Falschparker-App Mit dem Smartphone den Fahrradweg räumen

Falsch parkende Autos erhitzen bisweilen die Gemüter. Autofahrer argumentieren mit "Ist ja nur kurz!" oder "Es ging halt nicht anders.", Radfahrer sind genervt und sehen ihre Sicherheit im Straßenverkehr gefährdet. Im Kampf gegen Falschparker gibt es inzwischen sogar eine Smartphone-App.

von Roland Jäger, MDR AKTUELL

Nur ganz kurz anhalten bei der Apotheke mit dem Auto, mal eben auf dem Radweg parken... ist ja nur für eine Minute! So machen das einige Autofahrer und ignorieren dabei drohende Bußgelder: Zehn Euro für das Halten auf dem Radweg, 20 € für Parken, 35 € für das Behindern von Anderen. Das werde aber zu wenig kontrolliert und die Bußgelder seien zu lasch, findet Konrad Krause vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club: "In keinem Land ist das Falschparken so billig wie in Deutschland. Es muss wahrscheinlicher werden, dass man, wenn man sein Auto irgendwohin parkt, wo es verboten ist, auch bezahlt. Momentan ist das Risiko nicht besonders hoch – und es wird gern in Kauf genommen, weil der Kontrast zwischen Parkgebühren und dem Strafzettel nicht besonders stark ist."

Radwege den Radfahrern

Doch ein Radfahrer will sich das nicht länger gefallen lassen. "Radwege den Radfahrern" – das ist das Credo von Heinrich Strößenreuther: "Ich hatte einfach die Schnauze voll. Wenn ich in Berlin oder in anderen Städten durch die Straßen fahre, dass ich dauernd Ausweichen muss, dass dauernd asoziale Falschparker auf den Radwegen stehen. Dann hab ich überlegt, was ich mit meinen Möglichkeiten dagegen machen kann. Ich habe dann aus eigener Kasse das Ganze finanziert, meinen Job für ein halbes Jahr an den Nagel gehängt und diese App online gebracht."

App entwickeln einfacher als Anzeige erstatten

Heinrich Strößenreuther hat die "Wegeheld"-App programmiert. Denn Falschparker beim Ordnungsamt anzuschwärzen war ihm zu kompliziert. Die Beamten benötigen für eine Anzeige Informationen über den Fahrzeugtyp, das Kennzeichen, Straße und Hausnummer, den Zeitraum des Falschparkens, ein Foto vielleicht. Hinzu kommen der eigene Name und die Adresse. Ganz schön viel. Heinrich Strößenreuthers App vereinfacht das. Trifft ein genervter Radfahrer auf ein Auto auf seinem Radweg, so zückt er das Handy. Stößenreuther erklärt: "Man macht ein Foto und schwärzt dann auf dem Bildschirm mit dem Finger das Nummernschild, ergänzt Marke, Farbe und Vorfallsart und postet das automatisch auf wegeheld.org. Und wenn es ein hartnäckiger Fall ist, dann kann man die Informationen auch dem Ordnungsamt mailen."

Markierung = Anzeige?

So landen also alle Informationen beim zuständigen Ordnungsamt, denn die App erkennt selbstständig den aktuellen Standort, an dem sich Radfahrer und Falschparker befinden. "Wenn alle Informationen vollständig sind – also Ort und Zeitraum, Fahrzeugtyp und Kennzeichen, Vergehen und auch die eigene Adresse und der eigene Name – dann ist das theoretisch das Gleiche, als ob ein Verkehrs- und Ordnungskontrolleur diese Anzeige erstattet.“, sagt Tobias Teschner von der Stadtverwaltung Halle.

Die "Wegeheld"-App kennt er noch nicht - Aber sie liefert theoretisch alle nötigen Details für eine vollständige Anzeige. Auch ohne die App gehen in Halle bereits jährlich mehrere Hundert Anzeigen gegen Falschparker pro Jahr ein, die dann vom Ordnungsamt bearbeitet werden.

Nur die Radfahrer sollen profitieren

In Halle würden die Ordnungsamtsmitarbeiter auch besonders darauf achten, dass Rad- und Gehwege fahrzeugfrei bleiben, sagt Teschner. Dazu trägt auch die "Wegeheld"-App bei. Auf einer Karte ist öffentlich zu sehen, wo Falschparker stehen. Seit über einem Jahr ist die App verfügbar, wurde 40.000 Mal heruntergeladen. Ein Geschäft macht Entwickler Heinrich Strößenreuther damit übrigens nicht. Die "Wegeheld"-App ist kostenlos, generiert keine Werbeeinnahmen. Heinrich Strößenreuther betont, er wolle lediglich dafür sorgen, dass Radfahren in deutschen Innenstädten sicherer werde.

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 18:26 Uhr