Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wolf und Wolfsrudel


Wie viele Wölfe gibt es in Thüringen?

Thüringen ist für Wölfe eher ein "Transitland". Inzwischen stehen zwei Thüringer Wolfsreviere fest: Seit 2014 ist eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf im Landkreis Gotha nachgewiesen, zu der sich inzwischen auch ein männlicher Wolf gesellt hat. Anfang 2021 stufte das Thüringer Umweltministerium eine weitere Wölfin als sesshaft ein. Das Tier lebt im Gebiet der Gemeinde Dermbach im Wartburgkreis.

Die Wölfin von Ohrdruf paarte sich 2017 erstmals - offenbar mit einem Labrador - und brachte sechs Mischlinge zu Welt. 2019 brachte diese Wölfin zum zweiten Mal Jungtiere zur Welt. Fotofallen in der Region zeigten im Sommer fünf junge Wolfshybriden. Vermutlich paarte sie sich mit ihrem eigenen Hybridensohn, mit dem die Wölfin unterwegs war, ehe er im April erschossen wurde. Ebenfalls 2019 gesellte sich ein Wolfsrüde zu ihr. Im Sommer 2020 bestätigte das Umweltministerium, dass die beiden Nachwuchs gezeugt haben. Thüringen hat damit sein erstes echtes Wolfsrudel. Von Nachwuchs der Wölfin im Wartburgkreis ist noch nichts bekannt.

In Deutschland breiten sich die Wölfe wieder seit dem Jahr 2000 aus. Die großen Wolfspopulationen mit etlichen Rudeln finden sich in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.


Wovon ernähren sich die Wölfe hier?

Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf ernähren sich die Tiere in Mitteleuropa vor allem von Rehen, Wildschweinen und Rothirschen. Generell fressen Wölfe die Tiere, die sie leicht erlegen können. In der freien Wildbahn können das kleinere Tiere wie Rehkitze, Hirschkälber, Hasen und Kaninchen oder generell schwache und kranke Tiere sein. Besonders wenn wildlebende Tiere fehlen, können es aber auch auf Wiesen eingepferchte Schafe und Ziegen sein, da sie nicht fliehen können. Sie machen aber nur einen geringen Anteil an der Beute aus.

Die Herden versprechen jedoch reiche Beute, da ein einzelner Wolf bei einem Angriff etliche Tiere töten kann. Die Wölfe von Ohrdruf haben auch bewiesen, dass die vorhandenen Schutzmaßnahmen für sie kein Hindernis darstellten und über die Jahre hunderte Nutztiere gerissen. Erst umfangreiche Herdenschutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde konnten die Zahl der Angriffe reduzieren.

An große Hirsche oder ausgewachsene Wildschweine trauen sich Wölfe auf der Einzeljagd eher nicht heran. Diese Tiere verfügen mit ihren Geweihen bzw. Schlagzähnen über gefährliche Waffen. Gerissene Hirsche oder große Wildschweine sind daher meist ein Zeichen dafür, dass mehrere Wölfe gemeinsam auf der Jagd waren.


Wie jagen Wölfe?

Da Wölfe normalerweise in Rudeln leben, jagen sie auch im Verband. Sie kreisen ihre Beute ein und erlegen dann beispielsweise aus einem Rudel Rehe die schwächsten Tiere. Dabei sieht es so aus, als gerieten Wölfe in einen "Blutrausch". Sie erlegen so viel Beute, wie sie bekommen können. Fressen können Wölfe etwa vier Kilo Fleisch pro Tag. Die restliche Beute verwerten sie in den Folgetagen als Aas.

Der Begriff "Blutrausch" wird von einigen Experten in diesem Zusammenhang als nicht angebracht kritisiert, da es sich um normales Jagdverhalten beziehungsweise um den gewöhnlichen Jagdtrieb des Wolfes handelt.

Bei Angriffen auf Nutztiere findet dieses natürliche Jagdverhalten unter unnatürlichen Bedingungen statt. Der Zoologe Axel Gomille beschreibt es so: Wölfe müssen in der freien Wildbahn jede Chance zur Jagd ergreifen, da unklar ist, wann sie das nächste Mal die Gelegenheit zur Jagd haben. Eingepferchte Schafe sind beispielsweise eine leichte Beute - sie können nicht wegrennen und ihnen fehlt oft auch der natürliche Fluchtreflex. Das führt dazu, dass es wie ein "Blutbad" aussieht.


Wie können Schäfer ihre Herden schützen?

Elektrozäune helfen nur bedingt. Der Wolf wächst mit seinen Aufgaben und sucht Schwachstellen, um die Zäune zu überwinden. Je mehr Hunger der Wolf hat, desto mehr Aufwand betreibt er, um an Beute zu kommen. Im Jahr 2020 wurde ein Tier des Ohrdrufer Rudels dabei fotografiert, wie es einen höheren Zaun mühelos übersprang.

Als hilfreicher haben sich spezielle Herdenschutzhunde erwiesen: Seit sie rund um den Übungsplatz Ohrdruf Herden bewachen, ist die Zahl der Angriffe deutlich gesunken - von fast 200 im Jahr 2019 auf nur noch ein Drittel im Jahr 2020.

In Norddeutschland kommen außerdem seit einigen Jahren Esel als Herdenschutz zum Einsatz. Es wird erprobt, ob die wehrhaften Tiere Wölfe tatsächlich angreifen und vertreiben können. Gegen einzelne Wölfe sollen sich Esel durchsetzen können. Doch es ist fraglich, ob sie mehreren Tieren standhalten können.


Was ist mit den Wolfsmischlingen von Ohrdruf passiert?

Die im Landkreis Gotha lebende Wölfin paarte sich offenbar mit einem Labrador und brachte sechs Mischlinge mit schwarzem Fell zu Welt. Im Falle dieser Wolfshybriden empfahl das bundeseigene Dokumentations- und Beratungszentrum zum Wolf (DBBW), die Tiere zu töten. Aber auch das Einfangen ist eine Möglichkeit.

Nach Protesten plante das Thüringer Umweltministerium, die Wolfsmischlinge zu fangen und in den Bärenpark Worbis überzusiedeln, bevor sie selbst geschlechtsreif werden und sich ein neues Revier suchen. Das aber misslang. Deshalb gab es später eine Abschussgenehmigung für die Jungtiere.

Fünf weitere Hybriden hat die Ohrdrufer Wölfin 2019 mit einem ihrer Mischlingssöhne geboren. Bis auf eines wurden alle Tiere erschossen. Das Geschlecht des noch lebenden Tieres ist laut Umweltministerium nicht bekannt. Ob es Nachwuchs dieses Hybriden gibt, sei ebenfalls unklar, hieß es. Das Tier konnte letztmalig am 28. Mai 2020 bei Ohrdruf fotografiert werden. Eine zwischenzeitlich erteilte Abschussgenehmigung für die Wölfin von Ohrdruf hat das Thüringer Umweltministerium Anfang 2021 zurückgezogen, bevor über eine Klage des Nabu dagegen vor Gericht verhandelt werden konnte.


Was ist das Problem bei Wolfsmischlingen?

Wölfe sind streng geschützt. Dass sie sich mit Hunden paaren, ist eher selten. Passiert es doch, befürchten Experten eine Gefahr für die Wolfspopulation, da der Genpool der Wölfe durchmischt wird. Aus Artenschutzgründen sollen sie deshalb aus der Natur verschwinden. Ob Hybriden für den Menschen gefährlich sind, ist ungewiss. Das Problem bei Hybriden ist, dass sie sowohl Raub- als auch Haustiere sind. Sie haben also wenig Scheu vor dem Menschen und gleichzeitig einen starken Jagd- und Beutetrieb.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. April 2019 | 08:00 Uhr

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