Ein Radfahrer steht mit seinem Fahrrad in der Versuchsabteilung von Mercedes Benz neben einem Lkw mit einem Abbiegeassistenten (gestellte Szene).
Für LKW-Fahrer sind Radler im toten Winkel nicht zu sehen. Beim Abbiegen kann das zu Unfällen führen. Bildrechte: dpa

Bund fördert Nachrüstung Spediteure begrüßen Abbiege-Assistenten für Lkw

34 Radfahrer sind laut Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club 2018 von abbiegenden Lastwagen getötet worden. Im toten Winkel verschwinden Radfahrer schnell. Seit dieser Woche fördert der Bund deshalb den Einbau von "Abbiege-Assistenten". Auch beim Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar werden die technischen Helfer gerade diskutiert. Was sagen Transportunternehmen zu der Diskussion?

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Ein Radfahrer steht mit seinem Fahrrad in der Versuchsabteilung von Mercedes Benz neben einem Lkw mit einem Abbiegeassistenten (gestellte Szene).
Für LKW-Fahrer sind Radler im toten Winkel nicht zu sehen. Beim Abbiegen kann das zu Unfällen führen. Bildrechte: dpa

Dennis Herrmann zeigt im Fahrerhaus eines Lkw auf einen kleinen Lautsprecher mit einer dreieckigen Warnleuchte, die piept und aufleuchtet. "Das ist gelb und vorher war das rot." Daran könne er beim Überholen erkennen, ob er an einem anderen Fahrzeug vorbei sei.

Draußen an der Antriebsachse des Lkw sitzt eine kleine schwarze Box. Sie sieht ein bisschen aus wie ein W-Lan-Router und enthält die Radartechnik des Abbiege-Assistenten. Der Einbau sei nicht schwierig, sagt Herrmann: Ein halber Tag in der Werkstatt.

Förderung als wichtiger Anreiz

Herrmann ist früher selbst Lkw gefahren, heute leitet er den Fuhrpark einer Leipziger Logistikfirma: 67 Lkw. Aktuell haben elf davon einen Abbiege-Assistenten, 21 weitere sollen dieses Jahr folgen. Denn Herrmann ist von den Vorteilen des Assistenten überzeugt. Die neue Förderung des Verkehrsministeriums empfindet er deshalb als wichtigen Anreiz.

Sein Problem: Nicht alle Modelle auf dem Markt werden gefördert. So wie eines, das bereits in einem seiner Lkw steckt, mit einer am Fahrerhaus verbauten Kamera. Im Fahrerhaus befindet sich ein Monitor. "Ich sehe das Kamera-Bild eingeblendet und sehe den gefährdeten Bereich grün eingerahmt", erklärt Herrmann. "Wenn sich also in dem Bereich jetzt ein Fahrradfahrer oder irgendwas dergleichen versteckt, dann kann ich den hier sehen." Und auch für die Ohren gibt es noch eine akustische Warnung vom Assistenten.

"Wir sehen: funktionierende Lösung. Besser geht’s nicht." Doch das sei nicht förderfähig. "Da gibt’s keinen Zuschuss dafür und gar nix. Das ist im Prinzip auf eigene Kosten." Um die 1.500 Euro koste die Nachrüstung. Der Bund übernimmt zwar 80 Prozent, aber nur für maximal zehn Fahrzeuge, sagt Herrmann. Auf Unternehmen mit großen Fuhrparks kämen deshalb schnell mehrere Hunderttausend Euro zu, wenn Sie alle Lkw mit der Technik ausstatten wollen.

Vor allem neuere Fahrzeuge werden nachgerüstet

Wieland Richter begrüßt die Förderung trotzdem. Der Spediteur aus Großenhain ist Präsident des Landesverbands des sächsischen Verkehrsgewerbes. Seine Kollegen, so die Resonanz, würden entsprechend junge Fahrzeuge nachrüsten wollen. "Also die Förderung ist finanziell hochinteressant."

Den Vorschlag der Grünen, dass Lkw ohne die Assistenten künftig nicht mehr in die Innenstädte fahren dürfen, nennt Richter allerdings Aktionismus. Dennis Herrmann stimmt ihm zu: "Wir wissen alle: Die Getränke kommen nicht mit der Eisenbahn in den Supermarkt, ne? Und wenn morgen dann die Ware nicht mehr da ist, dann schreien die Politiker und die, die sie gewählt haben auch, "Wo ist mein Bier?" Im Supermarkt."

Dass die Abbiege-Assistenten aber bald für alle Lkw Pflicht werden sollen, begrüßt Herrmann dagegen. Die Rechnung sei schließlich einfach: "Wir geben so viel Geld für die Fahrzeuge aus, 100.000 bis 120.000 Euro für so eine Zugmaschine und dann reden wir über Tausend Euro, die vielleicht irgendwann mal ein Menschenleben retten." Voraussetzung seien aber ausreichende Übergangsfristen für die Unternehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Januar 2019 | 05:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 07:36 Uhr

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