Zwei Frauen, die Nachrichten mit ihrem Smartphone senden.
Täglich online und nicht immer Spaß dabei - die "Digital Natives" sehen das Internet zunehmend skeptisch Bildrechte: imago/Westend61

Studie Jugend sieht das Internet zunehmend skeptisch

Junge Menschen sind wie selbstverständlich fast immer und überall online. Eine Studie zeigt jedoch, ausgerechnet die "Generation Internet" steht der digitalen Welt immer kritischer gegenüber. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sieht darin einen Mangel an Medienkompetenz und will mit einem neuen Gesetz gegensteuern.

von Torben Lehning, MDR AKTUELL

Zwei Frauen, die Nachrichten mit ihrem Smartphone senden.
Täglich online und nicht immer Spaß dabei - die "Digital Natives" sehen das Internet zunehmend skeptisch Bildrechte: imago/Westend61

Online – der Normalzustand

Smartphones sind aus dem Leben junger Menschen zwischen 14 und 24 Jahren nicht mehr wegzudenken. Sie brauchen es, um Privat- und Berufsleben zu organisieren. Wie eine am Montag in Berlin vorgestellte Studie des Instituts für Vertrauen und Sicherheit (DIVSI) zeigt, ist die Nutzung des Internets bei jungen Menschen innerhalb der vergangenen vier Jahre rasant angestiegen. Nutzten 2014 noch 71 Prozent der Jugendlichen täglich das Internet, sind es heute nahezu 100 Prozent. Das Internet ist für die Jugendlichen in erster Linie eines: praktisch.  Zwei Drittel von ihnen geben sogar an, das Internet mache sie glücklich. Was sollte man auch anderes erwarten, von einer Generation, die eine Welt ohne Internet gar nicht mehr kennt?

Der Hype ist vorbei

Doch es sind nicht diese Ergebnisse, die am Montag auf der gemeinsamen Pressekonferenz der DIVSI und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey überraschten. Denn die euphorische Zeit der unbedarften Nutzung von Netzangeboten scheint vorbei. So gaben 41 Prozent der befragten Jugendlichen an, es mache ihnen Angst, dass in Zukunft vieles nur noch mit dem Internet erledigt werden könne. Das sind doppelt so viele wie noch vor vier Jahren. Fast jeder dritte junge Mensch befürchtet "internetsüchtig" zu sein.

Das Netz – kein sicherer Rückzugsort

Die Ängste der Jugendlichen schlagen sich auch in ihrem digitalen Nutzungsverhalten nieder. Wer surft, nutzt immer seltener soziale Netzwerke wie Facebook und Co. Eigene Ansichten, Videos und Bilder mit einer unbekannten Öffentlichkeit zu teilen wird zunehmend unbeliebter. Zwei Drittel der jugendlichen befürchten beleidigt zu werden. So führt Cybermobbing zu einem Ausstieg aus dem digitalen Diskurs. Für Joanna Schmölz, stellvertretende DIVSI-Direktorin, sind diese Entwicklungen ein Warnsignal.

Wir müssen uns schon fragen, was es über den Zustand unserer demokratischen Gesellschaft aussagt, wenn junge Menschen ausgerechnet in dem für sie wichtigsten Raum des Austausches aus Angst vor Beleidigungen und 'Shitstorms' aufhören, ihre Meinung zu äußern.

Joanna Schmölz, stellvertretende DIVSI-Direktorin

Experten am Küchentisch und im Klassenzimmer

Wer im digitalen Zeitalter aufgewachsen, also ein "Digital Native" ist, dem sagt man eine große Medienkompetenz nach. Junge Menschen erklären ihren Lehrern, wie man den Beamer bedient und den eigenen Eltern, wie man eine PDF-Datei per Email versendet. Doch zu Medienkompetenz gehört mehr als das - und kompetente Vorbilder sind selten. So kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich ein Großteil der Befragten digitale Kenntnisse entweder selbst beibringt oder gleichaltrige Freunde zurate zieht. Gleichzeitig gibt lediglich etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen an, gut über den Schutz der eigenen Daten Bescheid zu wissen.

Neues Jugendmedienschutzgesetz soll helfen

Jugendmedienschutzgesetz – ein sperriges Wort, doch geht es nach Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, soll eine Änderung eben dieses Gesetzes Abhilfe schaffen und Jugendlichen das Vertrauen in ihre digitale Zukunft zurückbringen. Der zurzeit bestehende gesetzliche Rahmen stamme noch aus einer Zeit, in der man über die Regulierung von elektronischen Spielzeugen und Kassetten nachdachte, erklärt Giffey. Die Neuauflage des Jugendmedienschutzgesetzes soll Teilhabe, Befähigung und Schutz der jungen Menschen im Netz garantieren.

Anbieter müssen ausreichende Sicherungs- und Meldesysteme bereitstellen und Eltern benötigen mehr Transparenz darüber, welche Angebote und Apps für ihre Kinder geeignet sind und welche nicht. Auch gegen Betreiber im Ausland müssen diese Anforderungen künftig durchgesetzt und Verstöße eventuell sanktioniert werden.

Franziska Giffey, Bundesfamilienministerin

Strategiewechsel willkommen

Jugendliche fühlen sich in ihrem digitalen Zuhause zunehmend unwohl. Die DISVI-Studie verdeutlicht hier den politischen Handlungsbedarf. Für Franziska Giffey kommt die Studie zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Digitalpakt der Bundesregierung, welcher sämtliche Schulen Deutschlands mit Internet versorgen soll, lahmt durch die Blockaden der Bundesländer. Ein neues Jugendmedienschutzgesetz kann zwar etwas an der Nutzbarkeiten von Inhalten im Netz ändern, jedoch vermag es nicht Lehrern und Eltern mehr Medienkompetenz zu vermitteln. Eine Kompetenz die dringend gebraucht würde, die Generation Internet wünscht es sich zumindest.

Anmerkung: Für die Studie wurden 1.730 jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren befragt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2018, 15:57 Uhr