Innovation App gegen Lebensmittelverschwendung

In Deutschland landen jährlich über 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das entspricht fast einem Drittel des Nahrungsmittelverbrauchs. Umgerechnet werden 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel pro Sekunde entsorgt. Ob nach der Ernte, bei der Weiterverarbeitung, im Großhandel, im Restaurant oder zu Hause. Oft wird dabei nicht darauf geachtet, ob diese wirklich schlecht geworden sind. Vier Studentinnen aus München haben die Idee für eine App entwickelt, die das Wegwerfen verhindern soll.

von Sibylle Kölmel, MDR AKTUELL

Teresa Rumpler, Jana Imling, Christiane Schweda und Franziska Reitinger studieren in München Design und Innovationsmanagement. Die Idee, eine App zu entwickeln, die das Verschwenden von Lebensmitteln eindämmt, ist ihnen in einer Vorlesung gekommen. Titel dieser Lehrveranstaltung war: "Normatives und ethisches Management": Die App solle dabei helfen, erklärt die Studentin Teresa Rumpler, private Lebensmitteleinkäufe optimal zu organisieren und zu verwerten. "Der Benutzer öffnet praktisch in der App den virtuellen Kühlschrank, wo verschiedene Lebensmittelkategorien aufgelistet sind. Da wird Fleisch und Fisch, Milcherzeugnisse, Öle, Fette, Obst und Gemüse, alles wird da aufgezählt."

Und so funktioniert's

Die Kategorien für die Lebensmittel im eigenen Kühlschrank hätten natürlich Unterkategorien, erklärt die Studentin und Mitentwicklerin Christiane Schweda: "Klickt man beispielsweise auf eine dieser Unterkategorien, beispielsweise auf Joghurt, sind im nächsten Schritt alle Yoghurts aufgelistet, die man eingescannt hat. Und je nachdem, wann die Joghurt-Becher ablaufen, hat man einen genauen Überblick, wie viele Tage bis zum Erreichen des MHD übrig sind."

"Save the Food", so heißt die App. Sie verfügt über einen Scanner für den Bar- oder QR-Code, mit dem der Nutzer die verschiedenen Lebensmittel, gerade eingekauft oder schon vorhanden, einlesen muss. Auch manuell können die Codes eingegeben werden. Die App erstellt dann automatisch gestaffelte Erinnerungsfunktionen. Die erste Pop-Up-Nachricht ploppt in Orange auf, fünf Tage, bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft: "Dann gibt’s eine höhere Stufe, wenn nur noch zwei Tage bis zum Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums übrig sind. Dann erscheinen der rote Wecker und wieder eine Pop-Up-Nachricht. Der Benutzer kann die anklicken und bekommt Rezeptvorschläge, wo er das Produkt optimal verwerten kann. Natürlich mit Verwendung von Produkten, die man schon im Kühlschrank hat."

Ausnahmen sind Obst und Gemüse

Wird eines der vorgeschlagenen Rezepte angeklickt und ein Kuchen aus Resten gebacken, löscht die App automatisch die verbrauchten Produkte aus dem Erinnerungssystem. Und was ist mit Lebensmitteln, die über keinen Code verfügen? "Bei Obst und Gemüse stehen dann Empfehlungen, weil es kein richtiges Mindesthaltbarkeitsdatum gibt. Da stehen dann einfach Empfehlungen, wie man die Lebensmittel lagern sollte."

Doch es gibt auch Kritik

Stefan Meißner, Professor für Medien- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt, sieht die App kritisch. Durch ihre Nutzung werde das Soziale durchökonomisiert: "Statt einem sozialen Miteinander, durchaus im Sinne von Kants kategorischem Imperativ zu leben, soll nun diese kleine Mühe durch eine App ersetzt werden. Statt wirklich ein Bewusstsein zu sinnvollen, sozialen Normen und ethischen Maximen zu entwickeln, bleibt einzig diese App, die benutzt wird - ohne nachdenken zu müssen."

Die Studentinnen Christiane Schweda und Teresa Rumpler sagen, dass zumindest bei ihnen das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen und nicht verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln immer schon da war. Das Patent für die App haben die vier Frauen angemeldet. Jetzt sind sie auf der Suche nach Unternehmen, die "Save the Food" zum Leben erwecken. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Dezember 2017 | 08:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2017, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

23.12.2017 17:28 FRank 2

Ich kaufe in dem Umfang Nahrungsmittel ein, wie ich sie tatsächlich benötige. Dazu braucht man den eigenen Verstand, keine App.

23.12.2017 14:21 Wo geht es hin? 1

Die einen brauchen für alles eine App und die anderen benutzen einfach ihren gesunden Menschenverstand. Aber offensichtlich gibt es immer weniger von dieser Sorte Mensch bei uns...