Ein Jahr nach Auffliegen des NSU-Terrortrios Politiker erneuern Kritik an Ermittlungsbehörden

Ein Jahr nach dem Auffliegen des rechtsextremen Terrortrios NSU haben Politiker in Thüringen das Versagen von Sicherheitsbehörden bei der Suche nach den untergetauchten Rechtsextremisten kritisiert. Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) erklärte am Freitag, die dem Trio zugeschriebene Mordserie habe Deutschland erschüttert. "Immer noch sind wir tief betroffen von den kaltblütigen Morden, die an verschiedenen Orten in Deutschland mit rechtsextremistischem Hintergrund verübt wurden", sagte sie. Nun müsse kritisch und mit großem Nachdruck hinterfragt werden, warum die Sicherheitsbehörden den Tätern trotz der großen Anzahl der begangenen Straftaten nicht eher das Handwerk legen konnten.

Der Landesvorsitzende der Partei Die Linke, Knut Korschewsky, kritisierte, Deutschland tue sich sehr schwer mit der Aufklärung eines seiner größten Sicherheitsskandale. Bisher gebe es nur erste Details, wie Sicherheitsbehörden auf der ganzen Linie versagt hätten. Geheimdienste seien kein Mittel gegen Rechtsextremismus und sollten abgeschafft werden.

Feuerwehrleute und Polizisten stehen 2011 in Eisenach vor einem qualmenden Wohnmobil.
Wohnmobil von Böhnhardt und Mundlos in Eisenach Bildrechte: dpa

Am 4. November 2011 waren in einem Wohnmobil im Eisenacher Ortsteil Stregda die Leichen der aus Jena stammenden Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos entdeckt worden. Die beiden hatten Stunden zuvor eine Bankfiliale in Eisenach überfallen und hatten sich, von der Polizei entdeckt, in ihrem Wohnmobil selbst getötet. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden erschoss Mundlos zunächst seinen Komplizen und dann sich selbst. Wenige Stunden später sprengte die ebenfalls aus Jena stammende Rechtsextremistin Beate Zschäpe die gemeinsame Wohnung der Drei in Zwickau in die Luft. Dort hatte das Trio jahrelang unter falschen Identitäten gelebt. Den Rechtsextremen werden die Bildung einer terroristischen Vereinigung mit dem Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" und Morde an neun Migranten und einer Polizistin in den Jahren 2000 bis 2007 zur Last gelegt. Zschäpe sitzt deswegen in Untersuchungshaft.

Jenas Stadtoberhaupt wehrt sich gegen "braunes Image" seiner Stadt

Der Oberbürgermeister von Jena, Albrecht Schröter (SPD), wehrte sich am Freitag dagegen, der Heimatstadt der mutmaßlichen Terroristen ein "braunes Image" zuzuschreiben.

Jena sei wie viele andere Städte ein buntes Tuch, auf dem es leider auch braune Flecken gebe, sagte Schröter bei MDR FIGARO. "Wir stellen uns diese Frage sehr ernsthaft", sagte er. Es gebe eine kritische Aufarbeitung, die noch nicht abgeschlossen sei. Schröter forderte auch mehr Verständnis und Zusammenarbeit zwischen Behörden, Polizei und Bürgern im Kampf gegen Rechtsextremismus.

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