Ein obdachloser Mensch sitzt in viele Decken gewickelt an eine Mauer gelehnt
Obdachlose stellen für Krankenhäuser oft ein bürokratisches Problem dar. Bildrechte: imago/localpic

Erkrankte Obdachlose Krankenhäuser können Behandlungskosten nicht abrechnen

Wer dringend medizinische Behandlung braucht, der wird in Deutschland auch behandelt. Selbst, wenn er keine Krankenkasse hat, die dafür zahlt. Gerade bei Obdachlosen ist das oft der Fall. Die Kosten bleiben dann immer mal wieder an den Krankenhäusern hängen.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Ein obdachloser Mensch sitzt in viele Decken gewickelt an eine Mauer gelehnt
Obdachlose stellen für Krankenhäuser oft ein bürokratisches Problem dar. Bildrechte: imago/localpic

Manchmal bringt die Polizei sie zum Krankenhaus, manchmal Sozialdienste: kranke oder verletzte Obdachlose. Jana Fischer ist Leiterin der Abrechnung in einem großen Leipziger Krankenhaus, das nicht genannt werden möchte. Auch ihr Name wurde geändert – aus Sorge, sonst würden noch häufiger Obdachlose zu ihnen gebracht. Nicht, weil das Haus sich nicht um diese Patienten kümmern wollen würde, sondern weil sie Geld kosten.

Bei kleineren Notfallbehandlungen entstehen nach Fischers Worten Kosten zwischen 40 und 60 Euro. Bei stationären Behandlungen über eine Nacht seien es 700 bis 1.000 Euro, bei längeren Aufenthalten noch höhere Summen. 20 Obdachlose seien im vergangenen Jahr ins Krankenhaus gekommen. So die offiziellen Zahlen, doch es gebe eine Dunkelziffer, setzt Fischer nach.

Obdachlose oft weder bei Sozialamt noch bei Jobcenter

Im Normalfall übernimmt die Kosten für Behandlungen die Krankenkasse. Doch oft haben Obdachlose keine. Dieses Problem bestehe bundesweit, bestätigt Rechtsanwalt Martin Schnell. Er ist unter anderem auf Krankenhausrecht spezialisiert. Die Krankenhäuser würden aus verschiedenen Gründen mit dem Problem kämpfen, sagt Schnell. Ein Drittel der Fälle ginge zulasten der Krankenhäuser aus und niemand übernehme die Kosten.

Eigentlich ist es klar geregelt. Wer Sozialhilfe bekommt, ist über das Sozialamt versichert. Wer arbeitsfähig ist und ohne Job, den versichert das Jobcenter. Doch gerade Obdachlose seien bei den zuständigen Einrichtungen oft nicht gemeldet, weiß Cornelia Naumann, Abteilungsleiterin der Patientenverwaltung im Helios Parkklinikum in Leipzig:

Sie haben sich oftmals dem System so entzogen, dass man von ihnen nach eigener Aussage nicht erwarten kann, dass sie jetzt aufs Amt gehen.

Cornelia Naumann, Helios Parkklinikum Leipzig

Die Sozialdienste der Krankenhäuser versuchen daher nach der Behandlung schnellstmöglich die Patienten bei den Ämtern zu melden. Die Zusammenarbeit mit dem Leipziger Sozialamt schätzt Naumann als gut ein. Wenn die Patienten kooperieren. Doch nicht alle tun das. "Es gibt natürlich Patienten, die die Aussagen verweigern: 'Sag nur Kalle zu mir und gut ist.' Und die bleiben auch Kalle. Die benennen also nicht, wo sie gegebenenfalls gemeldet sind, bei welcher Kasse sie sind", erzählt Naumann.

Passives Verhalten von Ämtern gegenüber Krankenhäusern

Ämter wollen Missbrauch vermeiden und daher nur dann zahlen, wenn sie zweifelsfrei zuständig sind. Doch das nachzuweisen, sei für Krankenhäuser oft nicht möglich, meint Rechtsanwalt Schnell.

So ein Krankenhaus ist ja an einer Schwelle, weitere Recherchen anzustellen. Das dürfen und können die gar nicht von Gesetzes wegen.

Martin Schnell, Rechtsanwalt

Sozialämter zum Beispiel würden das hingegen können, aber oft nicht wollen, erklärt Schnell. In Aachen hat ein Krankenhaus deshalb vorm Sozialgericht geklagt – und Recht bekommen. Das Sozialamt muss selbst recherchieren und darf nicht aufgrund weniger Angaben des Krankenhauses ablehnen. Schnell betont aber, es handele sich um eine Einzelfallentscheidung, die nicht übertragbar sei. Trotzdem könnte sie vielleicht ein Türöffner für künftige Fälle sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 05:00 Uhr

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17 Kommentare

09.03.2019 13:43 winfriedan (15)H.E. 17

Meinten Sie mit Ihrem Beitrag etwa
... das deutsch-türkisches Abkommen vom 30. April 1964
und
... das deutsch-jugoslawische Abkommen vom 12. Oktober 1968 ?
Beide haben aktuell Gültigkeit, wonach die Eltern von hier in DE Arbeitenden aus den Ländern kostenlos KK-mitversichert sind ?
(das Jugo-Abkommen gilt für die Jugo-Nachfolgestaaten: Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro)

09.03.2019 10:31 Ekkehard Kohfeld 16

@ Dieter 12 Denkschnecke 8:
Das Geld für die Behandlung der Millionen Migranten wird ja keinem weggenommen.
Das ist die neue Version (frei nach H. Maas) des legendären Geckospruches, ihr Geld nicht weg, es hat nur eine anderer.##

Völlig richtig und man kann auch niemand etwas wegnehmen was er gar nicht bekommen hat ihm aber zusteht,nur verstehen das unser Lemminge nicht die plappern einfach nur immer die selben Phrasen nach.

09.03.2019 10:12 H.E. 15

@ 14 Carolus Nappus
Ergänzen möchte ich noch ihre Zeilen.
Die Eltern von hier lebenden Türken, die nie in Deutschland gelebt und gearbeitet haben, sind krankenversichert in der Türkei durch ihre hier arbeitenden Kinder, die bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und müssen keinen Cent zusätzlich dafür bezahlen. Dies gehört umgehend abgeschafft. Merkt denn niemand, wie wir gemolken werden.

08.03.2019 18:18 Carolus Nappus 14

Na Denkschnecke, dann informieren sie sich mal, wo die Masse der Asylbewerber, Geduldeten, Ausreisepflichtigen (keine abschließende Aufzählung) in der Masse versichert ist. Ja, richtig, in der gesetzlichen Krankenversicherung. Zu einem Minibeitrag, der nicht die Kosten deckt. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen das Geld dann eben woanders hernehmen. Woher? Ja, genau, vo der übrigen Versichertengemeinschaft. Sei es durch höhere Beiträge oder weniger Leistungen. Und ja auch nicht gesenkte Beiträge sind höher als wenn sie gesenkt würden, weil ja die Einnahmen achso dolle sprudeln wie seite Langem nicht mehr.

Die Problematik mit den Obdachlosen ließe sich sicher einfach lösen. Es zahlt das Sozialamt der Stadt (oder meinetwegen des Landkreise, wo der als Patient aufschlägt.

08.03.2019 17:24 Denkschnecke 13

Ja, OK, das hat der Staat mit Steuergeldern bezahlt. So wie die Milliardenverluste, die der damalige Verkehrsminister bei TollCollect eingefahren hat. (Davon hätte man die Gesundheitsleistungen für Flüchtlinge mal locker bezahlen können.)
Der Punkt war doch, dass na so was behauptet hat, dass dass Volk mit "Krankenkassenbeiträgen die Rechnungen für die Flüchtlinge ungefragt bezahlen musste". Und das ist schlicht falsch.

08.03.2019 16:24 Dieter 12

Denkschnecke 8:
Das Geld für die Behandlung der Millionen Migranten wird ja keinem weggenommen.
Das ist die neue Version (frei nach H. Maas) des legendären Geckospruches, ihr Geld nicht weg, es hat nur eine anderer.

08.03.2019 16:01 Denkschnecke 11

@10 Sonja:
Mit Ihrem Argument sind wir ganz schnell beim Grundproblem des Solidaritätsprinzips: Ich zahle in nicht unerheblichem Maße Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung. Weit mehr als ich diese Krankversicherung bisher gekostet habe. Damit bezahle ich auch die Behandlung von übergewichtigen Kettenrauchern, die vielleicht mehr kostet als ein Mindestlohnempfänger in einem Jahrzehnt verdient. Warum ich das trotzdem in Ordnung finde? Weil die Alternative wäre, dass die sonst ohne Behandlung sterben. So wie in den USA vor Obama.

08.03.2019 14:25 Sonja 10

@ 1 auch Zahlmeister aber nicht laufend für andere die garnichts eingezahlt haben mit welchem grund sollten wir es übernehmen ??
schwachsinn dieser blöde Kommentar, wir sind keine Kühe die stets gemolken werden können, es ist mal schluß damit zuerst unsere Menschen was übrig bleibt dann andere und da bleibt nichts übrig !!

08.03.2019 13:54 winfried zu (8)Denkschnecke 9

Ihrem Beitrag entnehme ich,
Staatsgeld ist Steuergeld, wächst also "auf den Bäumen" ?!
Und das mit dem "es wird Niemandem etwas weggenommen" hat Herr Schäuble auch schon gesagt. Dabei glaube ich als "nicht-mit-der-Kneifzange-Hosenanzieher" immer noch, Leistung jedweder Art für einen Zweck verwendet steht für andere Zwecke nicht zur Verfügung.

08.03.2019 12:25 Denkschnecke 8

@3: Na so was
Sie haben den Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden. Lesen Sie den dritten bis fünften Absatz noch mal durch. Nicht fehlendes Geld ist hier das Problem, sondern dass es weder Krankenkasse noch Sozialamt tragen können, wenn der Mitbürger bei beiden nicht gemeldet ist.
Die Krankenversorungskosten für Asylbewerber haben auf Ihre Krankenkassenbeiträge null Einfluss, die trägt nach AsylbLG der Staat. Wo hat der seit 2015 dafür Steuern erhöht? Lassen Sie doch die reflexhafte Ablenkung bei jedem Thema auf Ihr 2015-Trauma.