Ein Arzt verschreibt ein Medikament
Laut einer Umfrage haben viele Ärzte beim Thema Cybersicherheit Nachholbedarf. Bildrechte: imago/blickwinkel

Unsichere Passwörter Umfrage: Ärzte gehen nachlässig mit Cybersicherheit um

Hackerangriffe machen seit Jahren Schlagzeilen. Nun hat eine Umfrage festgestellt, dass Ärzte das Thema bisher vernachlässigt haben. Die Sicherheit von Patientendaten würden gefährdet. Ärztevertreter sehen das anders.

Ein Arzt verschreibt ein Medikament
Laut einer Umfrage haben viele Ärzte beim Thema Cybersicherheit Nachholbedarf. Bildrechte: imago/blickwinkel

"Behandlung", "Praxis" oder der Name des Arztes als Passwort: Viele Arztpraxen und Apotheker in Deutschland sind mit dem Thema Cybersicherheit und dem Schutz von digitalen Patientendaten bisher eher nachlässig umgegangen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. 200 Ärzte und 100 Apotheker wurden befragt. Insgesamt wirft der Verband den deutschen Ärzten vor, mit dem nachlässigen Umgang Patientendaten zu gefährden.

Demnach benutzten 22 von 25 Praxen sehr einfach zu erratende oder gar keine Passwörter. In ebenso vielen Praxen teilten sich mehrere Benutzer zudem die Zugangskennung.

Ein Test im Auftrag der Versicherungswirtschaft zeigte noch eine weitere Schwachstelle: Von neun Prozent der untersuchten Praxen fanden sich Email- und Passwortkombinationen im Darknet.

Darknet Als Darknet werden Bereiche des Internets bezeichnet, die nur mit Hilfe von Entschlüsselungs-Software aufgerufen werden können. Von üblichen Suchmaschinen werden sie nicht gefunden. Das Darknet wird einerseits etwa von Oppositionellen und Journalisten in Diktaturen, andererseits aber auch von Kriminellen genutzt, um anonym in Kontakt zu treten oder Daten miteinander austauschen zu können.

Patientendaten sicher?

In einem Sicherheitstest wurden außerdem die IT-Systeme von rund 1.200 niedergelassenen Ärzten und rund 250 Apotheken und Kliniken analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass Emails nur selten nach den neusten Standards verschlüsselt werden.

Problematisch sei laut der Umfrage zudem die Einbindung von externen Diensten wie etwa Google Maps auf Praxenwebseiten. Dadurch könnten Daten von Patienten ins Nicht-EU-Ausland abfließen.

Ärztevertreter weisen Kritik zurück

Eine fiktive Eingabemaske für ein Passwort (engl. Password) auf einem Computerbildschirm.
Laut einer Umfrage werden in vielen Arztpraxen einfach zu knackende Passwörter verwendet. Bildrechte: dpa

Der Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl, wies die Umfrageergebnisse der Versicherungswirtschaft zurück. Das Gutachten kenne er nicht, so Stahl. Das Bewusstsein in den Praxen werde aber sowohl bei den Praxisteams als auch bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten hoch sein.

Ihm seien zudem keine umfassenden oder außergewöhnlichen Fälle von Cyberangriffen bekannt, "auch sind mir keine Auffälligkeiten bekannt im Umgang der Ärzte mit Passwörtern".

Stahl wies darauf hin, dass "umfassende Informationsangebote" der Kassenärztlichen Vereinigungen zum Thema Datenschutz zur Verfügung stünden. Dort gebe es etwa Hinweise zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis. Er kritisierte zudem, dass für die Umfrage angeblich nur 25 Praxen befragt wurden. Es gebe aber rund 100.000 Praxen in Deutschland. Das sei alles andere als repräsentiv.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 23. Oktober 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 15:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.