Ein Rote-Hand-Brief mit Informationen zu neu erkannten Arzneimittelrisiken bei Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika wird vor einer Apotheke vor das Apotheken-Logo gehalten
Ein sogenannter Rote-Hand-Brief mit Informationen zu neu erkannten Arzneimittelrisiken bei Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika. Bildrechte: dpa

Wegen schwerer Nebenwirkungen Einsatz weit verbreiteter Antibiotika beschränkt

Ärzte sollen die weit verbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone wegen schwerer Nebenwirkungen nur noch stark eingeschränkt verschreiben. Das hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitgeteilt.

Ein Rote-Hand-Brief mit Informationen zu neu erkannten Arzneimittelrisiken bei Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika wird vor einer Apotheke vor das Apotheken-Logo gehalten
Ein sogenannter Rote-Hand-Brief mit Informationen zu neu erkannten Arzneimittelrisiken bei Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika. Bildrechte: dpa

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Ärzte aufgefordert, die weit verbreitete Gruppe der Fluorchinolon-Antibiotika wegen schwerer Nebenwirkungen nur noch stark eingeschränkt zu verschreiben. Die Medikamente sollen nach Möglichkeit nicht mehr bei "leichten und mittelschweren Infektionen" eingesetzt werden, teilte die Behörde am Montag mit. Den Angaben zufolge geht es um die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin.

Schwerwiegende Nebenwirkungen

"Bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen von Fluorchinolonen können lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und sind möglicherweise irreversibel", so die BfArM-Mitteilung. Der Behörde zufolge sind vor allem Sehnen, Muskeln, Gelenke sowie das Nervensystem betroffen. Beim ersten Anzeichen einer dieser schwerwiegenden Nebenwirkungen sollte die Behandlung beendet werden. Die genannten Nebenwirkungen würden allerdings nur sehr selten auftreten. Zu besonderer Vorsicht rät das Bundesinstitut bei älteren Menschen und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Produkte von über 30 Herstellern

Insgesamt sind Produkte von mehr als 30 Pharmaherstellern von der Risikoinformation betroffen. Die Pharmahersteller informierten Ärzte und Heilberufler mit einem sogenannten Rote-Hand-Brief über die Risiken. Zudem werden die Packungsbeilagen der Medikamente geändert. Die neuen Regeln sind das Ergebnis eines europäischen Risikobewertungsverfahrens.

Knapp fünf Millionen Packungen verordnet

Laut Wissenschaftlichem Institut der AOK waren im Jahr 2015 in Deutschland knapp fünf Millionen Packungen mit Fluorchinolon-Antibiotika verordnet worden. Künftig sollen die Medikamente beispielsweise nicht mehr gegen akute Bronchitis, Mandelentzündung und zur Prävention von Reisedurchfall verwendet werden. Bei verschiedenen zum Teil lebensbedrohlichen Infektionserkrankungen bleiben Fluorchinolone laut BfArM aber weiterhin eine wichtige Behandlungsoption.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. April 2019, 18:49 Uhr

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2 Kommentare

09.04.2019 07:13 Carolus Nappus 2

Es dürfte keine Neuigkeit sein, dass Medikamente auch mehr oder weniger heftige Nebenwirkungen haben. Wenn ich dann aber lese, dass Antibiotikia vorbeugend gegen Reisedurchfall genommen werden, muss ich mir schon an die Birne fassen. Man zerschießt sich vorsorglich die Darmflora und damit den wichtigsten Bestandteil des Immunsystems um eventuell vielleicht keine Durchfall zu bekommen. Das ist doch vollkommen hirnrissig.
Wie wäre es mit Hygiene usw. und solche Dinge erst zu nehmen, wenn es wirklich notwendig ist?

08.04.2019 19:15 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Ich habe es so satt, was ist in diesem Land noch sicher.
Ich habe schon meine Blutdruck Tabletten abgesetzt weil die Krebserkrankung verursachen sollen.
Bezahle jeden Monat hohe Beiträge und die Leistung wird immer weniger.