In der Druckerei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) überprüft Mitarbeiterin Ursula Braun eine punzierte Zinkplatte als Druckvorlage.
Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde will zum "Zentrum für barrierefreies Lesen" werden. Bildrechte: dpa

Barrierefreies Lesen Mehr Literatur für blinde Menschen zugänglich

Allein für Blinde sind derzeit 95 Prozent der auf dem Markt angebotenen Literatur nicht zugänglich. Anfang des Jahres ist in Deutschland nun eine Urheberrechtsänderung in Kraft getreten, die diese Situation deutlich verbessern soll. Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde will das nutzen, um zum "Zentrum für barrierefreies Lesen" werden.

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

In der Druckerei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) überprüft Mitarbeiterin Ursula Braun eine punzierte Zinkplatte als Druckvorlage.
Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde will zum "Zentrum für barrierefreies Lesen" werden. Bildrechte: dpa

Eine größere Auswahl an Büchern für einen größeren Nutzerkreis – die Zukunft der Deutschen Zentralbücherei für Blinde liegt in der Digitalisierung. Und die kann man jetzt schon hören: zum Beispiel in der DZB-App, wenn eine Computerstimme Buchtitel, Autor und den aktuellen Ausleihstatus vorliest.

Barrierefreier Zugang durch E-Books

Einrichtungen wie die DZB dürfen jetzt E-Books und Hörbücher online stellen und international untereinander austauschen. Das ermöglicht auch den Austausch und die Weiterentwicklung von Technologien für andere Lesergruppen – wie Menschen, die unter einer Lesebehinderung leiden oder mobilitätseingeschränkt sind, wie DZB-Direktor Thomas Kahlisch erklärt.

Das Angebot richte sich beispielsweise an Menschen, die sich nicht bewegen oder nur über ein Sprachassistenzsystem Kommandos geben können. Kahlisch verweist auch auf Legastheniker: "Die können bei uns E-Books bekommen, die sowohl den Text auf dem Bildschirm anzeigen als auch das gesprochene Wort gleichzeitig lesen. Damit kann man das Hören und Sehen synchronisieren. Das hilft gerade Legasthenikern sehr."

Auch mehr Literatur für ältere Menschen

Die DZB will zukünftig als "Zentrum für barrierefreies Lesen" eine Anlaufstelle für all diese Menschen sein. So sollen in den nächsten Jahren Sprachassistenzsysteme ausgebaut werden. Schon Ende des Jahres will die DZB in Kooperation mit einer Schweizer Bibliothek ein Internet-Angebot starten, das sich vor allem an junge Leser mit Legasthenie richtet. 

Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Thomas Kahlisch ist Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) Bildrechte: MDR/Barrierefreiheit

Eine weitere große Nutzergruppe des Zentrums seien ältere Menschen, die an Seherkrankungen leiden, erklärt Kahlisch. Auf diese gehe man schon jetzt zu. Mittels großer Schrift soll auch für Senioren Literatur zugänglich gemacht werden. Außerdem schult die DZB Bibliothekare, damit sie sich mit dem Thema Barrierefreiheit auskennen und ältere Menschen von diesem Wissen in den Bibliotheken profitieren können.

Gelder für nächste Jahre gesichert

Zudem will die DZB enger mit den Verlagen zusammenarbeiten, sodass diese ihre Veröffentlichungen, vor allem im E-Book-Bereich, irgendwann selbst barrierefrei anbieten können. Und all das brauche natürlich Zeit – und Geld, erklärt Kahlisch.

Das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat daher die finanziellen Zuschüsse und Investitionen auf jeweils rund 4,5 Millionen Euro in den nächsten beiden Jahren aufgestockt. Ministerin Eva Maria Stange versichert, dass die Grundfinanzierung der DZB gesichert sei.

Fördergelder vom Bund wichtig

Das Problem sei aber, dass der Freistaat die Finanzierung nicht alleine leisten könne, erklärt Ministerin Stange. Daher sei eine Beteiligung des Bundes wichtig. Vor allem, wenn die DZB ihre Produktpalette ausweiten wolle. "Dann bedeutet das, dass die Einrichtung weiter ausgebaut werden muss, um diese Produkte herzustellen und Know-how zu entwickeln."

Ob und in welcher Art sich der Bund beteiligt, soll in internen Gesprächen geklärt werden. Der erste Schritt zum Zentrum für barrierefreies Lesen: die offizielle Namensänderung der Einrichtung. Und die ist für den Herbst geplant.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Februar 2019 | 09:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 05:00 Uhr

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