NSU-Prozess Zeuge liefert offenbar Beweis für Beschaffungskette

Im NSU-Prozess hat ein früherer Neonazi nach Einschätzung von Prozessbeteiligten den letzten fehlenden Beweis für die Beschaffungskette der Ceska-Mordwaffe geliefert.

Vor dem Oberlandesgericht München bestätigte das frühere Mitglied der "Kameradschaft" Jena, dass die Männer, die von der Bundesanwaltschaft verdächtigt werden, die Waffe über mehrere Stationen von der Schweiz nach Jena gebracht zu haben, sich persönlich kannten. Das hatten diese bisher zum Teil bestritten. Der Zeuge erklärte, "alle Fäden" seien in einem Szeneladen in Jena "zusammengelaufen". Die Anklage geht davon aus, dass der wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagte Ralf Wohlleben in diesem Geschäft die Bestellung der Waffe veranlasst haben soll. Mit der Ceska sollen die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun ihrer zehn Mordopfer erschossen haben.

 Zeuge traute Mundlos Morde nicht zu

Der Zeuge, der auch Sänger einer Rechtsrock-Band war, schilderte zudem detailliert die Vorgeschichte des NSU und die Rollen seiner mutmaßlichen Mitglieder und Unterstützer. Dabei meinte er, Mundlos und Böhnhardt seien "völlig unterschiedlich" gewesen. Er habe sich gefragt, wie sie so lange miteinander auskommen konnten. Mundlos beschrieb er als "intelligent und zynisch". Die Morde hätte er ihm nicht zugetraut, er sei nicht der Typ dafür gewesen. Böhnhardt dagegen schon, der sei "unberechenbar" und "aggro" gewesen. Bei politischen Diskussionen sei er dagegen "schnell an seine Grenzen gestoßen". Wäre die Gruppe zufällig links gewesen, so der Zeuge, dann wäre Böhnhardt "Linksterrorist geworden".

Verwunderung über Zschäpes Gang in den Untergrund

Gewundert habe er sich auch darüber, dass Zschäpe gemeinsam mit den beiden Männern in den Untergrund gegangen sei. In der Szene sei man der Meinung gewesen, dass sie die Justiz nicht habe fürchten müssen. Er selbst er innere sich an Zschäpe vor allem als Mundlos' Freundin. Sie habe nur selten mitdiskutiert und nach seiner Erinnerung nie "am Tisch gesessen und Parolen geschrien".

Laut Prozessbeobachtern lächelte Zschäpe bei dieser Aussage. Die 40-Jährige ist der Mittäterschaft an zehn Morden angeklagt.

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