Drei Aktivistinnen vom Bund Naturschutz stehen während der Kundgebung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" in einem Bienenkostüm auf den Marienplatz und werden von Passanten fotografiert.
Mit einem Volksbegehren haben Aktivisten in Bayern den Weg für einen Volksentscheid zur Rettung der Bienen freigemacht. Bildrechte: dpa

Artenschutz Bienen retten in Mitteldeutschland

Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie es sie nur selten für Volksbegehren in Deutschland gab: Innerhalb von zwei Wochen hatten 1,75 Millionen Menschen in Bayern mit ihren Unterschriften das Volksbegehren «Rettet die Bienen» unterstützt. Der Weg für einen Volksentscheid zum Schutz der Artenvielfalt ist in Bayern also frei. Gibt es in Mitteldeutschland jetzt eine ähnliche Entwicklung?

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Drei Aktivistinnen vom Bund Naturschutz stehen während der Kundgebung zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" in einem Bienenkostüm auf den Marienplatz und werden von Passanten fotografiert.
Mit einem Volksbegehren haben Aktivisten in Bayern den Weg für einen Volksentscheid zur Rettung der Bienen freigemacht. Bildrechte: dpa

In Mitteldeutschland ist man von dem Ergebnis aus Bayern zwar beeindruckt – ein eigenes Volksbegehren ist den angefragten Umweltverbänden allerdings weder bekannt, noch sind Eigeninitiativen konkret in Planung. Am aktivsten sind die Sachsen, wie der ehrenamtliche Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, BUND Sachsen, Prof. Dr. Dr. Felix Ekard erklärt.

Der BUND Sachsen und auch andere sächsische und mitteldeutsche Umweltverbände prüfen [...] ein mögliches Volksbegehren.

Prof. Dr. Dr. Felix Ekard, Vorsitzender des BUND Sachsen

In Sachsen-Anhalt gibt es laut einer Untersuchung der Martin-Luther-Universität in Halle bundesweit die geringste Bienendichte. Trotzdem wird in den 14 Umweltverbänden von Sachsen-Anhalt der Erfolg des bayrischen Volksbegehrens „Artenvielfalt - Rettet die Bienen“ bislang lediglich diskutiert.

Die Situation und die Mentalität seien in Sachsen-Anhalt aber anders als im Freistaat Bayern, erklärte eine Landes-Sprecherin des Naturschutzbundes Deutschland. Man sehe das bayrische Volksbegehren eher als Zeichen für die Politik und erwarte eine entsprechende Reaktion auch von der eigenen Landesregierung.

Thüringen wartet ab

In Thüringen wird derweil weder ein Volksbegehren angestrebt, noch auf eine landespolitische Reaktion gewartet. Für den Landesverband des BUND gilt im Moment das Motto: Lieber unterstützen als kritisieren, wie Stefanie Haupt, Sprecherin des thüringischen Landesverbands Bund für Umwelt und Naturschutz erklärt. Das habe sowohl inhaltliche als auch formale Gründe. Denn in Bayern hatte das Volksbegehren einen "aktuellen Gesetzesvorschlag zur Änderung des bayrischen Naturschutzgesetztes zum Gegenstand".

In Thüringen ist es aber so, dass das Naturschutzgesetz gerade erneuert wird.

Stefanie Haupt, Sprecherin des BUND Thüringen

Das wolle man lieber unterstützen, als torpedieren, sagt Haupt. Zudem stünden im Herbst Landtagswahlen in Thüringen an. Da Forderungen aus einem Volksbegehren in dieser Legislaturperiode gar nicht mehr umgesetzt werden könnten, erscheint dem BUND Thüringen ein Volksbegehren im Moment nicht sinnvoll.

EU in der Pflicht

Das Gleiche gelte für die Europäische Union. Weil es um Maßnahmen der Agrarpolitik gehe, sei die EU eigentlich der viel bessere Ansprechpartner für Bienenschutz.

Damit wäre nach Haupt ein Volksbegehren auf europäischer Ebene am sinnvollsten. Aber auch hier gelte: Die aktuellen "Förderinstrumente der Agrarpolitik", die betroffen wären, werden schon überarbeitet. Deshalb wolle man auch zunächst konkrete Ergebnisse abwarten, wie Haupt weiter ausführt.

Die Kollegen aus Sachsen sind da zwar kämpferischer und würden gerne über die Landespolitik den Druck auf die EU erhöhen – ein Erfolg wie der Volksentscheid aus Bayern scheint sich in Mitteldeutschland vorerst nicht anzubahnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

05.03.2019 07:32 Ricarda 8

> An einigen Orten in Deutschland gibt es bis zu 80 Prozent weniger Insekten als noch vor 35 Jahren. Das Massensterben hat vor allem im letzten Jahrzehnt richtig Fahrt aufgenommen. Prominentes Beispiel: die Wildbienen. <

nur Deppen lehnen Klima-Schutz und Bienen-Schutz ab und verweigern sich Fakten.

> Sterben die Bienen, dann gibt es auch weniger Äpfel, Pflaumen oder Tomaten. Denn bei der Bestäubung sind die Tiere nur schwer zu ersetzen. Doch es fehlen nicht nur Bienen, fast alle Insektenarten sind betroffen – vor allem Falter, Heuschrecken und Schwebefliegen. <

04.03.2019 10:11 Horst 7

@ 04.03.2019 08:29 Thorben 5

"Wo liegt denn der Inhalt dieser Forderungen?"

Den Inhalt finden Sie auf der Webseite des Volksbegehren in Bayern. Da gibt es neben einer "FAQ" auch einen kompletten Gesetzentwurf.

Es heißt übrigens "Volksbegehren Artenvielfalt". Das mit dem "Rettet die Bienen" ist nur ein verkürzter Slogan.

04.03.2019 10:10 Brennabor 6

Dann sollte jeder Bienen-Gehölz anpflanzen, anstatt
Unterschriften sammeln oder totes Friedhofs-
Gehölz aus dem Baumarkt zu pflanzen.
Leider haben wir viel zu wenige Baumschulen !

04.03.2019 08:29 Thorben 5

Wo liegt denn der Inhalt dieser Forderungen ? Also welche Maßnahmen sollen vollbracht werden, um die Bienen zu retten ?
Mit Kostümen aus Kunststoff und chinesischer Herstellung unter starker Umweltverschmutzung ?
Mit 1,74 Millionen Unterschriften auf bis zu 29.000 bis 58.000 DIN A4 Bögen ?
Mit in China herstellten Kunststoffzelten ?
Mit der Strahlung von Mobilfunktürmen für die grinsenden "Bienen", damit die auch die Standortbestimmung des Bildes haben ?
Mit Gesetzesänderungen gibt es mehr Bienen ?

Stellt einfach Bienenkörbe auf und pflegt sie, anstelle der Aktion.
Schafft Lebensräume für Wildbienen.
Punkt ! Einfach handeln und fertig. Aber bitte nicht in Billigkostümen, die auch noch unnötig sind und eben die schädliche Produktion unterstützen.
Haben alle zuviel Biene Maja und allgemein fern gesehen. In der realen Welt gibt es noch genug Bienen.
Aber im Fernseher halt nicht.

04.03.2019 08:07 C.T. 4

"...ein Erfolg wie der Volksentscheid aus Bayern scheint sich in Mitteldeutschland vorerst nicht anzubahnen"

Richtig, die Agrar-Lobby in Mitteldeutschland wird das schon zu verhindern wissen.
Wenn man mit offenen Augen durch die Börde fährt, wird einem schlecht davon, was die Bauern allein schon diesen Februar auf die Felder und Wiesen verteilt haben. 80% unserer Gewässer sind mitlerweile durch organische Dünger vergiftet. Betroffen sind weit mehr Tier- und Pflanzenarten - nicht nur die Bienen...
Sinn machen Verbote nur, wenn sie die Wurzel des Übels verbieten, nicht nur einzelne Instrumente. Massentierhaltung und Biomasseproduktion für die Biogas-Anlagen sind die Ursachen, die es zu bekämpfen gilt!

04.03.2019 08:00 REXt 3

Solange immer wieder Glyphosat zugelassen wird, solange wird das Insektensterben weiter gehen, die Vögel sind auch schon dezimiert, da kommt das gleiche Desaster!

04.03.2019 07:29 Stena 2

Bienen retten.

Eine der grossartigesten Ideen in diesem Land.
Es gibt nichts Wichtigeres.

Die Dörfer veröden .. aber was soll´s.

04.03.2019 06:36 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Rettet die Bienen,
Ein schönes Ablenkungsmanöver vor den Wahlen und den tatsächlichen Problemen im Land.
Vergleichbar mit Frieden der jeder Mensch will und in der DDR dafür ausgenutzt wurde, bis du nichtfür uns bist du gegen Frieden.
Heute, bist du nicht für die aktuelle Politik bist du gegen Bienen.