Fragen und Antworten Tourismus im Thüringer Wald: Welche Bedeutung hat er?

Erst kürzlich feierte die Thüringer Tourismusbranche ein überaus erfolgreiches Jahr 2019. Die Übernachtungszahlen stiegen auf ein neues Hoch. Langfristig stagnieren aber die Zahlen - vor allem im Thüringer Wald.

Urlauber aus Niedersachsen stehen bei Gehlberg (Thüringen) auf dem 978 Meter hohen Schneekopf und schauen auf den Thüringer Wald.
Urlauber ais Niedersachsen bei Gehlberg auf dem 978 Meter hohen Schneekopf. Bildrechte: dpa

Was zählt touristisch zum Thüringer Wald?

Touristisch ist das Land Thüringen in mehrere Reisegebiete eingeteilt. Ein Gebiet ist der Thüringer Wald. Das Problem: Dieses Gebiet erstreckt sich vom Wartburgkreis über Gotha bis hin zum Saale-Orla-Kreis. Für die Bedeutung des Mittelgebirges und der Kernregion Thüringer Wald mit den Wintersportorten eignet sich die Einteilung deshalb nur begrenzt. Allerdings liegen oft nur zu diesem Gebiet verlässliche Zahlen zu Wirtschaftskraft und Übernachtungszahlen vor.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat der Tourismus im Thüringer Wald?

Laut einer Analyse aus dem Jahr 2016 erzielte das Reisegebiet Thüringer Wald 2015 einen Gesamtumsatz von über 900 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Umsatz für Thüringen insgesamt lag bei 3,1 Milliarden Euro (Zahlen von 2014). Einberechnet wurden Einnahmen aus Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungen. Neben den Übernachtungsgästen spielt der Tagestourismus eine wichtige Rolle.

  Gesamtumsatz in Millionen Euro Anteil Gastgewerbe Anteil Einzelhandel Anteil Dienstleistungen
Gesamt 907,9 48,3 % 25,5 % 26,2 %
Übernachtungsgäste 525,7 63,3 % 15,1 % 21,6 %
Tagesbesucher 382,2 27,7 % 40,0 % 32,3 %

Welchen Anteil hat der Thüringer Wald an den Übernachtungszahlen?

Die Reiseregion Thüringer Wald trägt zu einem erheblichen Teil zu den Übernachtungszahlen in Thüringen bei. Von 10,3 Millionen Übernachtungen im Jahr 2019 gingen 4,3 Millionen auf das Konto des Reisegebiets Thüringer Walds.

Wo wird im Thüringer Wald am häufigsten übernachtet?

Zu den Top-Reiseorten im Kerngebiet Thüringer Wald zählen sowohl klassische Wintersport-Hochburgen wie Oberhof als auch beliebte Kurorte wie Friedrichroda.

Übernachtungen in ausgewählten Kur- und Wintersportorten im Thüringer Wald
Ort Übernachtungen 2019  
Oberhof 425.338  
Friedrichroda 421.873  
Bad Liebenstein 327.843  
Suhl mit Schmiedefeld 275.853  
Masserberg 229.143  
Bad Tabarz 192 970  
Bad Lobenstein 80 774  
Neuhaus am Rennweg 69.468  
Schleusingen 40.666  

Wie entwickeln sich die Übernachtungszahlen in Thüringen?

Erst kürzlich klopften sich Touristiker in Thüringen auf die Schultern und feierten die vorgelegten Übernachtungszahlen. Denn 2019 wurden in Thüringen erstmals seit Beginn der Beherbergungsstatistik im Jahr 1991 mehr als zehn Millionen Übernachtungen gezählt. Profiteure waren die Städte und ganz besonders Weimar mit dem Bauhaus-Jahr. Tendenz seit Jahren: Der Städtetourismus wächst:

Wie entwickeln sich die Zahlen im Thüringer Wald?

Die Reiseregion Thüringer Wald legte im Jahr 2019 ebenfalls zu - wenn auch nicht ganz so stark. Im Kerngebiet beziehungsweise Wintersportgebiet des Thüringer Walds sind die Übernachtungszahlen über einen längeren Zeitraum hinweg aber rückläufig.

Zu diesem Ergebnis kam jüngst auch eine Studie der Dualen Hochschule Gera-Eisenach. Demnach sanken die Zahlen von 2008 bis 2019 sowohl in den Sommer- als auch in den Wintermonaten um über sechs Prozent.

Der Trend lässt sich auch gut in den Gemeinden beobachten. So muss Oberhof auf sinkende, bestenfalls stagnierende Zahlen reagieren.

Wann gibt es die meisten Übernachtungen?

Es mag überraschen: Aber im Schnitt werden in der Kernregion Thüringer Wald in den Sommermonaten mehr Übernachtungen gezählt als im Winter. Der Winter zieht dafür deutlich mehr Tagestouristen an.

Welche Strategie verfolgt Thüringen für den Wintertourismus?

Bei der Entwicklung neuer touristischer Konzepte setzt Thüringen seit über zehn Jahren auf Ganzjahresangebote - das heißt auf Angebote, die nicht schneegebunden sind. Reine touristische Winterangebote sollten nicht gefördert werden, heißt es vom Regionalverbund Thüringer Wald. Beispiele für Ganzjahrestourismus sind die Skihalle in Oberhof, ein Ganzjahreskonzept für den Rennsteig oder der Skilift in Steinach.

Mit der Tourismuskonzeption 2025 aus dem Jahr 2016 existiert ein entsprechender Handlungsleitfaden, wie der Tourismus im Thüringer Wald künftig aufgestellt werden soll. Außerdem spielt das Thema Nachhaltigkeit eine größere Rolle.

Wie werden Tourismus und Marketing im Thüringer Wald organisiert?

Der Regionalverbund Thüringer Wald ist für die touristische Entwicklung in der Region verantwortlich. Der Verein ist ein Zusammenschluss von acht Landkreisen, Städten, Gemeinden, Thüringenforst, IHK, privaten Leistungsträgern und Verbänden entlang des Rennsteigs und arbeitet eng mit der Thüringer Tourismusgesellschaft zusammen.

Ziel ist die Vernetzung in der Region. Zu den Aufgaben gehören unter anderem das Rennsteig-Ticket, das Schneetelefon, die Standardisierung von Beschilderungen entlang des Rennsteigs und die übergreifende Vermarktung des Reisegebiets auf Messen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 02. März 2020 | 18:00 Uhr

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