Klaus Voormann gewinnt den Echo Lebenswerk bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo überreicht.
Gibt seinen Echo für das Lebenswerk zurück: Klaus Voormann Bildrechte: dpa

Echo für Kollegah und Farid-Bang Echo-Preisträger geben Auszeichnung zurück

Der Echo für die Rapper Kollegah und Farid Bang sorgt weiter für laute Kritik. Das Berliner Notos Quartett spricht von einer Schande und gibt seinen Echo Klassik zurück. Auch der für sein Lebenswerk geehrte Musiker und
Grafiker Klaus Voormann gibt seinen Preis zurück. Die Musikindustrie verspricht Änderungen bei der Verleihung.

Klaus Voormann gewinnt den Echo Lebenswerk bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo überreicht.
Gibt seinen Echo für das Lebenswerk zurück: Klaus Voormann Bildrechte: dpa

Aus Empörung über die Echo-Preise für die Rapper Kollegah und Farid Bang gibt der Musiker und Grafiker Klaus Voormann seine eigene Trophäe zurück. Der Musiker und Grafiker war in der vergangenen Woche für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung.

Klaus Voormann

Der Musiker, der am 29. April seinen 80. Geburtstag feiert, erklärte, er habe sich die Rückgabe seines Echos reiflich überlegt und sich deshalb auch mit den Texten des umstrittenen Albums beschäftigt. Provokation sei erlaubt und manchmal sogar notwendig, um Denkanstöße zu geben, sagte der Musiker. Aber die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen und Taten dürfe nicht überschritten werden.

Voormann gestaltete unter anderem das Cover des "Revolver"-Albums der Beatles. Auch als Bassist von Stars wie Manfred Mann, Dr. John oder Randy Newman sowie als Produzent von Trio trat er auf.

Berliner Klassik-Quartett machte den Anfang

Notos Quartett
Das "Notos Quartett" reagiert mit seiner Entscheidung auf den Echo für Kollegah und Farid Bang. Bildrechte: IMAGO

Zuvor hatte bereits das Berliner "Notos Quartett" seinen "Echo Klassik"-Preis zurückgegeben. Die vier Notos-Musiker erklärten auf ihrer Facebook-Seite, bis vor kurzem sei der Echo für sie der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands gewesen. Dass dieser Preis nun offen Rassismus toleriere und ihm eine Plattform biete, sei für sie nicht tragbar. Die Echo-Auszeichnung sei nun ein Symbol der Schande.

Das "Notos Quartett" war im Oktober 2017 als Nachwuchskünstler des Jahres mit dem "Echo Klassik" ausgezeichnet worden.

Echo-Verantwortliche wollen Neuerungen

Der Bundesverband der Musikindustrie kündigte angesichts der anhaltenden Kritik an dem Echo für die Rapper Kollegah und Farid Bang an, die Echo-Preisverleihung zu überarbeiten.

Vorstandsvorsitzender Florian Drücke sagte, im Zuge der aktuellen Debatte habe man erkannt, "dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt". Das dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Drücke zufolge sollen die Mechanismen erneuert werden, die mit der Nominierung und der Preisvergabe zusammenhängen. Einzelheiten nannte er allerdings nicht.

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Rapper

Die Rapper Kollegah und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
Die Rapper Kollegah (li.) und Farid Bang feiern ihren Echo. Bildrechte: dpa

Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstag für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem Echo in der Kategorie HipHop/Urban National ausgezeichnet worden. An der Entscheidung gab es viel Kritik. Bereits ihre Nominierung für den wichtigsten deutschen Musikpreis war auf großen Protest gestoßen.

Anlass sind die Textzeilen, die auf KZ-Häftlinge und den Holocaust anspielen. So heißt es in einem Lied: "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow" und in einem Bonus-Song: "Mein Körper ist definierter als von Auschwitz-Insassen". Kritiker sprechen von offenem Antisemitismus.

Der Echo-Beirat erklärte allerdings im Vorfeld, die künstlerische Freiheit sei "nicht so wesentlich übertreten", dass es einen Ausschluss der Künstler vom Echo rechtfertigen würde.

Verkaufszahlen entscheidend

Die Verleihung des Echo richtet sich in den meisten Kategorien nach den Verkaufszahlen von Alben und den Chart-Platzierungen. Zudem fließt die Meinung einer Expertenjury mit ein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 16:34 Uhr

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37 Kommentare

18.04.2018 16:06 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 37

Marius Müller-Westernhagen hat das mal konsequent gelöst und gleich alle Echos zurückgegeben.
Chapeau!

18.04.2018 09:17 Bernd L. 36

Mabn sollte das differenziert sehen: die Aktion des Notos Quartetts ist für mich ehrlich, auch von Vormann. Bei Marius habe ich große Zweifel- schließlich hat er immer für das "Bunte"geworben, es sieht eher nach Marketing aus.
Nochmal: Der wirkliche Sklandal liegt darin, dass solch widerlicher Rapperschund überhaupt produziert und von so vielen gekauft wird.

18.04.2018 06:46 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 35

@ 32:
Daß es einen Unterschied zwischen dem Eintreten für Gleichheit, Freihheit, Brüderlichkeit und dem Äußern von Verhetzungen, Verunglimpfungen oder Faschismen gibt, wird auch Dir irgendwann noch klar werden...

Einige empfinden die Verhetzungen, Verunglimpfungen und Faschismen offensichtlich erträglich und heißen sie willkommen... und Menschen mit einer 'gesunden Demokratisierung' finden sie halt unerträglich.

18.04.2018 00:30 Klara Morgenrot 34

@31 Erna
Gut zu wissen, wo 50%er vom politischen Wind mmer her
kommen. Dies sagt uns alles, das reicht.

17.04.2018 23:50 pickering 33

@32
Toleranz, ja, aber nicht bedingungslos und uneingeschränkt.
Beispielsweise kann nicht einfach in meinen Texten dazu auffordern meinen Nachbarn zu ermorden
und das dann als künstlerische Freiheit verkaufen, damit überschreite ich ganz klar eine rote Linie.
Und die Texte von diesen Gangsta-Rappern (einem in meinen Augen zweifelhaftem Genre) mit unreflektiertem Auschwitz & Holocaust Bezug gehen gar nicht. Dafür einen Preis zu vergeben ist ohne wenn und aber ein Skandal!
Ich hoffe, dass noch viele Künstler ihren Echo zurückgeben und damit dieser Komission vor Augen führen, dass sie hier richtig Mist gebaut hat.

17.04.2018 21:44 Atheist aus Mangel an Beweisen 32

Meine Güte, alle die jetzt ihren Preis zurückgeben haben jahrelang für die Toleranz dieser Gruppen geworben ohne deren Einstellung zu hinterfragen, nun gucken Sie der Realität ins Gesicht.

17.04.2018 20:14 Erna 31

Wer hat neben den Verkaufszahlen zu 50% Stimmrecht?


Die Fachjury 3 einschließlich MDR SPUTNIK, NDR Fernsehen/ARD/Arte, ZDF "Heute Journal", RTL2 etc.


Wer sitzt im Echo-Beitrat und hat das letzte Wort?


Wolfgang Börnsen
ehem. MdB (war von 2005 – 2013 Vors. der
Arbeitsgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU Bundestagsfraktion)


Klaus-Martin Bresgott
Rat der Evangelischen Kirche Deutschland


Prof. Christian Höppner
Deutscher Kulturrat


Prof. Martin-Maria Krüger
Deutscher Musikrat


Uta Losem
Katholisches Büro


Prof. Kurt Meh


Ole Oltmann
Musikpädagoge

17.04.2018 18:28 Tinnitus 30

@ 2 hat recht, die Handschellen hätten schon auf der Bühne klicken müssen.
Es ist unerträglich, was sich diese "Musiker" erlauben.
Bei jeder Demo wird darauf geachtet, dass alle Texte und Symbole GG- konform sind und solche Typen können auf der Bühne Texte mit KZ- Bezug von sich geben.
Unfassbar, was in diesem Land los ist.

17.04.2018 17:28 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 29

@ 28. colditzer:

Da sieht man mal wieder, wie nah die Union dem Konservatismus steht, der sich auch ein bissl 'Ausgrenzung' erhalten will: es ist eigentlich kein besseres Zeichen, anstatt der AfD die CDU zu wählen. Auch für einen CDU-Mann scheint ein 'mentaler Ausfall' durch einen geschmacklosen Vergleich mit 'Auschwitzinsassen' eben auch Teil der Musikkultur zu sein.

Und die Raute wartet weiter einfach ab... und gibt durch fehlende 'Ansagen der Cheffin' eigentlich nur eine stillschweigende Zustimmung zu solch einer Aussage...

Das "Scheiß auf Anstand!" wirkt auch schon in der CDU. Und wie man sieht, ist das 'Abwarten' der schlimmste Fehler, den man in solch einer Situation machen kann.

Nachdem man die Bevölkerung mit 'ein bissl Antiislamismus' hat aufweichen lassen, kann man auch mal wieder 'etwas Antisemitismus' einfließen lassen... nur mal so zum Antesten... der Glaser war halt einfach etwas 'zu' früh...

17.04.2018 12:45 colditzer 28

Da hier die Frage stand zu den Experten, hier einer,
der CDU Politiker Wolfgang Börnsen.
Dieser wird in faz.net vom heutigen Tag wie folgt zitiert:
„Grenzüberschreitungen sind nicht akzeptabel, aber sie sind ein Teil der Musikkultur“, sagte der CDU-Politiker Wolfgang Börnsen an diesem Dienstag in Berlin. Wegen der umstrittenen Nominierung war der Echo-Beirat vor der Gala eingeschaltet worden. Im Fall der Rapper hieß es, die künstlerische Freiheit sei in dem Text „nicht so wesentlich übertreten“, dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.
Die Äußerung-Mache wieder mal 'nen Holocaust,...
ist nicht wesentlich übertreten.
Dies ist nichts anderes als der Aufruf zum Völkermord, zur Vergasung.
So konkret muß man das leider benennen.
Für einen CDU-Politiker ist das nicht wesentlich.
Mich verwundert, dass der israelische Botschafter sich noch nicht eingeschaltet hat.