Münchner NSU-Prozess Zschäpe: Bekam Prügel von Böhnhardt

Im Münchner NSU-Prozess hat die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe am Mittwoch erneut Fragen des Gerichts beantwortet. In einer vor dem Oberlandesgericht der bayerischen Landeshauptstadt verlesenen Aussage berichtete sie, dass sie mehrfach von ihrem mutmaßlichen NSU-Komplizen Uwe Böhnhardt geschlagen wurde. Das sei vor allem in der Anfangszeit des Untergrundlebens nach 1998 passiert, "wenn ihm verbal die Argumente ausgingen", sagte Zschäpe. Als Beispiel nannte die heute 41-Jährige einen Streit darüber, dass eine Waffe offen in der Wohnung herumgelegen habe. Sie habe das nicht gewollt. Er habe den "Streit mit Schlägen beendet".

Massive Auseinandersetzungen über Web-Zugang

Streit habe es auch beim Internet-Zugang gegeben. Sie und Mundlos hätten sich mit dem Wunsch nach einem eigenen Zugang nicht gegen Böhnhardts Sicherheitsbedenken durchsetzen können. Darüber habe es mehrmals Auseinandersetzungen gegeben, "bis er mich erneut schlug, um das Thema zu beenden". Nach Zschäpes Darstellung war Böhnhardt sowohl ihr als auch Mundlos in Diskussionen unterlegen. Wenn er nicht weiter gewusst habe, sei er gewalttätig geworden. Mit der Zeit habe sie sich darauf eingestellt und einschätzen können, "wann es besser ist, eine Diskussion zu beenden" und "eine Eskalation zu vermeiden".

Mitangeklagtes Paar soll von Banküberfällen gewusst haben

Zschäpe enthüllte erstmals auch Einzelheiten über den Kontakt zu ihrem mitangeklagten mutmaßlichen Helfer André E. und dessen Ehefrau. Demnach habe das Paar über die Banküberfälle Bescheid gewusst, die Böhnhardt und sein mutmaßlicher NSU-Komplize Uwe Mundlos verübt haben sollen. Von den Morden und Sprengstoffanschlägen soll das Ehepaar E. dagegen nichts gewusst haben.

Zschäpe ist die einzige Überlebende des mutmaßlichen NSU-Terrortrios. Laut Anklage der Bundesanwaltschaft soll die 41-Jährige für zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle mitverantwortlich sein, die dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zur Last gelegt werden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr eine lebenslange Freiheitsstrafe und möglicherweise Sicherungsverwahrung. Zschäpe hatte sich nach dem mutmaßlichen Suizid ihrer mutmaßlichen Komplizen Böhnhard und Mundlos im November 2011 der Polizei gestellt.

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