Hände halten mehrere Ampullen mit der Aufschrift Grindeks.
Ampullen mit dem auf der Dopingliste stehenden Mittel Mildronat. Bildrechte: IMAGO

Olympische Winterspiele Anti-Doping-Kontrollen der WADA sind manipulierbar

Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele deckt eine ARD-Doku Lücken im Kontrollsystem der weltweit tätigen Anti-Doping-Agentur WADA auf. Offenbar können Gefäße mit Proben nach der Abgabe geöffnet und wieder geschlossen werden, ohne dass dabei Spuren hinterlassen werden. So könnten beispielsweise Urinproben nachträglich ausgetauscht werden.

Hände halten mehrere Ampullen mit der Aufschrift Grindeks.
Ampullen mit dem auf der Dopingliste stehenden Mittel Mildronat. Bildrechte: IMAGO

Das Kontrollsystem der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ist nicht sicher. Wie eine ARD-Doku aufdeckt, können Behälter mit Doping-Proben von unberechtigten Personen geöffnet und wieder verschlossen werden, ohne dass sie dabei Spuren hinterlassen. Ein Betrug, etwa durch den Austausch von Urinproben, ist dadurch möglich.

Die Dopingexperten der ARD hatten die bisher als absolut sicher geltenden Dopingkontrollgefäße eingehend untersucht. Dabei gelang es, die Behälter noch nach dem Kühlen von Hand zu öffnen und wieder zu verschließen.

 "Wir hätten zwischendurch sauberen Urin reinmachen können und keiner hätte es gemerkt", sagte ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt in der Tagesschau. "Damit ist das gesamte Doping-Kontrollsystem juristisch anfechtbar."

WADA sucht nach Problemlösung

Unmittelbar vor Beginn der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang ist diese Erkenntnis äußerst brisant. Denn auf dieselbe Art hatte Russland 2014 massenhaft Dopingproben ausgetauscht. Die WADA bestätigte das Problem mit den Behältern bereits. Weitere Angaben wurden nicht gemacht.

Die Behälter für die Proben waren nach dem Doping-Skandal in Russland neu gestaltet worden, damit ein solcher Missbrauch nicht mehr stattfinden kann. Doch auch die neuen Flaschen können manuell geöffnet werden, informierte das Kölner Analyselabor bereits am 19. Januar war die WADA.

Die WADA erkennt, dass diese Situation, wenn sie bestätigt wird, Bedenken und Fragen aufwerfen wird.

WADA-Mitteilung

Den Athleten und anderen Interessengruppen werde versichert, dass die WADA entschlossen sei, sich mit dem Schweizer Hersteller Berlinger mit dem Problem zu befassen, bis die Angelegenheit geklärt sei.

Bei einer Doping-Kontrolle werden zwei Flaschen für eine A- und B-Probe genutzt. Die B-Probe wird eingefroren und nur genutzt, wenn ein Athlet die Analyse der A-Probe anzweifelt.

Russischer Whistleblower belastet Putin schwer

Die Dopingredaktion der ARD hat zudem erstmals direkt mit dem russischen Whistleblower Grigori Rodtschenkow gesprochen. Der in die USA geflüchtete russische Staatsbürger erhob in einem Telefoninterview schwere Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Putin habe vom systematischen Doping rund um die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi gewusst, so Rodtschenkow. Es habe eine direkte Informationskette gegeben, an deren Ende der damalige Sportminister Mutko dem Präsidenten Bericht erstattet habe. Putin habe höchstpersönlich angeordnet, das Staatsdoping mithilfe des russischen Geheimdienstes zu vertuschen.

Schon seit 2008 russisches Staatsdoping

Rodtschenkow erklärte zudem, dass die Russen bereits bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking und 2012 in London ein staatlich organisiertes Doping-System gehabt hätten. Für die Winterspiele 2014 in Sotschi sei es dann perfektioniert worden.

Rodtschenkow hatte damals das Moskauer Anti-Doping-Labor geleitet, das zahlreiche Proben gefälscht haben soll. Nach Bekanntwerden des Dopingskandals setzte sich Rodtschenkow 2016 in die USA ab. Dort gewährt ihm ein Zeugenschutzprogramm Sicherheit.

Russland bei Olympia und Paralympics gesperrt

Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi waren Doping-Proben russischer Athleten mit Hilfe des Inlandsgeheimdienstes FSB geöffnet und der Inhalt gegen sauberen Urin ausgetauscht worden. Als Konsequenz aus den Doping-Manipulationen ist das russische Nationale Olympische Komitee von den Pyeongchang-Spielen suspendiert worden. Das Internationale Olympische Komitee gewährt jedoch 169 individuell geprüften russischen Athleten das Startrecht unter neutraler Flagge und als "Olympische Athleten aus Russland".

Am Montag teilte das Internationale Paralympische Komitee zudem mit, dass auch bei den Paralympics die russische Mannschaft nicht antreten dürfe. Auch hier dürfen einzelne Sportler unter neutraler Flagge antreten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 29. Januar 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2018, 08:00 Uhr

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19 Kommentare

31.01.2018 11:56 Werner 19

@22:07 Manni 17: Daran wird seit Jahren gearbeitet. Es wäre das erste Mal, wenn es keine neuen "Ideen" gibt. In Vancouver hatte sich vor paar Tagen eine Art Familienbetrieb aus GB, Kanada.. USA getroffen. Sie hatten sich auf einer PK besorgt gezeigt, dass sich die Südkoreaner und Nordkoreaner eventuell zeitnah keine Sorgen mehr untereinander machen müssen. Da könnte man sich wiederum Sorgen darüber machen. So gehört jeder auf seine Art zu den Besorgten.

@Joachim Dierks: Wenn die Argumente ausgehen oder man sich ertappt sieht, kommt die "Verschwörungstheorie". Kann man richtig darauf warten. Der letzte Kommentar von mir ist im Papierkorb gelandet. Zurecht. Etwas zu frechdreist mit Unterstellung. Aber das machen bestimmte "Kommentatoren" eigentlich auch immer, ohne dass sie dabei mutmasslich ein schlechtes Gewissen plagt.

31.01.2018 10:33 Ureinwohner 18

Wir hätten zwischendurch sauberen Urin reinmachen können und keiner hätte es gemerkt", sagte ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt in der Tagesschau. "Damit ist das gesamte Doping-Kontrollsystem juristisch anfechtbar." Wir hätten auch sauberen Urin mit Dopingmittel verunreinigen können wäre der logische Schluss .Der Seppelt ist für mich ein Unsympath,den ich nicht ansehen möchte einschließlich seiner "Doku".

30.01.2018 22:07 Manni 17

Das war vorauszusehen, mit allen Mitteln versucht der Westen( EU-Nato) und die USA Russland zu Liquidieren. Man kann es immer noch nicht begreifen ,das ,das ehemalige Russland den Faschismus in Mitteleuropa besiegt hatte, Die vielen Weltkriegsopfer zählen nicht mehr und es wird kaum darüber berichtet. Was wird der Westen erfinden ,damit keine Fußball-WM in diesem Land stattfindet ???

30.01.2018 20:13 Joachim Dierks 16

@Alf: Ja, es ist fixiert auf Russland. Aber es gab auch schon große Enthüllungen über Doping im Ausdauersport in Kenia. Es wird sicher in den nächsten Jahren noch mehr ans Licht kommen. Staatlich perfektioniert hat es aber nur Russland mit Anordnung und Koordination von ganz oben!
@14: Es ist in der Tat befremdlich, dass einzelne Spirtverbände und das IOC bei Dopingvergehen ganz andere Maßstäbe anlegen. Und ja, das IOC konterkariert die olympische Idee von Pierre de Coubertin immer mehr, Olympische Spiele haben an Wert verloren, seit sie vor allem an Länder vergeben werden, die dem IOC möglichst freie Hand bei seiner Profitgier lassen.

30.01.2018 17:51 Alf 15

@ 13: Howgh - Herr Rodschenkow hat also gesprochen und das ist die einzig wahre Darstellung ? Warum hat das noch kein weiterer Insider bestätigt? Alle tot? Wie einfach das doch ist.
Ich will wahrlich nichts beschönigen oder bestreiten, aber das Ganze ist so was von fixiert auf RU, dass es schon wieder unglaubhaft wirkt.

30.01.2018 16:41 beton 14

@13, Sie sind ein ganz Schlauer. Erklären Sie bitte einmal, warum verschiedene Sportverbände angeblich gedopte Sportler bei WC Veranstaltungen starten lassen, obwohl diese durch das IOC gesperrt wurden. Ist vielleicht so, daß die älteren Herren im IOC um ihre Posten fürchten? Die olympischen Spiele sind nicht mehr zeitgemäß. Es reichen die bekannten Wettkämpfe der jeweiligen Verbände und die müssen entscheiden, welcher Sportler startberechtigt ist, denn was z.Zt. passiert ist einfach lächerlich und schürt Mißtrauen.

30.01.2018 13:54 Joachim Dierks 13

@11 und 12: Wer wissen will, wie das in die Welt setzen von Verschwörungstheorien funktioniert, der lese Ihre Beiträge.
@2,5 und 8: Man lese oder höre das Interview mit Herrn Rodschenkow im Deutschlandfunk mal genau. Der Mann hat das ganze Doping-System mitgestaltet und verantwortet, seine Freunde bzw. Nachfolger sind verstorben (unter nicht ganz klaren Umständen). Er erläutert auch, dass Putins Gernegroß-Mentalität durch die Erfolge in Sotschi 2014 nochmal angestachelt wurde und erst danach die Eskalation in der Ukraine erfolgte!
Ganz klar, es gibt auch in anderen Ländern massive Dopingverstöße, das Sprintersystem der USA und sicher auch in Jamaika ist massiv verseucht, aber nirgendwo steckt diese staatlich von oben gelenkte Akribie dahinter wie in Russland.

30.01.2018 12:34 Werner 12

Pünktlich und wie auf Kommando. Nochmal so eine "konzentrierte Aktion", wie zu den letzten Winterspielen, und es könnte noch problematischer werden. Damals gab es gleichzeitig "wichtige Ereignisse" mit bereits laufenden Sanktionen, einem "Telefonat" ("unser Mann") und einem "Vertrag", der eigentlich nur Show war. Paar Tage später ging eine strategisch wichtige Halbinsel einer "Navy" verlustig, die schon Ausschreibungen für Bauvorhaben am Laufen hatte (selbst gelesen). Die Verträge für den Verkauf von Land und Immobilien waren angeblich auch schon so gut wie in Sack und Tüten. Ärgerlich, deshalb noch viel viel mehr Sanktionen. Nach dem Besuch wichtiger Männer und Frauen in der EU-Zentrale alles "ganz freiwillig". Im folgenden Herbst wurde ein "Unwort" bestimmt. Als "Stichtage" für genaues Hinterfragen - mit "Tiefenbohrungen".

30.01.2018 11:29 niklas 11

Wie in vielen Medien zu lesen war, wurde
Hajo Seppelt vor einigen Jahren von einer
russischen Prostituierten von der Bett-
kante geschuppt, daher sein Haß auf
Russland. Stimmt das, MDR?

30.01.2018 11:14 Fragender Rentner 10

Na da kann ja in jede Richtung manipuliert werden !!! :-)