Ehemaliges Konsum-Kaufhaus in der Innenstadt von Altenburg
Ein Banner am ehemaliges Konsum-Kaufhaus in der Hillgasse von Altenburg weckt Neugier auf die Schau "If paradise is half as nice". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Altenburg Internationale Künstlergruppe belebt leerstehendes Kaufhaus

Leipzig, Dresden und auch Jena boomen, Wohnraum ist schwer zu bekommen. Andere Städte in Mitteldeutschland dagegen haben zu viel Platz, weil immer mehr Menschen wegziehen. Es entsteht Leerstand. In Altenburg versucht man jetzt, die freien Räume für Kreativität zu nutzen. Hier liegt unter anderem seit Jahren ein ehemaliges Konsum-Kaufhaus in der Innenstadt brach. Das möchte eine internationale Künstlergruppe jetzt wenigstens für eine kurze Zeit lebendig werden lassen.

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Ehemaliges Konsum-Kaufhaus in der Innenstadt von Altenburg
Ein Banner am ehemaliges Konsum-Kaufhaus in der Hillgasse von Altenburg weckt Neugier auf die Schau "If paradise is half as nice". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die riesigen Schaufenster des Jugendstilhauses sind mit Spanplatten versiegelt. Im Inneren des Hauses schält sich die ausgeblichene Blumentapete von den Wänden. Und von der metallenen Treppe hängen die Spinnweben.

Konsum-Kaufhaus war eine Institution

Seit fast 25 Jahren steht das ehemalige Konsum-Kaufhaus in Altenburg leer. Es war über Jahrzehnte hinweg eines der bekanntesten und größten Kaufhäuser der Stadt, an das Altenburger gern zurück denken. So wie Ursula Grauert: "Die Mitarbeiterinnen im Konsumkaufhaus haben ja hier Modenschauen veranstaltet. Wenn ich diese wunderschön geschwungene Treppe sehe, sehe ich in meiner Erinnerung noch die hübschen Mädchen mit den Kleidern, den hauseigenen aus dem Handel, wie sie die Treppe mit wie viel Stolz herunter laufen." 1912 gebaut war das Kaufhaus über Jahrzehnte hinweg eine Institution. 

Lebendige Erinnerungen bis heute

Hier gab es alles von Haushaltswaren über Kinderkleidung bis hin zur Nachtwäsche. Mit der angrenzenden Fleischerei, einer Bäckerei und Konditorei und einem Lebensmittelgeschäft bot der Konsum-Komplex  nicht nur ein breites Angebot, sondern auch hunderte Arbeitsplätze. Grauert erinnert sich: "Egal, ob Verkäufer, Arbeiter in den Betriebsabteilungen oder die Kunden - der Konsum war wie eine große Familie. Auch heute noch, wenn man durch die Stadt geht, trifft man Leute, wo man weiß: Ach, dich kenne ich doch! Warst du nicht Verkäuferin im Konsumkaufhaus? Ach ja, stimmt ja!" 1994 endete die Ära Konsum-Kaufhaus. Zu groß war die Konkurrenz am freien Markt. Seitdem stand der insgesamt 10.000 Quadratmeter große Komplex leer.

Was die Künstler erreichen wollen

Jetzt werde er für kurze Zeit mit Leben gefüllt, mit experimenteller Street-Art-Kunst, erklärt Willem Besselink, Installationskünstler aus Rotterdam: "2012 fing es an mit ein paar Künstlern, die die Idee hatten, aus ihrem Atelier raus zu kommen. Sie meinten, es wäre doch ganz schön, in solchen Industriebrachen zu arbeiten und das Atelier auf Zeit umzusiedeln, sodass man eine andere Umgebung hat und auch Möglichkeiten mit dem Gebäude, die man normalerweise nicht hat."

Unter dem Titel "If paradise is half as nice" (IPIHAN) schaffen sich die zwölf internationalen Künstler jedes Jahr an einem anderen Ort ihr eigenes kleines Paradies, wo sie dann fünf Wochen lang leben und arbeiten. Dabei lassen sich von der Geschichte des Gebäudes und den Materialien inspirieren, die sie vorfinden. Wie eine Künstlerin, die zum Beispiel Bilder aus altem Mehl erschafft, das sie in der ehemaligen Konsum-Bäckerei gefunden hat.

Stadt Altenburg hofft auf Initialzündung

Unterstützt werden die Künstler durch Spenden und auch von der Stadt Altenburg. Dazu City-Managerin Katharina Schenk: "Ich denke, so ein Kunstprojekt kann eine Initialzündung sein, um bestehenden Leerstand mit neuen Augen zu sehen, vielleicht frischen Mut zu fassen, Eigentümer nochmal anzusprechen und auch die Stadtgesellschaft vielleicht kreativ in Gang zu setzen. Wir haben sehr viele engagierte Altenburgerinnen und Altenburger, die mit Projektideen an uns herantreten oder sich für Fördergelder bewerben. Ich denke, da kann so eine kurzfristige Öffnung eine Startzündung sein."

Türen öffnen sich für zwei Tage

Am Wochenende haben die Altenburger die Möglichkeit, ihren alten Konsum in neuem Licht zu sehen. Denn da präsentieren die Künstler ihre Ausstellung der Öffentlichkeit, bevor sie wieder ausziehen. Die Aussichten für das ehemalige Konsum-Kaufhaus stehen nicht schlecht: Viele der vergangenen Ausstellungsräume der internationalen Künstlergruppe haben bereits eine neue Nutzung gefunden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. August 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2018, 05:00 Uhr

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