Ein kleines, altes Wohngebäude
Viele ländliche Regionen in Ostdeutschland werden wohl weiter Einwohner verlieren. Bildrechte: imago/allefarben-foto

Prognose Ländliche Regionen im Osten schrumpfen - Leipzig wächst stark

Rund 60 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland werden einer neuen Prognose zufolge bis 2035 Einwohner verlieren. Besonders hart trifft es den Osten. Größere Städte legen dagegen zu - allen voran Leipzig.

Ein kleines, altes Wohngebäude
Viele ländliche Regionen in Ostdeutschland werden wohl weiter Einwohner verlieren. Bildrechte: imago/allefarben-foto

Die Bevölkerungszahl in Deutschland bleibt einer Prognose zufolge bis 2035 nahezu konstant - allerdings werden ländliche Regionen vor allem im Osten teilweise deutlich Einwohner verlieren. Das teilte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mit.

Danach wird die Einwohnerzahl in allen fünf ostdeutschen Flächenländern bis 2035 abnehmen, am stärksten mit fast 16 Prozent in Sachsen-Anhalt. Dort ist der Bevölkerungsrückgang laut Prognose vor allem in den Landkreisen Stendal, Harz, Mansfeld-Südharz, Anhalt-Bitterfeld, Wittenberg und dem Saalekreis zu spüren ebenso in der Stadt Dessau-Roßlau.

Für Thüringen sagen die Forscher einen Bevölkerungsrückgang von knapp 14 Prozent voraus. Hier sind der Kyffhäuserkreis sowie die Kreise Altenburg, Greiz, Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt am stärksten betroffen.

Für Sachsen rechnet das Berlin-Institut mit einem einstelligen Rückgang. Zu den Verlierern zählen dort vor allem die Landkreise Bautzen, Görlitz, Mittelsachsen, Erzgebirge und Vogtland.

Insgesamt werden der Prognose zufolge im Osten 23 Kreise bis 2035 mehr als jeden fünften Einwohner verlieren. Betroffen sind davon auch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Leipzig wächst am schnellsten

Blick vom Aussichtsturm im Leipziger Rosental auf die Leipziger Innenstadt
Leipzig wächst bis 2035 wohl so stark wie keine andere Stadt in Deutschland. Bildrechte: dpa

Allerdings gibt es im Osten auch wachsende Regionen - und das sind die größeren Städte. In Sachsen-Anhalt werden die Einwohnerzahlen in Magdeburg und Halle zulegen, in Thüringen in Erfurt und Jena und in Sachsen in Dresden und Leipzig. In Mecklenburg-Vorpommern wird Rostock mehr Bewohner anziehen, in Brandenburg ist es Potsdam.

Leipzig wird aus Sicht der Forscher bundesweit am schnellsten wachsen und damit "relativer bundesweiter Spitzenreiter" sein. Hier wird mit einem Plus von mehr als 16 Prozent bei den Einwohnern gerechnet. Zum Vergleich: Für Berlin geht das Institut von einem Wachstum von fast elf Prozent bis 2035 aus. Damit liegt die Hauptstadt aber im Vergleich zu allen anderen Bundesländern vorn.

Städte sind wirtschaftlich vorn

Ein Grund für den Bevölkerungsrückgang in ländlichen Regionen ist laut Berlin-Institut der demografische Wandel. In entlegenen Regionen würden deutlich mehr Menschen sterben als geboren werden. Die großen Städte könnten dagegen mit ihrer Infrastruktur punkten. Die Hoffnung, dass die ländlichen Regionen wirtschaftlich aufschlössen, dürfte sich der Studie zufolge kaum erfüllen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 05. April 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 12:12 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

32 Kommentare

07.04.2019 09:20 Roberto 32

Wenn ich noch jung wäre und eine Familie gründen wöllte, dann wäre Wohnen im ländlichen Raum sicherlich eine Option, schon aus finanziellen Gründen. Jetzt, da man älter geworden ist, die unterschiedlichsten Fachärzte benötigt, das Auto gerne auch mal stehen lassen und am Abend keine Weltreise unternehmen will, um mal ins Kino zu kommen - tja, dann kommt eigentlich nur noch ein Leben in der Großstadt in Frage. Die Landflucht ist also eine logische Folge unseres demographischen Problems.
Dass das Leben in der Großstadt auch nach 2015 als besonders attraktiv wahrgenommen wird, zeigt allerdings, wie dünn das Brett ist, das die Unkenrufer und Horrormärchenerzähler bohren.

07.04.2019 07:34 Wikreuz 31

Die Menschen müssen dort wohnen, wo sie sich durch Arbeit ernähren können. Wenn ich fast jeden Tag über Förderungen der Industrieansiedelung in den Ballungszentren lese, ist diese Entwicklung von unserer Regierung bewusst so gewollt. Warum - bleibt mir ein Rätzel?

06.04.2019 21:07 ONKEL Bruno 30

Was ich noch hinzufügen möchte:

Dörfer entstanden, weil Bauern Landwirtschaft betrieben haben. Mit den landwirtschaftlichen Großbetrieben im Osten sind es jetzt nur Wohnstätten wie Satellitenstädte. Allerdings fehlt meistens die komplette Infrastuktur, Kultur, Nahverkehr und Versorgung.

Der Sinn der kleinen Dörfer geht also komplett verloren. Es hilft also nur Zusammenschluss und Rückbau, was immer es auch bedeutet. Ansonsten regelt es der demographische Faktor "Zeit"!

06.04.2019 12:29 Dorfbewohner 29

“pkeszler 27

@Dorfbewohner…”

Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass Sie anderen Vorwerfen keine Ahnungung zu haben aber selber auch nicht alles so recht überschauen und wenn dann nichts mehr übrig bleibt , unterstellen Sie mal so locker “die DDR verherrlichen”, superschlau...

Aber warum geht es, Sie schrieben wörtlich “dazu muss jetzt erst mal das S-Bahn-Netz in Mitteldeutschland ausgebaut werden” und darauf erwiderte ich sinngemäß und sarkastisch, dass wir hier im gesamten “Mitteldeutschland” bis jetzt nur ein paar einzelne “S-Bahnen” auf 500km Länge und 200km Breite besitzen und dorthin wollen Sie dann die Massen schaffen…

warum eigentlich?

05.04.2019 23:57 ONKEL Bruno 28

Es liegt doch auf der Hand. Ich selbst komme von einer sehr kleinen Gemeinde.
Dort gab es vor der Wende reichlich Arbeitsplätze aber statt 400 MA beschäftigt die Landwirtschaft heute weniger als ein 20zigtel. Damit waren auch die Kunden der kleinen Service-Betriebe und Handwerker weg. Von den gewählten Volksvertretern verstanden die wenigsten die vorhandenen Kleinbetriebe zu unterstützen. Die Gemeindeverwaltung hat diese Betriebe statt zu unterstützen, mit der vollen Breitseite des bundesdeutschen Bürokratismus beschossen, so daß viele aufgaben bzw. noch daran denken. Das kann ich anhand der eigenen Familengeschichte nachweisen. Der Schatten der sozialistischen Vergangenheit hatte eben auch die Ansichten des Verwaltungspersonals geprägt, da man Kapitalisten (obwohl Bürger der gleichen Herkunft) nicht unterstützt.
Jetzt müssen die Mitbürger für diese Fehleinschätzung büßen. Das ist auch symptomatisch wenn man erfolgreiche und gescheiterte Gemeinden vergleicht.

05.04.2019 22:06 pkeszler 27

@Dorfbewohner: "Der Nahverkehr zwischen den großen Städten und den kleineren Orten muss definitiv verbessert werden."
Sie haben offensichtlich die neuen S-Bahn-Züge nach und von Leipzig noch nie benutzt? Und den S-Bahn-Tunnel in Leipzig wohl auch nicht? Den hat es meines Wissens zu Honeckers Zeiten noch nicht gegeben. Bitte informieren Sie sich erst mal, bevor Sie die DDR verherrlichen.

05.04.2019 20:59 Neumann Jörg 26

Die Konzentration auf die großen Städte ist so etwas von weltfremd, schaut doch die sozialen und ökologischen Probleme ehrlich aber, fahrt nicht nur Indie City oder die Wohngebiete, der Eigenheim -Besitzer sondern auch in die ,Grosswohngebieteund urteilt selbst

05.04.2019 20:41 Dorfbewohner 25

“pkeszler 23

@Pasila:"Der Nahverkehr zwischen den großen Städten und den kleineren Orten muss definitiv verbessert werden."
Und dazu muss jetzt erst mal das S-Bahn-Netz in Mitteldeutschland ausgebaut werden. Und die Busse müssen dann die Bewohner der kleinen Orte an die S-Bahn-Stationen heran führen.”

Oh welch grandiose Aufgabe, die “S-Bahn-Netze” in Mitteldeutschland ausbauen!

Die paar “S-Bahn-Netze” die ich in ganz Mitteldeutschland kenne sind noch die alten vom ehemaligen Saarländer, dem Honecker...

05.04.2019 20:03 Die kleine Meerjungfrau 24

Deutschland schafft sich ab.

Immer weniger Kinder, immer weniger Regionen, immer mehr Konzentration

05.04.2019 19:26 pkeszler 23

@Pasila:"Der Nahverkehr zwischen den großen Städten und den kleineren Orten muss definitiv verbessert werden."
Und dazu muss jetzt erst mal das S-Bahn-Netz in Mitteldeutschland ausgebaut werden. Und die Busse müssen dann die Bewohner der kleinen Orte an die S-Bahn-Stationen heran führen.