Ein Mann sitzt mit einem Headset vor einem Laptop und spielt den Ego-Shooter 'Counter Strike: Global Offensive'.
Noch immer spielen Jungen deutlich häufiger regelmäßig als Mädchen. Bildrechte: dpa

DAK-Studie Hunderttausende junge Gamer suchtgefährdet

Von rund drei Millionen Jugendlichen, die regelmäßig am Computer, der Konsole oder dem Smartphone zocken, ist laut einer Studie etwa jeder Sechste suchtgefährdet. Forscher verlangen einen besseren Schutz Minderjähriger.

Ein Mann sitzt mit einem Headset vor einem Laptop und spielt den Ego-Shooter 'Counter Strike: Global Offensive'.
Noch immer spielen Jungen deutlich häufiger regelmäßig als Mädchen. Bildrechte: dpa

Rund drei Millionen Jugendliche spielen in Deutschland regelmäßig am Computer, der Spielekonsole, dem Smartphone oder Tablet. Eine Studie im Auftrag der Krankenkasse DAK stuft jeden sechsten Betroffenen als sogenannten Risiko-Gamer ein.

Das Spielverhalten von rund 465.000 Jugendlichen ist demnach riskant oder sogar krankhaft. Sie fehlten häufiger in der Schule, haben mehr emotionale Probleme und geben deutlich mehr Geld für Computerspiele aus.

Oft Ärger in Schule und Ausbildung

Nach Angaben des Studienleiters und Suchtexperten Rainer Thomasius fehlten elf Prozent der Risiko-Gamer eine Woche oder mehr pro Monat in der Schule oder Ausbildung. Das seien etwa drei Mal so viele wie unter unauffälligen Spielern. Auch Sorgen und Ängste seien unter Risiko-Spielern verbreiteter, ebenso wie Konzentrationsprobleme, motorische Unruhe oder aggressives Verhalten.

Vor allem Jungen gefährdet

Die Untersuchung bestätigt auch Geschlechterunterschiede. Noch immer spielen Jungen (rund 90 Prozent) deutlich häufiger regelmäßig als Mädchen (rund 50 Prozent). Etwa drei Prozent der Gamer erfüllen die Kriterien einer Computerspielsucht – mit Entzugserscheinungen, Kontrollverlusten oder Gefährdungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Spielsucht 2018 als Erkrankung eingestuft.

Ausgaben von mehr als 100 Euro im Monat

Neben der Suchtgefahr wurden auch die Ausgaben für Computerspiele untersucht. Einzelne Spieler gaben binnen sechs Monaten bis zu 1.000 Euro aus. Jeder zweite regelmäßige Gamer kaufte Spiele oder Extras für im Schnitt knapp 20 Euro im Monat. Besonders viel Geld fließe in die beliebten Spiele "Fortnite" und "Fifa".

Durch die Tricks der Industrie finden viele Jugendliche kein Ende und verzocken Zeit und Geld.

DAK-Gesundheit-Chef Andreas Storm

Die Studienautoren werfen der Spieleindustrie vor, die Jugendlichen clever an ihre Spiele zu fesseln und für vermeintlich kostenlose Angebote viel Taschengeld zu kassieren. DAK-Vorstandschef Andreas Storm forderte ein Verbot bestimmter  Spielelemente, die man für lange Spielzeiten oder gegen Bezahlung bekommt. Auch Warnhinweise seien sinnvoll.

Abschalten und Freunde treffen

Kinder und Jugendliche wurden auch gefragt, warum sie so viel zockten. Fast alle nannten "Spaß" als Hauptgrund. Drei Viertel gaben an, dabei "gut abschalten" zu können, jeder Zweite spielt mit Freunden.

Die Studie Das Forsa-Institut befragte im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen für die repräsentative Studie 1.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 13:18 Uhr

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9 Kommentare

07.03.2019 12:16 Gaihadres 9

Es ist eine Sucht - wie auch bei Alkohol oder Cannabis macht die Menge stets das Gift. Und es hat in der Regel Gründe - häufig ist es eine Realitätsflucht, weil man mit den Problemen des Alltags nicht klar kommt. Die Erfolge fehlen. Zum Dank werden die jungen Leute hier auch von einigen noch in den Schmutz geworfen. Super Einstellung, Freunde! @Nr.8: Eine sinnvolle Tätigkeit darf man aber auch nicht erzwingen. Das muss aus einem selbst heraus erwachsen. Und wie viel Zwang damals dabei war wissen wir alle. Das Problem ist auch keines des Kapitalismus, sondern der Menschen. Glücksspiel und Realitätsflucht gab es auch in früheren Zeiten. Ich finde auch, dass es sich nicht vergleichen lässt - zum Teil hat sich die Welt sehr verändert und in jedem Fall ist sie ungleich komplexer als früher. Es fehlt auch an Verständnis durch die ältere Generation, wie man sieht.

05.03.2019 19:58 Mann Fred 8

Wir haben damals Altstoffe gesammelt, haben mit der FDJ sinnvolle Arbeiten verrichtet. Gutes Kollektivgefühl! Mit der Hausgemeinschaft dafür gesorgt, dass es ringsum gut aussah. Wir haben älteren Menschen geholfen.

Dafür, dass einige Millionen "verdienen", spielen diese Verirrten. Wie abartig ist der Kapitalismus. Mein Stabü-Lehrer hatte nicht recht. Es stellte sich heraus, dass diese "Gesellschaft" noch viel widerwärtiger ist. Er meinte, der Kapitalismus sei nur widerwärtig.

Völlige Abstumpfung in vielen sozialen Bereichen. Vereinsamung und Spielen mit "virtuellen Gegnern", toll.

Eine ungediente Jugend.

05.03.2019 18:47 Vater eines Betroffenen 7

Kann dem Beitrag nur voll zustimmen. Hier muss der Gesetzgeber eingreifen, denn viele können sich nicht aus der Spiral befreien. Gerade bei jungen Leuten am Übergang von der Schule zum Beruf und zur Selbstständigkeit bleibt vieles auf der Strecke. Isolation, Depression, fehlende Tagesstruktur verhindern jegliche Entwicklung. Die Familien haben darunter zu leiden. PS: Einige Kommentare unten empfinde ich als absolut dämlich (Entschuldigung MDR, aber es ist so!)

05.03.2019 16:44 optinator 6

@ Andreas

Leider endet manch eine Sucht dann in solchen Zuständen.
Das schlimme nur ist, das an diesem Menschen andere Geld verdient haben und selber keine Sorgen haben.

Wenn er 21 Jahre jung ist, geht das schon länger so. Ich frage mich ob seine Eltern das nicht gemerkt haben und wenn ja, warum haben sie sich nicht um ihren Sohn gekümmert bzw. zur Suchberatung gebracht haben?

21 Jahre ist noch Jung, er kann mit der richtigen Therapie alle dieses überwinden und sein Leben topp meistern.

05.03.2019 15:23 Andreas 5

Nr.1 und 2 verstehe ich nicht. Mein Nachbar 21 Jahre hat Frau und 2 Kinder. Spielt seit Jahren Tag und Nacht so ein Endlosspiel. Hat jetzt Pause. Strom abgeschaltet. Kinder im Heim wegen Verwarlosung. Wohnung gekündigt wegen Mietrückstände. Hat sein ganzes Geld für ein sogenanntes kostenloses Spiel ausgegeben. So ist dann wohl das Ende.

05.03.2019 14:53 Fragender Rentner 4

Was die so alles feststellen, wer so alles gefährdet ist. :-(

Da könnte man doch bestimmt ein paar Sozialarbeiter ausbilden die ihnen helfen können, schließlich gibt es jetzt schon für so vieles diese Leute und wie sie auch nützen.

Wir waren früher auch von der frischen Luft und dem Spielen im Freien gefährdet. :-)

05.03.2019 14:00 Ureinwohner 3

Hunderttausende junge Gamer suchtgefährdet. Quatsch das sind doch nur E-Sportler. Oder ?

05.03.2019 13:44 Bruno 2

ich denk die sind stets bei der Demo ........
aber alles andere wunderbar genießen was für eine große Propaganda / Heuchelei !

05.03.2019 13:34 Brennabor 1

Warum werden diese Sucht-Spiele zugelassen.
Psychologe Manfred Spitzer nennt die Folgen
dieser Spielsucht. Aber wer hört darauf ?
Ein Beispiel: Zugunglück Bad Aibling ( 12 Tote ).