Cannabispflanzen in einem Gewächshaus
Cannabis wird seit einem Jahr Patienten verschrieben und die Kosten werden übernommen. Bildrechte: IMAGO

Report der Techniker Krankenkasse Ein Jahr Cannabis auf Rezept

Seit einem Jahr gibt es für schwer kranke Menschen Cannabis auf Rezept. Die Techniker Krankenkasse hat mit der Universität Bremen untersucht, wie die neue Regelung umgesetzt wurde. Der Cannabis-Report wurde nun in Berlin vorgestellt.

Cannabispflanzen in einem Gewächshaus
Cannabis wird seit einem Jahr Patienten verschrieben und die Kosten werden übernommen. Bildrechte: IMAGO

Medizinisches Cannabis ist nur selten eine Alternative zu bewährten Therapien, im Einzelfall kann es Patienten jedoch helfen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Report der Krankenkasse TK in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen.

Demnach sei die Studienlage zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis als Medizin bislang noch lückenhaft. In dem Report wird deutlich, dass vielen Ärzten noch unklar ist, welchen Patientengruppen Cannabis in welcher Dosis hilft und in welcher Form es am besten verabreicht werden sollte. Dennoch sind die Forscher überzeugt, dass es Patienten gibt, denen medizinisch verordnetes Cannabis hilft.

"Wir freuen uns, dass wir mit Cannabis schwer kranken Menschen seit etwas über einem Jahr eine weitere Therapieoption anbieten können", so Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Allerdings wünsche ich mir einen normaleren Umgang mit dem Thema. Mit unserem Report wollen wir dazu beitragen, die Debatte wieder zu versachlichen."

Aussagekräftige Studien fehlen

Cannabis kann in Deutschland erst seit März 2017 auf Rezept verordnet werden. Eingesetzt wird es hauptsächtlich in der Schmerztherapie, etwa bei schwer erkrankten Patienten, die an chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, Multipler Sklerose oder an Rheuma leiden. Auch bei Krebs- und AIDS-Patienten kann Cannabis helfen, da es zugleich Schmerzen stillt, aber im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln nicht zu Appetitverlust führt.

Gerd Glaeske von der Universität Bremen fordert, die medizinische Forschung zu intensivieren, um aussagekräftige Studien und genauere Erkenntnisse zur medizinischen Wirksamkeit von Cannabis zu bekommen. "Es ist unklar, welchen Patientengruppen Cannabis in welcher Dosis hilft und in welcher Form es am besten verabreicht werden sollte", so Glaeske. Cannabis könne nicht gegen alles helfen, da es kein pflanzliches Wunderheilmittel sei - einige Studien sprächen aber für die Verwendung etwa bei Schmerzpatienten.

Arzneimittel besser als Blüten

Eine Gefahr besteht laut Glaeske durch die nachgewiesenen Risiken durch Cannabiskonsum. So wirke Cannabis auch auf die Psyche und führe dabei zu unerwünschten Wirkungen. Häufig treten demnach Denkstörungen auf, die Konzentrationsfähigkeit sinke, ebenso die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses. Allerdings seien die Nebenwirkungen abhängig von der konsumierten Menge.

Die Autoren der Studie sprechen sich für eine Verschreibung von cannabinoidhaltigen Arzneimitteln aus. Ein bekanntes Cannabis-Medikament ist Sativex, ein Spray, dass sich Patienten selbst in den Rachen sprühen. Außerdem gibt es Tropfen oder Kapseln mit Dronabinol - einem Öl, das teilsynthetisches THC enthält.

Die Alternative - die Verschreibung von Cannabisblüten - ist zum einen sehr teuer und darüber hinaus schwer zu standardisieren, da jeden Blüte einen anderen Wirkstoffgehalt enthält.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 17. Mai 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018, 11:54 Uhr

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5 Kommentare

17.05.2018 23:19 part 5

Das wahre Problem ist die Pharmawirtschaft mit ihren Interessenvertretern in Berlin. Naturprodukte sind für Pharmaindustrie wie der kleine Sargnagel beim Spekulationsgewinn an den Börsen. Neben Hanf gibt uns die Natur seit Anbeginn eine Unzahl von Heilmitteln vor, die heute durch aufwendige chemische Produkte ersetzt werden und mit einer einfachen Namensänderung plötzlich die Krankenkassen und Patienten dreimal mehr belasten ohne das durch die christlichen Parteien Einspruch dagegen zu erwarten ist.

17.05.2018 20:25 Querdenker 4

Ich kann die Dokumentation

siehe „3sat Wissenschaftsdoku Cannabis gegen Krebs“

zum Thema empfehlen.

17.05.2018 17:41 winfried 3

Cannabis für medizinische Zwecke, als Feldversuch ?
Ja, warum denn nicht ?!
Aber dann bitte ... NUR ... auf Rezept, durch zertifizierte Ausgabestellen ... UND ... ein lückenloses Lieferanten-, Bestands- und Anwenderregister.
Wer dagegen ist, führt "Böses" im Schilde.

17.05.2018 12:08 Lilly 2

mein Papa (liegt im Pflegeheim) bekommt das Spray Sativex seit der Einführung gegen seine chronischen Schmerzen. Ich muss mal ehrlich sagen, das es ihm seit dem viel viel besser geht.

Bis dahin bekam er Zäpfchen und wenn die Schmerzen zu stark waren noch Tabletten, da war er manchmal gar nicht richtig ansprechbar.

Seither ist sein Wohlbefinden erheblich besser geworden.

"So wirke Cannabis auch auf die Psyche und führe dabei zu unerwünschten Wirkungen. Häufig treten demnach Denkstörungen auf, die Konzentrationsfähigkeit sinke, ebenso die Leistung des Kurzzeitgedächtnisses. "
- das kann ich kann ich beim besten willen nicht bestätigen, diese Nebenwirkung hatte mein Papa nur bei Zäpfchen und Tabletten.


-ich möchte nur hoffen das diese Studie nicht auch noch Ergebnis orientiert in Auftrag gegeben wurde.

17.05.2018 11:47 Martin Schmidt 1

Richtig guter Artikel. Endlich mal auch objektiv zu dem Thema berichtet. Da gaukelt ja einiges durchs Internet...