NSU-Terror Oberlandesgericht nimmt Klage gegen Zschäpe an

Das Oberlandesgericht München hat die Anklage gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe und ihre mutmaßlichen Helfer angenommen. Zschäpes Anwalt Wolfgang Stahl sagte am Donnerstag, das Gericht habe die Anklage im vollen Umfang zugelassen. Demnach wird Zschäpe unter anderem Mittäterschaft an zehn Morden, besonders schwere Brandstiftung, Beihilfe zum Raub sowie die Gründung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. OLG-Präsident Karl Huber rechnete mit dem Beginn des Hauptverfahrens Mitte April. Nach seiner Einschätzung könnte der Prozess mehr als zwei Jahre dauern.

Anklage gegen vier Unterstützer

Fahndungsfoto der Polizei
Beate Zschäpe muss sich unter anderem wegen Mittäterschaft an zehn Morden verantworten. Bildrechte: Polizeidirektion Suedwestsachsen/dapd

Nach einjährigen Ermittlungen zu einer Serie von Morden, die dem Terrortrio zugeschrieben werden, hatte die Bundesanwaltschaft im November 2012 Anklage erhoben. In der 500 Seiten umfassenden Anklageschrift wird Zschäpe unter anderem Beteiligung an der Ermordung von neun ausländischen Kleinunternehmern und der Polizistin Michèle K. in Heilbronn zur Last gelegt.

Die Richter des bayerischen Gerichts ordneten zudem die Fortdauer der Untersuchungshaft gegen Zschäpe und den ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben an, der eine zentrale Rolle bei der Beschaffung der Mordwaffen gespielt haben soll. Außerdem angeklagt wurde Holger G., der die NSU-Zelle mit Ausweispapieren unterstützt haben soll. Wegen Beihilfe zum Mord wird auch Carsten S. angeklagt. Er soll eine der Mordwaffen besorgt haben. Der fünfte Angeklagte ist Andre E. Ihm wird Beihilfe zu den Sprengstoffanschlägen und zwei Raubüberfällen sowie Unterstützung der Terrorzelle zur Last gelegt.

Wohlleben wird wahrscheinlich schweigen

Wie Nicole Schneiders, Verteidigerin von Wohlleben, MDR THÜRINGEN sagte, wisse sie noch nichts von der Zulassung der Anklage. Bislang bestehe auch noch keine Veranlassung, dass ihr Mandant aussagen wird.

Das Terrortrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe war am 4. November 2011 nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach aufgeflogen. Mundlos und Böhnhardt wurden tot in einem Wohnmobil aufgefunden, Zschäpe - nach der bundesweit gefahndet wurde - stellte sich wenige Tage später in Jena und sitzt seit dem 9. November 2011 in U-Haft. Eine Aussage verweigerte sie bislang. 14 Jahre lang hatte das Trio, das sich als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bezeichnete, im Untergrund agieren können. Die Ermittlungspannen der Behörden werden immer noch untersucht.

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