Hörsaal
An der Martin-Luther-Universität in Halle feiert mit der Armenologie eine in Deutschland einzigartige Studienrichtung ihr Jubiläum. Bildrechte: dpa

Einzigartig in Deutschland Armenologie an Uni Halle feiert Jubiläum

An der Martin-Luther-Universität in Halle gibt es Grund zum Feiern. Anlass ist das Jubiläum eines bundesweit einmaligen Lehrangebots: die "Armenologie", also die Armenien-Kunde. Das klingt zunächst nach Orchideenfach und Elfenbeinturm. Doch das täuscht: Sachsen-Anhalt im Allgemeinen und Halle im Besonderen blicken nämlich auf eine lange und enge Beziehung mit dem ältesten christlichen Land der Welt zurück.

von Sebastian Hesse, MDR AKTUELL

Hörsaal
An der Martin-Luther-Universität in Halle feiert mit der Armenologie eine in Deutschland einzigartige Studienrichtung ihr Jubiläum. Bildrechte: dpa

Seit 1694 wird in Halle an der Saale der Orient erforscht, ganz ausdrücklich auch der Christliche Orient. Am heutigen Orientalischen Institut widmet sich die sogenannte Mesrop-Arbeitsstelle, die am Donnerstag 20 Jahre alt wird, Armenien. Die Kaukasusrepublik hatte im Jahre 301, also lange vor Rom und Byzanz, das Christentum zur Staatsreligion erhoben.

Die Hallenser Forschungseinrichtung, die von der gebürtigen Armenierin Professor Armenuhi Drost-Abgarjan geleitet wird, ist nach Mesrop Maschtotz benannt. Dieser hatte im fünften Jahrhundert das armenischen Alphabet erfunden und die Bibel in die armenische Sprache übersetzt. Ein passender Namenspatron, findet Deutschlands einzige Professorin für Armenologie:

Er war ein Pendant zu Martin Luther, da wir in Deutschland ein Zentrum haben, in dem Luther für die nationale Literatur dieselbe Rolle spielte wie Mesrop-Maschtotz für die armenische Literatur.

Armenuhi Drost-Abgarjan | Dozentin Uni Halle

Schon zu Luthers Zeiten besonders

Denkmal des Reformators Martin Luther in Wittenberg
Nahm ins Armenische übersetzte Bibel als Vorbild: Martin Luther Bildrechte: IMAGO

Die Beziehungen der Region Halle/Wittenberg zu Armenien lassen sich tatsächlich in die Zeit des Reformators zurückführen. Dieser hatte bei seiner Bibelübersetzung ins Deutsche ausdrücklich Bezug auf das armenische Vorbild genommen.

Dabei schrieb er, dass sich die Armenier "doch auch ihre Liturgie in der eigenen Sprache feiern". Deshalb findet Professor Drost-Abgarjan, dass die Verbindung zwischen den Städten Halle und Wittenberg und dem Land Armenien schon zu Martin Luthers Zeiten im 16. Jahrhundert bestand.

Ein gutes Jahrhundert später wurde die Kulturbeziehung dann auch handfest - durch den Gründer der Franckeschen Stiftungen. Der Theologe August Herrmann Francke war sowohl am Buchdruck als auch an der Heiligen Schrift interessiert. Er lernte armenische Drucker in Amsterdam kennen und lud sie ein, mit ihm in der von Francke gegründeten Waisenhaus-Druckerei zusammenzuarbeiten. Außerdem wollte er die Bibel in alle Sprachen übersetzen.

Francke selbst hat die ersten Drucke armenischer Bibeln aus Amsterdam nach Halle gebracht: Dort können sie noch immer bewundert werden. Armenien- und Orientforschung hat es seither ununterbrochen gegeben.

Auch die armenische Kultur ist verankert

Heute ist die Armenologie in Halle in eine Forschungslandschaft eingebettet, die es nirgends sonst gebe, sagt Professor Drost-Abgarjan. "In unserem orientalischen Institut natürlich es ist die einmalige Konstellation von Islamwissenschaften, jüdischen Studien und Wissenschaft vom christlichen Orient - eines Gebiets der drei Religionen des Nahen Ostens, und ein Gebiet, wo es heute ja so viele Auseinandersetzungen gibt." Nach Ansicht der Wissenschaftlerin lassen sich die heutigen Konflikte nur verstehen, wenn man um ihr historisches Zustandekommen weiß.

In Halle gibt es zudem auch die einzige armenische Gemeinde Deutschlands mit eigener armenischer Kirche. Und Sachsen-Anhalt ist durch das deutsch-armenische Kulturabkommen von 1998 offizielles Partnerland der Kaukasusrepublik.

Zu der Jubiläumsfeier am Donnerstag werden neben hochrangigen Gästen aus Armenien auch Vertreter der Magdeburger Landesregierung erwartet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 18. Oktober 2018 | 08:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 05:00 Uhr