Fall Peggy und NSU Rechtsmedizin: Verunreinigung von Spuren unmöglich

Im Mordfall Peggy und dessen möglichem Bezug zum NSU-Trio schließt die Rechtsmedizin in Jena die Verunreinigung von Spuren in ihren Räumen aus. Eine zufällige Übertragung von DNA zwischen den Fällen Peggy und Böhnhardt sei ausgeschlossen, teilte das Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik am Freitag mit.

Es verwies darauf, dass zwischen der Obduktion des Leichnams des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und der forensisch-medizinischen Untersuchung der sterblichen Überreste des Kindes fünf Jahre lagen. Auch habe das Insitut in beiden Fällen weder die Spurensicherung an den Fundorten noch die Auswertung der dort jeweils sichergestellten Spuren vorgenommen. Damit reagierte das Institut auf Mutmaßungen, dass es in der Einrichtung eine "Verunreinigung" von Spuren der beiden Fälle gegeben haben könnte. Am Donnerstag hatten Ermittlungsbehörden in Bayern mitgeteilt, dass an einem Gegenstand vom Fundort der Kindesleiche eine DNA-Spur von Böhnhardt sichergestellt worden ist.

Das Institut für Rechtsmedizin in Jena hatte nach eigenen Angaben im November 2011 den Leichnam von Böhnhardt obduziert. Die Spurensicherung am Fundort im Fall Böhnhardt sowie deren forensisch-genetische Untersuchung habe man nicht vorgenommen, erklärte das Institut. Im Juli 2016 seien im Institut die sterblichen Überreste von Peggy untersucht worden. Hierbei seien ausschließlich Skelettreste untersucht worden.

Die im Fall Peggy ermittelnde Staatsanwaltschaft Bayreuth will jedoch eine Verunreinigung von Spuren nicht grundsätzlich ausschließen. Nach ihren Angaben war der Gegenstand mit der DNA-Spur von Böhnhardt im Juli im direkten Zusammenhang mit der Entdeckung der Skelettteile des Kindes gefunden worden. Um was für einen Gegenstand es sich handelt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll es sich um ein Stück Stoff handeln.

Die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König sagte MDR THÜRINGEN am Freitag, die Nachricht über DNA-Spuren Böhnhardts am Fundort der sterblichen Überreste des Kindes habe wohl "alle überrascht". Es habe wohl niemand damit gerechnet, dass es im NSU-Komplex eine solche Wendung geben könnte. Allerdings sei es kein Novum, dass Neonazis mit Kindesmissbrauch und Pädophilie in Verbindung gebracht würden. Gerade im NSU-Komplex gebe es mehrere Fälle, wo mutmaßliche Unterstützer oder Bekannte und Freunde des "Kerntrios" damit in Zusammenhang gebracht worden seien.

Ramelow: Ungeklärter Mordfall in Jena wird neu untersucht

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kündigte indes am Freitag die Untersuchung eines weiteren Mordfalls aus den frühen 1990er-Jahren in Jena an. "Es gab einen Tod eines neunjährigen Kindes in Jena und da war Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier", sagte Ramelow in Berlin. "Das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten." Der Jenaer Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Böhnhardt war damals wegen des Kindsmords vernommen worden, wie Ramelow sagte. Ein Schulfreund hatte ihn damals des Mordes bezichtigt. Bislang ist aber unklar, ob Böhnhardt überhaupt in die Ermordung der beiden Kinder verstrickt ist.

Die Staatsanwaltschaft Gera bestätigte am Freitag, dass eine erneute Untersuchung stattfinden soll. Nach den bislang geführten Ermittlungen komme Böhnhardt als Täter aber nicht in Frage, sagte der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft, Steffen Flieger.

Bei der Polizei in Jena soll nach Angaben von Innenminister Holger Poppenhäger am Montag eine Sonderkommission die Arbeit aufnehmen. Diese soll ungeklärte Kindstötungen in Thüringen seit 1990 neu untersuchen. Sie soll zudem die Ermittlungsarbeit der bayerischen Behörden im Mordfall Peggy unterstützen.

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