Anti-Baby-Pille
Die Antibaby-Pille ist das meistgenutzte Verhütungsmittel in Deutschland. Bildrechte: imago/Panthermedia

Neue Hinweise auf Beipackzettel Macht die Anti-Baby-Pille depressiv?

Die Anti-Baby-Pille, das Verhütungsmittel Nummer Eins in Deutschland, kann negativ auf die Stimmung schlagen. Das ist schon länger bekannt. Nun macht eine Studie die Runde, die aufhorchen lässt: In manchen Fällen soll die hormonelle Verhütung auch mit einem erhöhten Selbstmordrisiko einhergehen. Deshalb soll künftig auf dem Beipackzettel vor depressiven Verstimmungen und Suizidgedanken gewarnt werden. Müssen sich die Anwenderinnen nun Sorgen machen?

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Anti-Baby-Pille
Die Antibaby-Pille ist das meistgenutzte Verhütungsmittel in Deutschland. Bildrechte: imago/Panthermedia

Wenn sich eine junge Frau die Pille verschreiben lassen möchte, dann muss der Arzt sie auch über die Risiken aufklären: Die Gefahr von Thrombosen etwa oder dass das Medikament die sexuelle Lust mindern kann. Gynäkologen sollten aber auch erklären, dass die hormonelle Verhütung in seltenen Fällen Depressionen mit sich bringen kann. Das empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Dabei gehe es nicht darum, die Frauen zu verunsichern, stellt Sprecher Maik Pommer klar:

Wir wollen Anwenderinnen dafür sensibilisieren, dass es auch in diesem Bereich Risiken gibt. Und das ist im Prinzip einer Fortsetzung aller anderen risikominimierenden Maßnahmen, [...] die wir bei der Pille schon haben.

Maik Pommer, Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel

Der neue Warnhinweis auf dem Beipackzettel fußt auf einer Studie aus Dänemark. Das Forscherteam hatte die Daten von einer halben Million Frauen ausgewertet und bei einem sehr kleinen Teil einen Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und Suizidversuchen gefunden, vor allem bei Teenagern.

Lebensumstände der Frauen beachten

Joseph Neulen vom Berufsverband der Frauenärzte sieht die Analyse allerdings kritisch. Denn sie blende die Lebensumstände der Mädchen komplett aus. Als Beispiel nennt Neulen die erste Partnerschaft bei Frauen, bei der auch ein Verhütungsbedarf entsteht. Wenn eine solche Partnerschaft zerbreche, würde "die Welt noch eher untergehen als wenn man reifer ist und weiß, dass das Leben auch danach noch weitergeht". Das Risiko einer Depression sei im erstgenannten Fall höher.

Neulen ist Gynäkologe an der Uniklinik Aachen und gilt als führender Experte für alles, was mit Hormonen zu tun hat. Im Gespräch nennt er einige weitere Studien, die auch untersucht haben, ob Pille, Spirale oder Hormonpflaster Suizidgedanken befördern – aber keinen Zusammenhang finden konnten. Auch die dänische Untersuchung sei dafür kein eindeutiger Beweis, meint Maik Pommer. Über die Studie lasse sich kein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme der Pille und Suizidgedanken herstellen. Dennoch gebe es Hinweise auf eine Verbindung, weshalb man die Studie nicht komplett ignorieren könne.

Pille mit Sorgfalt behandeln

Wichtig sei trotzdem, dass gerade junge Frauen nicht allzu sorglos mit der Pille umgingen, sagt Pommer.

Bei der Pille handelt es sich um ein Arzneimittel und nicht um ein Lifestyle-Produkt. Sie greift in einen sonst gesunden Organismus ein und ist mit Nebenwirkungen verbunden.

Maik Pommer, Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel

Deshalb sollten Frauen auch einen Arzt aufsuchen, wenn sie Stimmungsänderungen oder andere Symptome an sich bemerken, erklärt der Hormon-Experte Joseph Neulen. Angst haben müssten sie wegen der dänischen Studie nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Januar 2019 | 06:26 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 07:12 Uhr

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1 Kommentar

23.01.2019 13:46 Ricarda 1

im Osten gab es die Pille seit 1965 und 1972 kostenlos und den pessimistischen Kommentaren der .... Gemeinde zu Lesen scheint hier massiver Missbrauch vorzuliegen.