ADFC-Auszeichnung Fahrradklima in Leipzig: Viel passiert, noch viel zu tun

Schlechte Radwege oder gar keine Radwege sorgen nicht nur für Ärger bei den Radfahrern, sondern bringen sie auch in Gefahr. Seit 30 Jahren werden Radfahrer in Deutschland befragt, wie zufrieden sie mit den Radwegen in ihrer Stadt sind und wo die Schwachstellen liegen. Im neuesten Fahrradklima-Test schneidet Leipzig zwar gut ab, es bleibt aber noch viel zu tun.

von Juliane Neubauer, MDR AKTUELL

Am 6. Juli 1989, vor fast 30 Jahren, wurde in Leipzig erstmals eine Studie veröffentlicht, die die Belange der Radfahrer thematisierte. Diese Radverkehrsstudie wurde an die Stadtverwaltung weitergereicht und unterstützte die Radverkehrsplanung. Seitdem ist das Radfahren in Leipzig immer attraktiver geworden, das lassen zumindest die Zahlen der gefahrenen Strecken vermuten. Christoph Waack, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Leipzig sagt, in den vergangenen Jahren seit 1990 habe es eine starke Zunahme des Radverkehrs gegeben. Der Radverkehrsanteil habe sich in etwa verfünffacht.

Leipzig im deutschen Vergleich auf guter Position

Das bedeutet, jeder fünfte Weg wird in Leipzig mit dem Fahrrad zurückgelegt. Waack hat festgestellt, dass viele Radfahrer im Stadtbild die Mitbürger motivieren können, das Rad auch öfter zu benutzen und das wiederum habe politische Konsequenzen. Je mehr Radfahrer es gibt, um so mehr Angebote muss die Stadt für sie schaffen. Dass Leipzig in diesem Jahr im bundesweiten Fahrradklimatest unter die besten drei kam, ist dem Ausbau der Radwege zu verdanken. Das zeigte, dass Leipzig in den vergangenen Jahren schon viel getan habe.

Natürlich ist noch nicht alles Gold, was glänzt und man kann noch immer was daran verbessern. Wir haben noch keine Verhältnisse wie in Kopenhagen. Aber für Deutschland ist das schon eine gute Position, die Leipzig sich erarbeitet hat und wir Arbeit daran, das weiter zu verbessern.

Christoph Waack, Radverkehrsbeauftragter der Stadt Leipzig

Straßenszene auf der Karl-Liebknecht-Straße
Für Radfahrer gefährlich: Die Leipziger Karl-Liebknecht-Straße. Bildrechte: MDR/Andreas Sandig

Radfahrer: Radwege sind im schlechten Zustand

Und die Leipziger haben hierfür auch schon einige Vorschläge: "Allein auf der Karli gibt es viele kleine Stellen, wo man selber um sein Leben bangen muss. Da wäre ich auf jeden Fall dafür, wenn die Fahrradwege besser gekennzeichnet wären", so ein Radfahrer. Ein anderer sagt: "Zum Beispiel die Jahnallee: da passieren des Öfteren mal Unfälle, weil es dort keinen richtigen Radweg gibt." Daran schließen auch andere an: "Was ich mir beim Radfahren wünsche, ist, dass die Radwege, die es gibt, tatsächlich funktionieren. Dass da nicht so viele Buckel sind von Wurzeln der Bäume. Das kann man an der Neuen Messe zum Beispiel wunderbar beobachten."

Wer sich über den schlechten Zustand eines Radweges oder über fehlende Fahrradbügel ärgert, kann seine Beobachtung dem ADFC Leipzig mitteilen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub gilt als Sprachrohr der Radfahrer. Für den Vorsitzenden Robert Strehler darf das Fahrrad nicht länger als alternatives Verkehrsmittel für ausgefallene Leute gelten, es sollte der Allgemeinheit einfach sinnvoll erscheinen.

Es gibt eigentlich nichts, was gegen das Radfahren spricht. Es ist umweltfreundlich, die Leute sind draußen, man kommt überall gut hin, man bewegt sich, man tut was für die Umwelt. Es sind so viele kleine Geschichten, die man mit einem Fahrrad lösen kann. 

Robert Strehler, ADFC Leipzig

Bei Sicherheit schneidet Leipzig schlecht ab

Ein weißes Fahrrad, Grablichter und ein Schild mit der Aufschrift «Radfahrerin 08.12.2016», aufgenommen auf dem Grünstreifen einer Straße in Berlin.
Drei Radfahrer kamen im vergangenen Jahr in Leipzig ums Leben. Bildrechte: dpa

Drei Radfahrer sind im vergangenen Jahr in Leipzig ums Leben gekommen, viele wurden verletzt. Das ist auch der Grund, warum Leipzig in einigen Schwerpunkten rund um das Thema Sicherheit im aktuellen Fahrradklimatest eher schlecht abgeschnitten hat. Lückenlose Radwege, zum Beispiel auf dem Innenstadtring, und Tempo 30 für Autos und Lastwagen zählen für Strehler als gute Maßnahmen für mehr Sicherheit für Radfahrer in Leipzig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2019 | 05:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 08:37 Uhr

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3 Kommentare

09.04.2019 16:26 Sabrina 3

ich bin 2010 aus Leipzig weggezogen.
Da hätte ich doch erwartet, dass sich da mehr tut.
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Radwege werden in der Regel schon von der Bauausführung unter Standard gebaut.
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Während man bei Straßen einen ordentlichen Untergrund schafft und eine stabile Straßendecke, wird bei Radwegen überspitzt formuliert nur der Untergrund planiert und dann kommt da eine dünne 3 cm Bitumenschicht drauf, die nach wenigen Jahren durch Wurzeln aufgebrochen zur Unfallgefahr wird.
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Da sieht man, dass die Radewege von Leuten geplant und gebaut werden, die selbst nicht radfahren.
Für die dienen Radwege nur dazu, die Straße für die Autos freizuhalten.

09.04.2019 14:27 Historiker 2

Ich bin seit 60 Jahren aktiver Radfahrer. Die größten Gefahren waren für mich stets die unsanierten Nebenstraßen - besonders abends - , von denen es in Leipzig immer noch sehr viele gibt. Auch habe ich nie die Vorfahrt erzwungen, da ein Radfahrer schwächer ist als ein LKW oder eine Straßenbahn. Durch die Innenstadt brettern oder ohne Abzubremsen über eine Hauptstraße zu fegen, habe ich unterlassen. Wer auch mindestens 60 Jahre das Rad benutzen möchte, sollte sich ähnlich verhalten. Leider erlebe ich täglich, dass viele Radfahrer diese Grundregeln missachten und sich und andere in Gefahr bringen.

09.04.2019 13:36 na so was 1

"Aber für Deutschland ist das schon eine gute Position, die sich Leipzig in Punkto Fahrradwege erkämpft hat." Wenn aber der nächste Abschnitt in diesem Bericht mit: "Radwege sind in schlechten Zustand" und "Bei Sicherheit schneidet Leipzig schlecht ab", da fragt man sich, sind die Ansprüche an Fahrradwege wirklich so gegensätzlich oder sind diejenigen, die Leipzig so loben, sich nicht im Klaren, wie Fahrradwege auszusehen haben ? Also, ich vertraue den Radfahrern mehr, die tagtäglich mit dem Fahrrad unterwegs sind. Warum wird der Zustand der Radwege so gelobt ? Es kann weder an der fehlenden Zeit zum Bauen oder Instandsetzen, an den fehlenden finanziellen Mitteln noch an den Meldungen nach "Oben" über den schlechten Zustand der Radwege liegen. Warum werden diejenigen nicht konkret im Bericht benannt. Trost für Leipzig, in anderen Städten wie Dresden (als "Radfahrfreundliche Stadt mehrmals geehrt") ist es genauso.