Nachtaufnahme der Gleisanlagen des Güterbahnhofs Halle/Saale
Die Bahnanlage in Halle wird auch in der Nacht taghell beleuchtet. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Lichtverschmutzung Neue LEDs sollen Insekten und Anwohner schonen

Lichtverschmutzung ist in vielen Städten ein Problem. Durch künstliche Lichtquellen erstrahlen sie in der Nacht teils taghell. MDR AKTUELL - Hörer Franz Haupt aus Halle lebt neben eine Bahnanlage und ist damit selbst von Lichtverschmutzung betroffen. Er fragt sich, ob man nicht einen anderen Farbton für die Lampen verwenden könne? Und gibt es eigentlich Untersuchungen, über die Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Anwohner und Tierwelt.

von Ronny Arnold, MDR AKTUELL

Nachtaufnahme der Gleisanlagen des Güterbahnhofs Halle/Saale
Die Bahnanlage in Halle wird auch in der Nacht taghell beleuchtet. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Es ist eine imposante Anlage mitten in Halle: 650 Lichtmasten mit 1130 Leuchten hat die Deutsche Bahn links und rechts der Berliner Brücke aufgestellt. Auf Dutzenden Gleisen werden hier jede Nacht Züge neu gekoppelt. Dafür muss das Areal perfekt ausgeleuchtet sein, erklärt Thomas Necker, der für diese sogenannte Zugbildungsanlage der Bahn zuständig ist. Man habe modernste LED-Technik verbaut, so Necker, für einen optimalen Schutz der Mitarbeiter und der Anwohner.

Nachtaufnahme der Gleisanlagen des Güterbahnhofs Halle/Saale
LEDs mit "scharfkantiger Abschattung" an einem Bahngelände in Halle. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

"Die Vorgabe war, hier möglichst effizient zehn Lux am Boden zu erreichen. Und durch den Einsatz der Leuchtdioden, also der LED-Technik, haben wir scharfkantige Abschattung." Das heißt schon 30 Zentimeter von der Lampe weg, sei kein Licht mehr wahrzunehmen. Von zehn Lux auf null Lux in 30 Zentimetern. "Das ist weitaus besser im Sinne der Lichtverschmutzung als bei klassischen Halogenlampen", erklärt Necker.

Tatsächlich ist es nur wenige Meter neben der Anlage relativ dunkel. Beschwerden wegen der Helligkeit gebe es kaum, sagt Thomas Necker. Das momentane Hauptproblem sei eher der nächtliche Lärm. Außerdem sei weißes LED-Licht gewählt worden, weil so am besten Tageslicht simuliert werden könne. "Hätten wir gelbes Licht angewandt, hätte das Licht stärker sein müsse. Dann hätten wir stärkere Lampen gebraucht, um am Boden die vorgegebenen zehn Lux zu erreichen."

Lichtverschmutzung schadet Mensch und Tier

Künstliches Licht ist ein zunehmendes Problem in den Städten – für Bewohner, Tiere wie Insekten. Denn durch zu viele Lichtquellen wird der Tag-Nacht-Rhythmus nachhaltig gestört. Die Stadt Halle etwa rüstet ihre Straßenbeleuchtung nach und nach um, setzt in Zukunft auch auf LED, nutzt aber eher gelbes Licht.

Auf MDR-AKTUELL-Nachfrage teilt der Fachbereich "Umwelt" dazu mit. Die Stadt Halle setze bei der Beleuchtung auf "Sicherheit, Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit".

Genutzt werden deshalb Leuchtmittel mit geringer Lichtpunkthöhe und Streuung sowie einem höheren gelben Lichtanteil. Diese Leuchtmittel sind energiesparend und auch insektenfreundlicher.

Fachbereich Umwelt der Stadt Halle MDR AKTUELL

Helle Lampen schaden Insekten immer

Eintagsfliegen schwirren 2010 unter einer Straßenlaterne.
Stadtbeleuchtung ist eine Todesfalle für Insekten. Bildrechte: dpa

Gelbes oder weißes Licht - was Insekten wirklich besser schützt, so Reinhard Klenke, könne man gar nicht pauschal sagen. Für den Leipziger Umweltforscher sind helle Lampen in der Nacht erst einmal generell Todesfallen. "Dann fliegen die Insekten quasi darauf zu, die Lampe ist heiß, sie verbrennen daran oder aber verbringen sehr viel Zeit damit, um diese Lampe herumzuflattern. Da verbrauchen sie sehr viel Energie und kommen durch Schwäche zum Beispiel zu Tode", beschreibt Reinhard Klenke. Doch was hilft dagegen? Einfach konsequent abschalten, wenn die Leuchten nicht zwingend nötig sind. Oder aber die Effekte wenigstens minimieren.

Nur so viel Licht, wie ich wirklich brauche, nur dort, wo ich es brauche und nur zu dem Zeitpunkt, an dem ich es brauche.

Reinhard Klenke, Biologe

Außerdem sollen Leuchtmittel mit Streulicht vermieden werden. Das helfe auch beim Stromsparen. Die konsequente Umrüstung auf LED-Beleuchtung kann bis zu 90 Prozent Energie einsparen. Und das ist zumindest auch ein nachhaltiger Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Februar 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

13.02.2019 16:55 Micha 2

@Part (1): Der hohe Blauanteil im LED-Licht ist aber eher ein Problem von Smartphones und Bildschirmen, da wir diesen Lichtquellen sehr lange und intensiv ausgesetzt sind (auch beim Schreiben dieser Zeilen). Bei LED's zur Beleuchtung kommen zunehmend wärmere Lichtfarben (mit weniger Blauanteil) zum Einsatz. Insofern muss man das Thema differenziert betrachten. Ich glaube aber nicht, dass LED-Lichter im Straßenverkehr das größte Problem darstellen.

13.02.2019 12:44 Part 1

Schön wenn durch den Einsatz von LED 90 % Energie eingespart werden kann, schön wenn Streulicht vermieden werden kann aber das Licht von LED-Lampen könnte auf Dauer schädlich für die Augen sein. Das zeigt eine Studie des französischen Instituts für Gesundheit und Medizinforschung. Den Untersuchungen zufolge kann der hohe Anteil blauen Lichts die altersbedingte Makuladegeneration fördern. Und wir befinden uns gerade in dieser Langszeitsudie der Industrie, der nicht entgegen zu setzen scheint. Die Lichtverschmutzung im Straßenverkehr durch LED lässt erahnen, womit sich Beamte im Kraftfahrtbundesamt gerade nicht beschäftigen seit Jahren. Das gesündeste Licht für uns Menschen erreicht dagegen immer noch die alte gute Glühlampe, die es nur noch in Restbeständen gibt.

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