NSU-Prozess Ex-Verfassungsschützer hielt NSU-Trio für Mitläufer

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat ein früherer Thüringer Verfassungsschützer berichtet, dass das abgetauchte Neonazi-Trio aus Jena lediglich als Mitläufer eingestuft worden sei. "So hoch angebunden war das Abtauchen der drei gar nicht", meinte der Zeuge. "Man hätte gern gewusst, wo Sie sich aufhalten. Aber wenn nicht, das war nicht so dramatisch." Der Ex-Verfassungsschützer beschrieb, wie er mit Hilfe eines V-Manns versuchte, Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu finden. Nach der Flucht der drei im Jahr 1998 seien er und seine Kollegen angewiesen worden, alle ihre Quellen dazu zu befragen. Das habe er getan, sein V-Mann habe das Trio aber nicht gekannt, sagte der Zeuge.

Man hätte gern gewusst, wo Sie sich aufhalten. Aber wenn nicht, das war nicht so dramatisch.

Thüringer Ex-Verfassungsschützer über das abgetauchte, spätere NSU-Trio

Thüringen-Chef von Blood & Honour will NSU-Trio nicht gekannt haben

Eine Kombo zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos
Damalige Fahndungsfotos von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos Bildrechte: dpa

Bei dem V-Mann handelte es sich nach Aussage des Ex-Verfassungsschützers um den damaligen Thüringen-Chef und Kassenwart der Organisation Blood & Honour. Mitglieder der Organisation in Sachsen sollen laut Prozessakten und eigener Aussagen das abgetauchte Trio versteckt haben. Im Jahr 2000 sei der V-Mann abgeschaltet worden, sagte der Zeuge. Das Amt habe sich von dem Informanten getrennt, als dieser "eigenmächtig" und ohne vorherige Absprache gegen das Verbot von Blood & Honour im selben Jahr klagte. Bis dahin habe man sich mit ihm über mehrere Jahre getroffen, in der Regel einmal pro Woche. Als Honorar habe er jeweils 400 bis 500 Mark zuzuüglich "Auslagen" etwa für Fahrtkosten erhalten.

Die Angeklagte Zschäpe war 1998 mit ihren Gesinnungsgenossen Mundlos und Böhnhardt aus Jena verschwunden und abgetaucht. In den darauffolgenden Jahren soll das Trio zehn Menschen ermordet und zwei Sprengstoffanschläge sowie eine Serie von Banküberfällen verübt haben. Zschäpe muss sich in dem Münchner Prozess dafür als mutmaßliche Mittäterin verantworten.

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