Ermittlungen zur NSU Polizei hatte schon 1997 Hinweise auf V-Mann-Tätigkeit von Tino Brandt

Thüringer Polizei und Staatsanwaltschaft haben bereits 1997 deutliche Hinweise auf die V-Mann-Tätigkeit des Neonazi-Aktivisten Tino Brandt gehabt. Das geht aus Unterlagen hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegen. Bisher hatten die Ermittlungsbehörden – auch vor den NSU-Untersuchungsausschüssen – stets erklärt, erst 2001 von Brandts Verbindungen zum Thüringer Verfassungsschutz erfahren zu haben.

Nach den MDR THÜRINGEN vorliegenden Unterlagen hatte im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Neonazis 1997 ein damals 19-Jähriger bei einer Polizei-Befragung wörtlich erklärt: "Brandt arbeitet mit den staatlichen Organen zusammen." Das sei auch anderen Mitgliedern der rechten Szene bekannt. Einer dieser Mitwisser wird in dem Dokument namentlich genannt.

Tino Brandt (rechts, schaut nach oben) am 1. Mai 1998 in Leipzig. Links neben ihm mit der Jacke auf der Schulter läuft der spätere mutmaßliche NSU-Unterstützer Andre Kapke.
Tino Brandt 1998. Damals soll er schon V-Mann gewesen sein. Bildrechte: Dr. Jan Schönfelder

Nach Aussagen des Befragten hatte Brandt unter anderem Skinhead-Konzerte "quasi für den Verfassungsschutz" mitorganisiert. Der Geheimdienst sei dann bei den Konzerten vor Ort gewesen. "Er lässt die Kameraden ins offene Messer laufen", so der Befragte. Als Beispiel dafür nannte er ein Konzert in Ebersdorf bei Coburg. Das Konzert hätte sogar mit Einverständnis des Verfassungsschutzes länger dauern dürfen. Im Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist ein Skinheadkonzert im August 1996 mit über 1.000 Besuchern registriert. Die Angaben des Befragten lassen annehmen, dass es sich um dieses Konzert handelte.

Unklar ist, wie ernst die Thüringer Kriminalpolizei die Aussagen des Befragten nahm und ob sie Anlass für entsprechende Hinweise an die Staatsanwaltschaft sah. Als V-Mann wurde Tino Brandt im Frühjahr 2001 enttarnt. Im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags hatten die bisher befragten Staatsanwälte und Kriminalbeamten wiederholt erklärt, bis zu diesem Zeitpunkt nichts von dessen V-Mann-Arbeit gewusst, maximal etwas geahnt zu haben. Diese Darstellung wird von Mitgliedern des Untersuchungsausschusses bezweifelt, da in dieser Zeit gegen Brandt zwar dutzende Ermittlungsverfahren eröffnet, aber später ergebnislos eingestellt worden waren.

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