Frauen basteln Vasen in der Frauengruppe beim Verein Bon Courage.
Frauen basteln Vasen in der Frauengruppe beim Verein Bon Courage. Bildrechte: MDR/Rebecca Nordin Mencke

Anlaufstelle für Migrantinnen Interkulturelle Frauengruppe sucht Kontakt zu Deutschen

Die meisten Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, sind Männer. Doch auch Frauen und deren Bedürfnisse beschäftigen Flüchtlingshelfer und -helferinnen zunehmend. Verschiedene Angebote richten sich inzwischen gezielt an geflüchtete Frauen, bieten einen geschützten Raum, wo die Frauen sich austauschen und neue Erfahrungen sammeln können.

von Rebecca Nordin Mencke, MDR AKTUELL

Frauen basteln Vasen in der Frauengruppe beim Verein Bon Courage.
Frauen basteln Vasen in der Frauengruppe beim Verein Bon Courage. Bildrechte: MDR/Rebecca Nordin Mencke

Konzentriert schaut Tayyaba Tareen auf die Glasflasche in ihren Händen. Mithilfe von beidseitigen Klebestreifen wickelt sie einen rosafarbenen Wollfaden darum. Am Ende des Nachmittags wird sie eine bunte Blumenvase haben. Die 50-jährige Pakistanerin kommt regelmäßig zu den Treffen der Interkulturellen Frauengruppe in Borna.

Duldung bringt oft Probleme mit sich

Für Tayyaba Tareen ist das eine willkommene Abwechslung: "Ich hab viel Denken und immer Denken, deswegen vielleicht mein Blutdruck hoch und Krankheit bekommen. Aber jetzt, ich komme und sprechen und lachen und viel Spaß gehabt oder gemacht." Mehrfach entschuldigt sich Tareen für ihr gebrochenes Deutsch.

Als Oppositionelle floh sie 1995 mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Deutschland. Zwei weitere Kinder kamen hier zur Welt. Doch seit mehr als 15 Jahren wird die Familie nur noch geduldet, lebt in ständiger Sorge vor einer Abschiebung. Arbeiten gehen dürfen sie alle nicht - Umstände, die am Selbstbewusstsein nagen.

Frauengruppe und Verein als Anlaufstelle für Asylsuchende

Carolin Münch vom Verein Bon Courage (Archivbild)
Carolin Münch vom Verein Bon Courage (Archivbild) Bildrechte: MDR/Rebecca Nordin Mencke

Doch wenn Tareen von der Frauengruppe und anderen Projekten erzählt, blüht die vierfache Mutter auf. Zweimal schon hat sie bei Lesungen eigene Texte vor Publikum vorgetragen, erzählt sie stolz. Von den Gästen bekam sie dabei viel Lob und Mitgefühl. "Die Leute sagen, deine Geschichten sind sehr schön und sehr traurig. Aber die Frauen kommen und sagen, ja super, super Arbeit. Das sind meine ersten Erfahrungen."

Ob unsicherer Aufenthaltsstatus, Gewalt durch den Ehemann oder Diskriminierung durch Einheimische - jede Frau in der Bornaer Gruppe hat ihre eigenen Sorgen, weiß Carolin Münch vom Verein Bon Courage. Vor über zehn Jahren hatte sich der Verein gegründet, um sich für ein respektvolles  Zusammenleben einzusetzen, hatte Gesprächsrunden und Sportveranstaltungen organisiert. Bald entwickelte sich der Verein auch als wichtige Anlaufstelle für Asylsuchende.

Kontakt mit Einheimischen ist oft schwierig

Ende 2013 äußerten einige der geflüchteten Frauen den Wunsch, sich regelmäßig mit anderen Frauen zu treffen. Doch der Kontakt mit Einheimischen sei im ländlich geprägten Raum oft noch schwierig, räumt Carolin Münch ein. Und erinnert sich, wie sie für einen Frauenlauf zusammen mit geflüchteten Frauen auf Sponsorensuche ging. "Wenn sie dann in eine Firma gehen, in ein Geschäft und sagen: Wir organisieren einen Frauenlauf. Dann wird die Kommunikation aber nur mit uns geführt." Obwohl Münch nichts sage, würde mit ihr, nicht mit den Frauen im Kopftuch, gesprochen.

Dennoch hofft Münch, schrittweise Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen zu können. Auch die syrische Kurdin Amal würde sich mehr Kontakte zu Deutschen wünschen - in der Frauengruppe und auch außerhalb davon.

Wir sagen, eine Sprache ist wie das Meer - warum? Weil das Meer sehr groß ist.

Grundschullehrerin Amal (50) über Sprache
Amal, die Kurdin arbeitete in Syrien als Grundschullehrerin.
Amal in Borna - die Kurdin arbeitete in Syrien als Grundschullehrerin. Bildrechte: MDR/Rebecca Nordin Mencke

Noch lernt die 50-jährige Grundschullehrerin Deutsch, sucht Orientierung in der neuen Gesellschaft. Dafür hat sie einen anschaulichen Vergleich. "Wir sagen, eine Sprache ist wie das Meer - warum? Weil das Meer sehr groß ist." Und auch eine Sprache sei etwas Großes: Es gebe viele Wörter, Bedeutungen und Regeln, die man kennen müsse. "Es ist wie beim Meer: Wenn du hineingehst, musst du viel wissen, um nicht zu ertrinken." Schule allein würde nicht reichen, damit sie die Sprache in ihrer ganzen Weite anwenden könnten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Mai 2018 | 06:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2018, 14:56 Uhr

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1 Kommentar

12.05.2018 08:38 ein schon länger in Deutschland lebender 1

"Verschiedene Angebote richten sich inzwischen gezielt an geflüchtete Frauen, bieten einen geschützten Raum, wo die Frauen sich austauschen und neue Erfahrungen sammeln können."

wirklich, ein geschützter Raum?
wir leben in einer offenen Gesellschaft nach dem GG und der FDG, wieso brauchen dann Frauen einen geschützten Raum?

kann auch sein, ich täusche mich gewaltig.