Hintergrund Was man über "Creepy Clowns" weiß

Ein angeblich neuer Trend aus den USA hat die deutsche Öffentlichkeit aufgeschreckt. In gruseligen Clown-Kostümen werden Passanten erschreckt, manche bedroht und verletzt. Experten warnen vor einer möglichen Welle um Halloween und davor, dass solche "Streiche" auch Straftaten sein können. Wie es zu diesem Trend kam, ist nicht ganz klar. Ganz neu ist er aber auch nicht.

Auch in Deutschland machen sich jetzt als gruselige Clowns verkleidete Leute, zumeist wohl Jugendliche, einen Spaß daraus, Passanten in Angst zu versetzen. Nicht die letzte Meldung eines solchen Falls war kürzlich aus Rostock gekommen. Dort hatte ein zunächst noch unbekannter Täter im Clownskostüm einen 19 Jahre alten Jugendlichen erschreckt und mit einem Baseballschläger verletzt.

Ein Mann als Gruselclown verkleidet.
Lustig oder nicht: Ein Clown in der Öffentlichkeit Bildrechte: IMAGO

Darüber hinaus teilte die Polizei in Rostock mit, dass in der Stadt ein 15-Jähriger von einem maskierten "Grusel-Clown" bedroht worden sei. Er sei mit einem Messer in der Hand auf den Jugendlichen zugelaufen, der aber unverletzt habe fliehen können. Ebenfalls am Donnerstag war eine 22 Jahre alte Frau in Greifswald von einem entsprechend kostümierten "Clown" erschreckt worden.

Auch aus Nordrhein-Westfalen wurden solche Fälle gemeldet, etwa der einer 48 Jahre alten Frau in Wesel, die von einem "Clown" mit einer Kettensäge verängstigt wurde. Einiges Aufsehen erregte auch ein Fall aus Leipzig, wo zwei Männer in Clown-Kostümen eine 37 Jahre alte Frau auf dem Fahrrad erschreckten und sie dann sogar noch einige hundert Meter verfolgt haben sollen.

Häufung vor Halloween

In Schweden wurde kürzlich sogar ein Mann von einem Angreifer mit Clownsmaske niedergestochen. Experten vermuten, dass die "Grusel-Clowns" wegen des bevorstehenden Halloween-Fests nun verstärkt ihr Unwesen treiben. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte dazu: "Es ist zu befürchten, dass aus den Clown-Attacken ein ganz, ganz hässlicher Trend wird, der sich zu Halloween in Großstädten ausbreitet." Die Opfer sollten umgehend die Polizei rufen und jeden Fall anzeigen, sagte Wendt. Ein ähnliches Phänomen hatte es 2014 in Frankreich gegeben, war dann aber wieder verschwunden.

Gefährliches Spiel mit der Angst - für alle Beteiligten

Darauf, dass die Verängstigung von Menschen, erst Recht aber ihre Bedrohung, eine Straftat sein kann, weisen Polizeisprecher und Rechtsexperten immer wieder hin. Dazu kommt, dass sich verängstigte Menschen in Notwehr durchaus verteidigen dürfen, weshalb auch für die Täter ein gewisses Risiko besteht.

Davor warnt auch Sascha Hoffmann von der KULTFAKTOR GmbH aus dem schwäbischen Metzingen, die Halloween-Kostüme und ähnliche Produkte vertreibt. Es sei für die Erschreckten "nicht immer einfach einzuordnen, was sie gerade erleben", und es sei auch schon vorgekommen, dass diese sich "ziemlich konsequent gegen den vermeintlichen Aggressor zur Wehr gesetzt haben".

Man solle sich das genau überlegen, empfiehlt Hoffmann. Aus Spaß könne schnell ein Problem werden, zumal einige Produzenten solcher Streiche keine Grenzen mehr zu kennen scheinen. So sei es bei der Flucht vor ihnen schon häufiger zu Verletzungen gekommen. Auf jeden Fall solle man die erschreckten Menschen aufklären, meint Hoffmann. Und wer Videos von solchen Aktionen später ins Internet stellen wolle, brauche ohnehin ihre Erlaubnis.

Ursprung wohl auf Youtube - mit "Pennywise" und "Joker"

Wann und wo dieser Trend genau einsetzte, lässt sich nicht konrrekt sagen. In vielen Berichten ist jetzt die Rede davon, dass er vor etwa zwei Jahren in den USA begonnen habe. Das hat sicherlich damit zu tun, dass 2014 der Youtube-Kanal "DmPranksProductions" startete - mit einem aufwändig produzierten "Prank-Video", in dem ein Horror-Clown mit einem riesigen Hammer arglose Passanten erschreckt. Das Video wurde ein viraler Hit und löste eine Welle ähnlicher Clips aus, die vor allem in der Zeit um Halloween immer wieder entstehen.

Pjotr Pawlenski
Kein Spaß: Pjotr Pawlenski ließ sich den Mund zunähen. Bildrechte: IMAGO

Dabei taucht das englische Wort Prankster auf. Das Verb "to prank" bedeutet, jemandem einen Streich spielen. Das Hauptwort meint einen Streich, eine Posse, Eulenspiegelei oder Schabernack. Ein Prankster ist also ein Schelm, ein Possenreißer, Narr, Witzbold oder Clown. Pranks reichen von Kinderstreichen über Flashmobs wie dem "Harlem Shake" und Telefonstreichen ("prank calls") bis hin zu auch politischer Kunst.

Auch der russische Künstler Pjotr Pawlenski kann somit als Prankster gesehen werden. Seine Aktionen, etwa der zugenähte Mund, erschrecken die Menschen. Allerdings haben seine künstlerischen Performances im öffentlichen Raum einen anderen, sehr viel ernsthafteren Hintergrund.

Sowohl die Eulenspiegel-Figur als auch das Motiv des bösen Clowns sind dabei weit älter als Youtube. Auch echte Überfälle sind schon früher von Tätern unter Clownsmasken verübt worden, wie viele fragwürdige Scherze; und in zahlreichen Filmen und Büchern steckt hinter der Maske eines fröhlichen Clowns das Böse. Tatsächlich ängstigen gerade Clowns mit starren Masken viele Kinder und auch Erwachsene. Es gibt sogar einen Namen für diese Angst - "Coulrophobie".

Nicht umsonst ist ästhetisches Vorbild der "Creepy Clowns" der Kinder ermordende "Pennywise" aus Stephen Kings Horrorklassiker "Es". Das Buch war in Deutschland 1986 erschienen, 1990 kam es ins Kino. Auch der Gegenspieler von Batman, die Comic-Figur des "Jokers", dürfte hier eine Rolle spielen. Im Film "The Dark Knight" von 2008 wurde sie von Heath Ledger als ein wahnsinniges kriminelles Genie verkörpert, wofür er nach seinem Tod einen Oscar erhielt.

Dazu passt eine nettere Nachricht aus dem englischen Whitehaven. Dort waren die "Cumbria Superheroes" schon öfter zu wohltätigen Zwecken in Superhelden-Kostüme geschlüpft. Jetzt gehen sie in Batman-Verkleidungen auf Streife, um die Leute in den Clownskostümen zu verjagen und Kinder zu beschützen.

"Echte" Clowns genervt - Stephen King wiegelt ab

Für "echte" Clowns ist der Trend ein Problem. Viele Profis sagen derzeit Auftritte aus Unsicherheit ab oder werden weniger gebucht. Auch einer der bekanntesten, Ronald McDonald, muss nun seltener auftreten. Die Fast-Food-Kette McDonalds erklärte, bei den Auftritten ihres Clowns jetzt etwas zurückhaltender zu sein.

Harsche Kritik kommt von den "Clowns in Medizin und Pflege in Deutschland", besonders auch an der medialen Aufmerksamkeit für diese "bedauernswerten Feiglinge". Sie seien keine Clowns, hieß es in einer Erklärung des Dachverbands der gemeinnützigen Vereine. Sie seien "wirre Menschen", die auf "armselige Art" destruktive Züge auslebten, ein "grotesker Abklatsch" menschlicher Freude an der Anarchie.

Klinik-Clowns sind ausgebildete Spaßmacher, die Kinderkliniken, Altenpflegeheime und Behinderteneinrichtungen besuchen, um Patienten, Bewohner und Mitarbeiter aufzuheitern. Ihr Verband hat nun gefordert, diese "geschmacklosen Versuche" Aufmerksamkeit zu erringen, weniger prominent in die Schlagzeilen zu heben. Noch weniger Aussicht auf Erfolg dürfte der Vorschlag haben, die Leute nicht mehr Clowns, sondern "Grinsefratze" zu nennen.

Auch der Erfinder des gruseligen Clowns schlechthin, Stephen King, hat sich in der Debatte zu Wort gemeldet. Er meinte, wir sollten alle nicht hysterisch sein, denn die meisten der Clowns brächten die Menschen doch zum Lachen.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2016, 11:45 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

16 Kommentare

29.10.2016 10:43 Johann 16

Das Leute immer mit Vermummungsverbot kommen. Das gilt nur bei Großveranstaltungen wie z.b. Fussball. Man sollte manchen Leuten lieber den Zugang zu sozialen Medien verbieten. Dieser ganze "Prank"-Mist ist einfach unerträglich

29.10.2016 00:36 Lehmann 15

Ich glaube das die wahren Horrorclowns im Kanzleramt sitzen.

24.10.2016 16:17 Alex 14

Hallo zusammen,

ich habe den eindruck keiner weiss woher dieser Trend kommt. Klar. USA. Aber..es gibt da ein Spiel genannt GTA5 da gibt es den Killer Clown als MOD. Sieht genauso aus wie die verkleideten Leute. kurz gesagt: Da haben wohl manche den CLOWN MOD zu oft gespielt...

VG,

Alex

24.10.2016 14:20 steffen_jg63 13

Ich vermute mal, dass die lieben Clowns nur spielen wollen. Desweiteren vermute ich, dass sie wohl kaum einen Passanten Marke Türsteher "erschrecken" werden, will meinen: es sind Feiglinge, die sich auf Kosten anderer und schwächerer amüsieren.

24.10.2016 09:30 Norbert 12

Was für ein Blödsinn, wenn mich einer aus dem Dunkeln so anspringt kenne ich nur noch Körpersprache, das einzige was diese Deppen verstehen...Da springen welche auf die Strasse; das muss man sich mal vorstellen es verreißt jemand das Lenkrad und fährt Unbeteiligte um...
Und das hat nichts mit Panikmache zu tun sondern ist leider real.

23.10.2016 17:20 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 11

@ 10: Man kann sich nicht aussuchen, wer einem zustimmt, aber wem man zustimmt.

23.10.2016 14:46 Kritischer Bürger 10

@Krause - "ich bin ...-9: Man da kann ich Ihnen ja wirklich mal auch mit meiner Überzeugung folgen!

23.10.2016 14:08 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 9

Man könnte auch sagen, Halloween frißt sich selbst auf: früher hieß es noch 'Süßes oder Saures', heute scheinen die Protagonisten gar kein Interesse mehr an Süßigkeiten zu haben.

Ich habe auch gar nichts gegen Verkleidungen, Gesichtsbemalungen, Perücken, aber durch eine 'feste Gesichtsmaske' ist der Mensch nun mal 'maskiert' (ach, glauben Sie wirklich?), vermummt, nicht mehr erkennbar. Desweiteren läßt sich die Mimik nicht mehr erkennen, die einen großen Bestandteil bei der Beurteilung der Verfassung des Gegenübers hat.

Dabei haben wir schon ein Gesetz zum Vermummungsverbot: dies bei maskentragenden Clowns auf der Straße angewandt, sollte den Horror-Clowns bald den Spaß verderben. Wer zu einer Faschingsfeier will, der kann seine Maske auch bis zur Feier in einer Tasche transportieren. Wer in der Öffentlichkeit eine Maske trägt, tut dies, um seine Identität zu verbergen.

23.10.2016 05:43 Sandra 8

Ich finds sadistisch und skurril dominant! Das ist ein Machtspiel, welches mit einem Scherz als Erklärung abgetan wird!! Es ist ein langsames herabsetzen der Hemmschwelle, da sowas immer mehr ausgenutzt werden kann. Also mich macht das wütend und ich würde mich vor Schreck und Wut hart wehren!

22.10.2016 21:09 HERBERT WALLASCH, Pirna 7

Man braucht nicht alles zu wissen, der normale Menschenverstand genügt. Es sind Egomanen, wollen anders sein, etwas Besonderes, egeal wie oder durch was, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Normen, also Ichmenschen. Ich wüde mir wünschen, jeder von denen kommt in Kürze an den Richtigen, der diese Selbstdarsteller stoppt.