Skistadion zu meiden. Wie ein Sprecher sagte, stört jedes zusätzliche Auto die Vorbereitungen. Zudem wird befürchtet, dass die Fans zu den Rennen so nah wie möglich an die Strecken kommen wollen. Das sei aber nicht möglich. Schon jetzt ist das komplette Gebiet am Grenzadler abgesperrt. Jeder Biathlonfan solle sich die Rennen im Fernsehen ansehen und sich stattdessen auf die WM-Generalprobe im kommenden Jahr freuen, hieß es.

Zum Weltcup selbst wird auch die Straße zum Grenzadler abgesperrt. Oberhof trägt vom 8. Januar an zwei Weltcups aus. Vom 13. bis 17. Januar springt Oberhof für das bayerische Ruhpolding ein. Beide Veranstaltungen finden ohne Zuschauer statt. Die Stadt Oberhof hat außerdem wegen der vielen Winterausflügler die Straße zum Rodelhang an der Alten Golfwiese mit einer Schranke abgesperrt. Wie ein Stadtsprecher sagte, war wegen der vielen Autos für Rettungswagen kein Durchkommen mehr.

Parkende Autos an einer Zufahrtsstraße zum Grenzadler bei Oberhof (03.01.2021)
Zufahrtsstraße zum Grenzadler bei Oberhof am 3. Januar Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Ettersburgs Bürgermeister: Bleibt zu Hause!

Auch in Ettersburg im Weimarer Land herrscht großer Andrang. Wie der Bürgermeister der Gemeinde "Am Ettersberg", Thomas Heß, mitteilte, sind die Zufahrtsstraßen verstopft. Für den Winterdienst ist aufgrund der zugeparkten Wege kein Durchkommen mehr. Viel zu viele Menschen seien unterwegs, so Heß. Das sei mit Blick auf die Corona-Regeln ebenfalls bedenklich. Heß rief die Menschen auf, am Sonntag nicht mehr in den Ort zu kommen. Ettersburg und sein Park sind beliebte Ausflugsziele auch für Wintertouristen. Die Hügel laden zum Rodeln ein.

Auto-Staus im Harz

Im Harz herrscht ebenfalls seit Tagen großer Andrang. Erneut haben sich entgegen allen Mahnungen am Sonntag viele Ausflügler auf den Weg in den Harz gemacht. Schon am Morgen waren die Parkplätze voll, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Die Bundesstraße 4 musste zudem kurzzeitig am Ortsausgang Bad Harzburg in Richtung Torfhaus einseitig gesperrt werden, da es zu Staus kam und einige Autos bereits liegengeblieben waren.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es trotz der Corona-Pandemie einen Ansturm auf die Ausflugsziele im Harz mit stundenlangen Staus auf der B4 gegeben. Die Polizei äußerte die Hoffnung, dass die Lage im Laufe des Sonntags nicht wieder ausartet: "Momentan ist ein starker Schneefall, vielleicht hält das den einen oder anderen Besucher ab", sagte der Sprecher am Sonntagvormittag.

Die Schlepplifte sind coronabedingt geschlossen, zahlreiche Familien sowie Gruppen machen sich jedoch zu Fuß auf den Weg. Wegen Überfüllung und des Ansteckungsrisikos rät die Polizei weiter von Ausflügen in den winterlichen Harz ab.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. Januar 2021 | 19:00 Uhr

118 Kommentare

martin vor 13 Wochen

@der andere martin: Ich habe meine Wahrnehmung nicht von EINER Webcam auf einem Rodelhang. Darüber hinaus mag es durchaus sein, dass sich dort vornehmlich die (Familien) aufgehalten haben, die sich an die Infektionsschutzregeln gehalten haben. An derartigem Verhalten habe ich überhaupt nichts auszusetzen - ganz im Gegenteil.

Aber es gibt leider auch reichlich andere Situationen, die die Problemlage recht deutlich aufzeigen. Die Bildauswahl soll ja den Beitrag, der auf das Problem aufmerksam machen will, unterstützen.

martin vor 13 Wochen

@adler: Sie beantworten meine Frage nicht. Falls ich Sie überfordert haben sollte, nehme ich meine Frage mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns zurück. Ansonsten gehe ich davon aus, dass Sie sich vor einer Antwort drücken wollen.

Habe die Ehre.

martin vor 13 Wochen

@freiheit: Könnte ja auch an den von einer lautstarken Minderheit viel gescholtenen Maßnahmen liegen, dass wir keine Todeszahlen wie bei der Spanischen Grippe haben.

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