Helfer untersuchen am Strand einen toten Delfin.
An den Stränden der Ägäis wurden in den vergangenen Wochen viele tote Delfine angeschwemmt. Bildrechte: -/Meeres-Institut Archipelagos/dpa

Ursache Marinemanöver? Rätsel um Delfinsterben in der Ägäis

An den Stränden der Nordägäis sind in den vergangenen Wochen ungewöhnlich viele tote Delfine angeschwemmt worden. In Griechenland suchen Experten nach den Ursachen - und diskutieren auch einen möglichen Zusammenhang mit einem türkischen Marinemanöver.

Helfer untersuchen am Strand einen toten Delfin.
An den Stränden der Ägäis wurden in den vergangenen Wochen viele tote Delfine angeschwemmt. Bildrechte: -/Meeres-Institut Archipelagos/dpa

Nach einem großen Manöver der türkischen Marine sind an Stränden der Nordägäis ungewöhnlich viele tote Delfine angeschwemmt worden. Seit Ende der militärischen Übung sind 15 Fälle dokumentiert. Experten gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Fachleute untersuchen jetzt, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Manöver und den verendeten Tieren gibt.

Die Marineübung liegt rund sechs Wochen zurück. 100 Kriegsschiffe beteiligten sich an der zehntägigen Operation, eine der größten in der Geschichte der Türkei. Umweltschützer schlugen Alarm. Die griechische Presse machte den Schuldigen schnell aus: Es liege am Sonar, das bei der Übung der türkischen Marine eingesetzt worden sei und die Tiere getötet habe.

Keine Beweise für Zusammenhang

Die Veterinärin Natascha Komninou, Professorin an der Universität Thessaloniki und Mitglied der auf Wale und Delfine spezialisierten Umweltorganisation Arion, sagt jedoch: "Dafür gibt es noch überhaupt keine Beweise." Die Behauptung sei aufgestellt worden, obwohl noch gar keine umfassenden Obduktionen vorlägen. "Solange das nicht der Fall ist, können wir auch nicht über die Ursachen befinden."

Grundsätzlich ist bekannt, dass starkes militärisches Sonar Meeressäuger schädigen kann - in schlimmsten Fällen führt lauter Schall zu Gewebeschädigungen in Kopf und Lungen der Tiere.

Der Kieler Meeresbiologe Boris Culik sieht auch indirekte Schädigungen: "Die Marine nutzt sehr starke Schallwellen, um auch in trübem Wasser und weiter Entfernung ein akustisches Bild von der Umgebung zu erhalten. Bei Delfinen können diese Schallwellen zu kurzfristiger Taubheit oder sogar zu dauerhaften Gehörschäden führen." Weil die Tiere selbst Echo-Ortung zum Jagen einsetzen und für die schwachen Echos ihrer Beute auf ein sehr empfindliches Gehör angewiesen sind, bedeutet das, dass sie verhungern müssen.

Helfer untersuchen am Strand einen toten Delfin.
Experten untersuchen einen toten Delfin. Bildrechte: -/Meeres-Institut Archipelagos/dpa

War es ein Virus?

Einer der 15 bisher dokumentierten verendeten Delfine in der nördlichen Ägäis wurde am 4. April an der Küste der Insel Skopelos entdeckt. Strandbesucher versuchten vergebens, das Tier zurück ins tiefere Wasser zu lotsen. "Der Delfin war krank und elend, er wollte gar nicht zurück ins Meer, sondern sich im flachen Wasser ausruhen", sagt Dimitris Papaioannou, Tierarzt auf Skopelos.

Verhungert oder abgemagert war der betreffende Delfin nicht. Bei einer ersten Untersuchung des Kadavers konnte Papaioannou lediglich eine Lungenentzündung feststellen. "Sonar war das ganz sicher nicht", sagt er. Der Veterinär vermutet, dass ein Virus die Ursache der Todesfälle ist.

Fakt ist, dass die Zahl der toten Delfine ungewöhnlich hoch ist. Anastasia Miliou vom Meeresinstituts Archipelagos auf Samos sagt, im vergangenen Jahr habe man im selben Zeitraum lediglich zwei tote Delfine verzeichnet. "Auch wir sehen keine Anzeichen dafür, dass die Tiere am Sonar gestorben sind, aber der zeitliche und örtliche Zusammenhang mit dem Marinemanöver lässt sich nicht von der Hand weisen", argumentiert sie. Es gelte nun herauszufinden, ob die Manöver womöglich andere Schäden hervorgerufen hätten, sagt die Hydrobiologin.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2019 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2019, 16:04 Uhr

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4 Kommentare

14.04.2019 20:43 Sabine Sonntag 4

Wenn es schon wüste Spekulationen gibt, würde ich die Schuld den illegalen Schlepperbooten geben.

14.04.2019 20:12 Norbert NRW 3

Low Frequenz Attitude heisst dieser Typ Sonar, wenn das losballert fliegt jedem Säugetier unter Wasser die Lunge um die Ohren, das wird immer schön kusch gehalten. Selbst Industrietaucher haben deshalb schon irreparable Schäden davon getragen.

14.04.2019 18:24 Andrea 2

@ 1 Fragender Rentner

klar muss man auch dass hier von Ihnen:

"Bei dem Verkehr im Mittelmeer gibt es bestimmt noch viele andere Ursachen, z.B. wie Verschmutzung durch die Menschen !!!"

mit in Betracht ziehen. Aber soweit draußen wie diese Militärschiffe sind, kommt solche Verschmutzung nur durch Schleppnetze hin. Aber: dann hätten die Delfine äußere Verletzungen durch sowas aufweisen muessen. Und dass ist ja laut allen Aussagen nicht der Fall.

Von daher muessen wir jetzt mal den Befund abwarten ob sich ein Virus oder sowas bestätigen lässt. Aber auch solche möglichen Sonarschäden muessen untersucht werden. Denn nicht nur die tuerkische Marine macht solche Manöver, sondern auch die werte NATO. Auch die NATO setzt solche ueberstarken Militärsonare ein.

14.04.2019 16:35 Fragender Rentner 1

Na ob man wirklich nur den Türken das in die Schuhe schieben will oder sind da noch einige andere daran mit schuld?

Bei dem Verkehr im Mittelmeer gibt es bestimmt noch viele andere Ursachen, z.B. wie Verschmutzung durch die Menschen !!!