Die Rapper Kollegah und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
Die Echo-Verleihung wurde in diesem Jahr von einer Debatte um Künstlerfreiheit und Antisemitismus überschattet. Bildrechte: dpa

Berlin Antisemitismus-Debatte überschattet Echo-Musikpreisgala

In Berlin sind am Donnerstagabend die Echo-Musikpreise verliehen worden. Unter den Gewinnern waren auch die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang. Ihre Texte wurden bereits im Vorfeld als antisemitisch kritisiert und ihre Nominierung heftig diskutiert. Der Sänger der Toten Hosen, Campino, las den beiden Musikern vor der versammelten Musikbranche die Leviten. In Abwesenheit holte Weltstar Ed Sheeran derweil die wichtigsten Echos für den Hit des Jahres und das Album des Jahres.

Die Rapper Kollegah und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
Die Echo-Verleihung wurde in diesem Jahr von einer Debatte um Künstlerfreiheit und Antisemitismus überschattet. Bildrechte: dpa

In Berlin sind am Donnerstagabend die Echo-Musikpreise verliehen worden. Überschattet wurde die Veranstaltung durch eine erneute öffentliche Antisemitismus-Debatte um einen Song der Rapper Farid Bang und Kollegah.

Im Vorfeld der Echo-Verleihung hatten die Nominierungen für das Duo bereits Proteste ausgelöst. Ihnen wird Antisemitismus vorgeworfen. In einer Liedzeile ihres besonders umstrittenen Lieds "0815" heißt es etwa, "mein Körper (ist) definierter als von Auschwitzinsassen". Kollegah hatte die Vorwürfe als Kampagne zurückgewiesen und jüdischen Hörern freien Eintritt zu seinen Konzerten auf Lebenszeit versprochen.

Campino kritisiert Farid Bang und Kollegah

Die Toten Hosen am 12.05.2015 in Dresden
Campino, Sänger der "Toten Hosen". Bildrechte: MDR JUMP / Hagen Wolf

Am Abend der Verleihung griff "Tote-Hosen"-Sänger Campino die beiden in seiner eigenen Dankesrede für die Auszeichnung seiner Band für den Preis in der Kategorie "Rock national" scharf an. Campino sagte, "Im Prinzip halte ich Provokation für gut und richtig".

Für ihn sei aber die Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe Texte oder die Diskriminierung von Religionen gehe, sagte der Punkrocker unter Applaus und stehenden Ovationen des Publikums. Er hoffe, dass die Diskussion über Kollegah und Farid Bang wieder zu einem anderen Bewusstsein führe, "was als Provokation noch erträglich ist und was nicht".

Kollegah: Campino spielt sich als moralische Instanz auf

Trotz der Diskussion über ihre Texte gewannen die beiden Rapper den Preis in der Kategorie "Hip-Hop/Urban National". Kollegah warf Campino während seiner Dankesrede vor, sich "als moralische Instanz" aufgespielt zu haben. Dies gebühre eigentlich "einem so großen Musiker wie Campino nicht". Seine Kritik sei "stillos" gewesen. Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum zeigt Kollegah eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle.

Der Bundesverband Musikindustrie als Ausrichter des Echo hatte noch kurz vor der Gala die Entscheidung, die Rapper nicht auszuschließen, als eine "Entscheidung im Sinne der Kunstfreiheit" gerechtfertigt.

Knobloch entsetzt über Echo für Rapper

Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich entsetzt über den Echo für die Rapper. Es sei "ein verheerendes Zeichen", den wichtigsten deutschen Musikpreis an "vermeintliche Künstler" zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei, erklärte Knobloch.

Großer Gewinner des Abends war abwesend

Ed Sheeran, 2017
Der britische Sänger Ed Sheeran. Bildrechte: dpa

Der große Gewinner des Abends war der Brite Ed Sheeran. Er räumte bei der Musikpreisgala gleich drei Preise ab. Er bekam die beiden wichtigsten Echos für den "Hit des Jahres" sowie das "Album des Jahres" und wurde als "bester internationaler Künstler" geehrt. Sheeran nahm die Auszeichnungen aber nicht persönlich entgegen. Der 27-Jährige bedankte sich per Videobotschaft aus Japan.

Helene Fischer baut Rekord aus

Die Sängerin Helene Fischer konnte ihren Preis-Rekord weiter ausbauen. Fischer gewann die Kategorie "Schlager" und damit ihren bereits 17. Echo. Kein Künstler ist erfolgreicher. "Ich genieße diesen Erfolg gerade unfassbar", sagte die 33-Jährige auf der Bühne. "Wir vom Schlager sind einfach überall - auch da, wo niemand mit uns rechnet".

Fischer legte zwei eher ungewöhnliche Auftritte hin. Zuerst performte sie ihr Lied "Lieb mich dann“ mit dem Jazzmusiker Götz Alsmann und Gregor Meyle an der Gitarre. Später sang sie gemeinsam mit Luis Fonsi.

Viele internationale Stars

Luis Fonsi
"Despacito"-Sänger Luis Fonsi (rechts). Bildrechte: Universal Music

Neben den Gewinnern waren überraschend viele internationale Stars zur Echo-Gala nach Berlin gekommen. Insgesamt wurden 22 Auszeichnungen verliehen, darunter an Alice Merton ("Künstlerin Pop national"), Milky Chance ("Band Pop national") und Haiyti (Kritikerpreis).

Seinen ersten Echo gewann der Sänger Mark Forster. Der 34-Jährige erhielt den Preis in der Kategorie Künstler "Pop national". Als beste "Band international" wurden Imagine Dragons ausgezeichnet. Als bester Newcomer international wurde der puerto-ricanische Popstar Luis Fonsi ("Despacito") geehrt. Er habe 20 Jahre lang Lieder aufnehmen müssen, um endlich einen Preis als bester neuer Künstler zu bekommen, sagte der 39-Jährige. "Aber es war es wert." Fonsi erhielt seinen Preis von dem deutschen Pop-Sänger Wincent Weiss ("Irgendwas mit Stille"), der zuvor als "bester Newcomer national" ausgezeichnet wurde. Die Shanty-Rocker von Santiano bekamen den Echo in der Kategorie "volkstümliche Musik".

Zwischendurch sorgten unter anderem die Popstars Kylie Minogue, Rita Ora, Shawn Mendes und Jason Derulo für musikalische Unterhaltung.

Verkaufszahlen nominieren Echo-Preisträger

Die Nominierungen für den Echo ergeben sich aus den Verkaufszahlen der Musiker: Die fünf erfolgreichsten Künstler kommen auf die Liste. Eine 550-köpfige Jury entscheidet, wer gewinnt. Zu den Juroren gehören Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. April 2018 | 00:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2018, 15:27 Uhr

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31 Kommentare

15.04.2018 10:58 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 31

Man wird sich an den "Echo 2018" als "das Echo" erinnern, bei dem Antisemitismus, Sexismus und die Verhöhnung von KZ-Insassen 'ausgezeichnet' wurde, der Bundesverband Musikindustrie als Ausrichter des Echo dies als eine "Entscheidung im Sinne der Kunstfreiheit" rechtfertigte, die 'Queen des deutschen Schlagers' ihren Produzenten dankte...

... und 'ein (kleiner) Punker' als einziger Künstler etwas dagegen sagte.

Damit hat sich die 'Riege der deutschen Musiker' selbst entpolitisiert und ihre Gleichgültigkeit gegenüber Ausgrenzungen "überzeugend dargestellt".
Campinos 'Theken-Punk' kann ich nichts abgewinnen, aber seine Haltung zur Auszeichnung dieser 'Rapper' teile ich zu 100%.

14.04.2018 20:14 Norbert 30

Na diese beiden haben doch geschafft ihren Dünnsinn auch noch Salonfähig zu machen. Hauptsache man bleibt im Gespräch egal wie..
So kann man seinen Mist auch noch gut verkaufen, und kommt in die Charts. Die beiden sind völlig talentfrei aber in BWL haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht. Nach Moral fragt da keiner mehr. Da kann Campino deibeln wie er will und der Rest macht auf entrüstet.
Eine bessere Werbung geht doch gar nicht...einfach pervers aber so läuft das leider Heutzutage..

14.04.2018 18:14 der_Silvio 29

@27 Krause; "Und da sind wir bei den Fans dieser beiden und dem weiteren Kreis von Rechtsextremisten/Nazis hier im Ländle:"
Ich glaube die von ihnen genannte Gruppe hört sich diese 'Ergüsse' nicht an - nicht Deutsch genug.
Es gibt aber eine weitere Zielgruppe, welche dem Antisemitismus frönt und diese Räpper bejubelt.

14.04.2018 12:47 Axel an Krause (27) 28

Mein lieber Scholli Krause,

mit ihrem Satz "Den beiden eine 'gewollte Provokation' zu unterstellen geht wohl an der 'Wahrheit' vorbei." haben Sie Ihre zynische Argumentation selbst entlarvt. Wer BEWUSST und VORSÄTZLICH die Wortwahl "mein Körper (ist) definierter als von Auschwitzinsassen" verwendet, weiß SEHR WOHL was er da macht!
Oder steht da: "mein Körper (ist) definierter als von Biggest-Loser-Insassen" ???????

14.04.2018 10:29 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 27

@ 23:
Dir scheint der Antisemitismus nicht allzu fremd zu sein, wenn Du 'Freiwild' als 'Wahrheitsverkünder' verherrlichst. Von daher fehlt dann auch das wahrhaftige Entsetzen darüber.
Macht nichts, da kann geholfen werden: EXIT!

Den beiden eine 'gewollte Provokation' zu unterstellen geht wohl an der 'Wahrheit' vorbei. Und da sind wir bei den Fans dieser beiden und dem weiteren Kreis von Rechtsextremisten/Nazis hier im Ländle: wenn die tatsächlich 'verstehen' würden, was sie da 'verherrlichen/herbeisingen/herbeiwünschen', würden sie das nicht machen! Sie verstehen nicht, welche Schuld man sich mit Morden auflädt, weil sie diese Konsequenzen noch nicht mal durchdacht haben.

Die 'alten Nazis' haben sich 1945 erschossen oder die Uniform entsorgt, weil ihnen klar wurde, daß sie für ihre Taten (endlich) zur Verantwortung gezogen würden.
Das ist das, was den 'heutigen Nazis' fehlt: in Themar wurden sie von der Polizei eher beschützt.

14.04.2018 08:50 Erbsenzähler 26

@13
Das kann man unterschreiben.

14.04.2018 08:12 Sachse43 25

Wer oder was ist ein Echo Preis?

14.04.2018 02:01 norbert 24

Finde diese "Musik" eh indiskutabel aber darüber lässt sich ja streiten, nur deren Text geht gar nicht aber ich denke die beiden BlinkBlink Rapper waren schlicht zu einfältig sich dabei etwas zu denken. Allerdings sollte sich der D.dorfer Edel Punker mal daran erinnern welche Scheiben die Toten Hosen ganz am Anfang eingesungen (?)haben da war Er so ziemlich im gleichen Alter. Denn der Text von Aische ist nicht viel besser, da ist er als Moralapostel gänzlich ungeeignet.

13.04.2018 00:34 maensen 23

@Krause, Frage zurück, welche Spezies kauft diesen Schrott? Der Antisemitismus scheint viele Fans zu haben in unserem Land in dem andere gut und gerne leben.

Man erinnere sich an die Echo Verleihung an Freiwild. Eine Band die Wahrheit bringt. Die Gutmenschen waren entsetzt. Mittlerweile sind sie wohl eher verdutzt über die Wahrheit die diese Band hervorragend in ihren Liedern rüber bringt.

Die Preisverleihung an diese „Rapper“ Typen zeigt offen den Werteverfall in unserem Land. Unfassbar!

13.04.2018 20:59 nachdenker 22

Das ist der ganz normale Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn, was alles da so läuft, man glaubt es nicht, das ist der ganz normale Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn..... Wahnsinn, MEHR NICHT!
(U. Jürgens)
M.E geschmackloser Müll!