Ladestecker am Elektroauto
Viele Akkus in E-Autos haben zwei Leben, bevor sie recycelt werden. Bildrechte: imago images / imagebroker

Elektromobilität Werden Akkus aus E-Autos recycelt?

Es scheint, wir stehen am Anfang einer neuen Epoche im Verkehrssektor: Elektroautos sollen die Zukunft sein. Klar ist aber auch: Dafür braucht es Hochleistungsakkus. Unser Hörer Uwe Röber aus Meißen denkt ein paar Jahre weiter: Wenn diese Akkus einmal verschlissen sind, wie werden solche riesigen Mengen von Akkus entsorgt oder recycelt? Muss der Verbraucher die Kosten tragen oder wird die Industrie, die ja den Gewinn macht, mit einbezogen?

von Uwe Lölke, MDR AKTUELL

Ladestecker am Elektroauto
Viele Akkus in E-Autos haben zwei Leben, bevor sie recycelt werden. Bildrechte: imago images / imagebroker

Die meisten Fahr-Akkus haben mehr als ein Leben. Das erste Leben beginnt in dem Moment, wenn sie in ein Elektroauto eingebaut werden. Im vergangenen Jahr wurden rund 35.000 solcher Akkus auf Lithium-Ionen-Basis allein in Leipzig in i3-BMWs geschraubt. Funktionieren sollen sie ein Autoleben lang, sagt Wieland Bruch, Elektromobilitätsexperte bei BMW. "Ein Autoleben lang heißt umgangssprachlich etwa zehn bis zwölf Jahre."

die Speicherfarm im BMW-Werk Leipzig
Die Speicherfarm im BMW-Werk Leipzig Bildrechte: Uwe Lölke

Dann kann noch ein zweites Leben folgen, und zwar als stationärer Speicher. Im Leipziger BMW-Werk zum Beispiel wurden bislang rund 550 Antriebs-Akkus in einer sogenannten Speicherfarm zusammenfasst. Die kann zeitweise rund ein Drittel des Stroms für das Werk sichern.

Oder sie wird dem regionalen Stromnetzbetreiber als Pufferspeicher für die schwankende Ökostromeinspeisung zur Verfügung gestellt. Gegen Gebühr, erklärt Stefan Köhn, zuständig für den Energie- und Gebäudebetrieb des Werks. Das sei das zweite Geschäftsmodell, dass der Standort verfolge. Die Akkus hätten dadurch eine zweite Lebensspanne von weiteren zehn Jahren, sagt BMW-Experte Bruch. "Nach einer Lebensdauer von 20 bis 22 Jahren stehen sie zum Recycling an."

Produzent des Akkus für Recycling zuständig

Dafür verantwortlich sei laut Batteriegesetz der Produzent, erklärt Stephan Haufe, Sprecher des Bundesumweltministeriums. "Der Hersteller organisiert ein System, in dem ich als Verbraucher in einfacher Weise meine Batterie wieder zurückgebe."

Laut BMW-Experte Bruch baut jeder Hersteller dafür ein eigenes Netzwerk auf - mit einem ganzen Orchester von Recyclern. Bei denen dürfte dann so ab etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts eine relevante Zahl von alten Fahr-Akkus auflaufen. Deren wertvolle Inhaltsstoffe zurückzugewinnen sei aus rein technischer Sicht dann kein Problem, sagt Christian Hagelüken vom internationalen Recycling-Konzern Umicore.

Wenige Akkus kommen zurück zu den Herstellern

Aufladen eines Smartphones
Bisher werden kaum kleine Akkus recycelt. Bildrechte: Colourbox

Bei den Lithium-Ionen-Akkus aus Handy und Co und den wenigen Auto-Akkus, die bislang zurückkommen, laufe das schon sehr gut, erklärt Hagelüken. Hier würden bereits Metalle wie Kobalt, Nickel, Lithium und Kupfer recycelt. Allerdings sei bei den kleinen Akkus die Sammelquote bislang sehr gering. Hier sollte die EU-Batterierichtlinie besser greifen. Sie wird derzeit überarbeitet.

Die Bundesregierung müsse Druck für Qualitätsrecycling machen, fordert Ingenieur Hagelück. Mit dem Ziel, dass gerade die großen Antriebs-Akkus dann tatsächlich und auch an den richtigen Stellen zurückkommen "und nicht irgendwo verschwinden, nicht über Alt-Auto-Exporte aus Europa rausgehen oder in irgendwelchen Hinterhofbetrieben verarbeitet werden".

Firmen wälzen Kosten für Recycling auf Kunden ab

Und wer bezahlt das Rücknahmesystem? Stephan Haufe, Sprecher des Umweltministeriums, stellt klar:

Die Kosten fürs Recycling der Akkus muss laut Gesetz der Hersteller der Batterie tragen.

Stephan Haufe Sprecher des Umweltministeriums

Überwacht wird das von der Stiftung Batterieregister unter Aufsicht des Umweltbundesamts. Dessen Sprecher Axel Strobelt gibt allerdings zu bedenken, dass die zu erwartenden Kosten für Transport, Verpackung und Recycling auf den Verkaufspreis der Batterien aufgeschlagen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 05:00 Uhr

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