Ein grüner Pfeil erlaubt das Abbiegen trotz roter Ampel an einer Kreuzung.
Der grüne Abbiegepfeil soll entfernt werden. Das kann jedoch vor allem auf vertrauten Strecken zu Verwirrungen im Straßenverkehr führen. Bildrechte: dpa

Verkehrssicherheit Gefährliche Routine im Straßenverkehr

Auf Autofahrer kommen demnächst ein paar Änderungen zu, denn die grünen Rechtsabbiegerpfeile werden entfernt, um Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern zu verhindern. Vor allem in vertrauter Umgebung muss man sich erst mal an die neuen Verkehrsregeln gewöhnen. Doch wie riskant sind Gewohnheitsänderungen im Straßenverkehr?

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Ein grüner Pfeil erlaubt das Abbiegen trotz roter Ampel an einer Kreuzung.
Der grüne Abbiegepfeil soll entfernt werden. Das kann jedoch vor allem auf vertrauten Strecken zu Verwirrungen im Straßenverkehr führen. Bildrechte: dpa

Am Mittwochmittag hing er noch: der grüne Pfeil an der Ecke Prager Straße/Russenstraße in Leipzig. Doch seine letzten Stunden waren schon angebrochen. Das Verkehrs- und Tiefbauamt wollte ihn abmontieren, weil es an der Kreuzung mehrere Unfälle zwischen abbiegenden Autos und Radfahrern gegeben hatte.

Hinweisschild um weitere Unfälle zu vermeiden

Für die nächsten vier Wochen soll ein Schild auf die veränderten Regeln hinweisen. Das sei auch wichtig, meint Grit Blümle, Geschäftsführerin der Messestadt Verkehrswacht. Denn aus Gewohnheit entstehe ein Automatismus. "Natürlich ist dann die Gefahr groß, dass man übersieht, dass der grüne Pfeil weg ist."

Änderungen führen zu Unkonzentriertheit

Nach Recherchen des MDR sind in Leipzig, Magdeburg und Chemnitz in den vergangenen 15 Jahren etwa ein Drittel der grünen Pfeile entfernt worden. In Köln und Hamburg waren es sogar zwei Drittel. Manchen Autofahrer, der häufig in diesen Städten unterwegs ist, mag das verwirren. Grit Blümle hört solche Geschichten zumindest ab und zu in ihren Verkehrsteilnehmer-Informationsveranstaltungen.

"Und da kommt es dann vermehrt zu Unkonzentriertheit, dass man es gar nicht wahrnimmt, dass man im ersten Moment gar nicht weiß, wie man sich verhalten soll, auf die Bremse treten? Der Nachfolgeverkehr hat dann auch ein Problem. Also es setzt sich schon fort."

Viele Fahrfehler auf bekannten Strecken

Forscher der Uni Köln hatten vor einigen Jahren untersucht, wie sich Routine im Straßenverkehr auswirkt. Sie hatten beobachtet, dass Autofahrern auf bekannten Strecken besonders gravierende Fehler unterlaufen. Sie setzten ihre Probanden in einen Fahrsimulator und maßen die Hirnströme. Dabei stellten sie fest, dass das Gehirn weniger aktiv war, wenn die Studienteilnehmer eine Strecke besonders gut kannten.

Über Änderungen muss informiert werden

Deshalb sei es auch notwendig, die Verkehrsteilnehmer zu informieren, wenn Regeln geändert werden, erklärt Martin Schmotz vom Institut für Verkehrsplanung an der TU Dresden. Die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung schreibe vor, dass bei Änderungen der Vorfahrtsregelungen für eine gewisse Übergangszeit der Fahrverkehr zu warnen sei.

Freie Entscheidung der Behörden

Schmotz ergänzt, dass der grüne Abbiegepfeil nicht von dieser Regelung betroffen sei. Die Behörden dürfen aber frei entscheiden, ob sie die Verkehrsteilnehmer trotzdem warnen möchten, wenn ein grüner Pfeil verschwindet. Um auch das letzte Gewohnheitstier zu erreichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 05:00 Uhr

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23 Kommentare

16.03.2019 05:04 Querdenker 23

Der grüne Pfeil hat mit Vorfahrt gar nichts zu tun. Im Gegenteil, man hat eben gerade *keine Vorfahrt*. Man darf nur abbiegen, wenn man niemanden behindert.

Wer das nachlesen will schaut nach Straßenverkehrs-Ordnung § 37 Abs. 2 Nr. 1 Satz 8 bis 10 StVO. Da steht das genau drin, dass man im Endeffekt nur mit großer Umsicht abbiegen darf.

Ansonsten halt die grüne Anti-Autofahrer-Politik in Innenstädten.

Demnächst kommen ggf. grüne Pfeile für Radfahrer. Gibt dazu auch einen Link im Artikel.

Das Fahrradfahrer auch Unfälle verursachen und Fahrerflucht öfter mal vorkommt (auch hohe Dunkelziffer), scheint keine Rolle zu spielen.

siehe „tagesspiegel Studie in Berlin Fußgänger fürchten die Radfahrer“
Zitat: „Ein Schwerpunkt bei dieser Art der Unfälle ist Pankow, wo im vergangenen Jahr zehn Fußgängern bei Unfällen mit Radlern schwer verletzt wurden.“

15.03.2019 08:31 Frank 22

Echt Lustig, aber mal im Ernst, wer mit den grünen Pfeil nicht klarkommt, der kommt auch mit einer Ampel nicht klar, wollt ihr die jetzt auch abbauen???
Und wer glaubt Unfälle mit den Rückbau des grünen Pfeil´s zu vermeiden der muß sehr wenig intelligent sein, denn der grüne Pfeil ist fest an der Ampel und kann da auch nicht alleine weg, außerdem wer sich richtig an einer Ampel mit grünen Pfeil verhält der baut auch keinen Unfall, ..........

14.03.2019 21:18 lausbub 21

Als der Grüne Pfeil 1991 den Weg in die bundesdeutsche StVO fand , hat man den Sinn, wofür er ursprünglich erfunden wurde, völlig außer Acht gelassen: Gedacht war er einmal für Ampelkreuzungen mit geringem oder keinem Fußgängerverkehr. Es war nie vorgesehen, ihn zur Regel zu machen. Mit der Regel, dass Fahrradfahrer gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung in Einbahnstraßen fahren dürfen, ist es genauso: Die sollte nur für einige wenige Einbahnstraßen gelten. Heute gibt es Städte, in denen sie für alle Einbahnstraßen gilt. Das führt ebenso zu gefährlichen Verkehrssituationen wie mit dem Grünen Pfeil. Den Verkehrsplanern wünsche ich mehr Sachverstand. Der scheint dringend nötig zu sein.

14.03.2019 15:03 Mentor an Klausi #13 20

Der Blechpfeil läßt sich nicht so einfach durch einen Leuchtpfeil ersetzen. Sie haben offensichtlich Pinzip und Sinn des grünen Blechpfeils nicht verstanden.

14.03.2019 15:01 Mentor 19

Der Blechpfeil läßt sich nicht so einfach durch einen Leuchtpfeil ersetzen. Sie haben offensichtlich Pinzip und Sinn des grünen Blechpfeils nicht verstanden.

14.03.2019 14:19 Andy 18

Das Problem besteht doch aber auch an einfachen Ampeln ohne grünem Pfeil. Für Links- und Rechtsabbieger ist doch grün nicht wirklich grün. Da muss man auf Gegenverkehr, Fußgänger, Radfahrer, Hund, Katz und Maus achten. Alle haben Vorfahrt obwohl die Ampel grün zeigt. An vielen Kreuzungen kommt man als Rechtsabbieger am sichersten voran, wenn die Ampel rot zeigt und einen grünen Rechtsabbiegepfeil angebracht ist.

14.03.2019 14:16 mattotaupa 17

@#12: "Die Kraftfahrer der DDR konnten mit dem grünen Pfeil umgehen." vergleichen sie doch bitte auch die verkehrsdichte, geschwindigkeiten (beschleunigung) und das wegenetz der radwege. ohne gegenseitige rücksichtnahme - in zeiten von "schei. auf anstand" nicht zu erwarten - ergeben mehr verkehrsteilnehmer auch mehr konflikte. @#9: "viel wichtigere Sachen" für sie oder den über den haufen gekachelten radfahrer? ist wohl eine frage des standpunktes. klar reg ich mich als nicht-radfahrer auch über einige dieser gesellen auf aber letztlich haben die die schlechteren karten im konfliktfall. wollen sie jetzt auch bankräuber, einbrecher und enkeltrickbetrüger laufen lassen, weil mörder ja schlimmer sind oder darf sich der staat da um "nebensächlichkeiten" kümmern? ps: ich hab kein problem mit grünen pfeilen. kann aber nur ein bauchgefühl gegen fakten (unfallzahlen) stellen und stecke daher zurück.

14.03.2019 14:04 Andreas 16

Schade. Ich konnte damit umgehen. War ne gute Sache. Da man bei Rot ja abbiegen durfte konnte man ja nie einen Fahrradfahrer oder Fussgänger erwischen. Die hatten ja Rot, ausser sie ignorierten dieses. Und wenn man Grün hat muss man eh mehr auf Fussgänger und co. achten. Nun frage ich mich wo ist das Problem mit dem Pfeil. Wahrscheinlich laufen wohl zu viele Fussgänger bei Rot über die Kreuzung. Der Kraftfahrer der abbiegen will denkt sich natürlich das er fahren kann da Fussgänger eh Rot haben. Dann wird der Unfall wieder mal dem Pfeil angelastet. Oder ist das hier ein Ost und West Ding. Nun hat man schon nicht viel von der DDR übernommen und mit diesem Pfeil tun sich viele Westdeutsche so schwer.

[Auch der Kraftfahrer hat "Rot". Die STVO schreibt vor, dass er auch bei "Grünem Pfeil" zu halten hat. Nur, wenn die Straße frei ist, darf er fahren.

Die MDR.de-Redaktion]

14.03.2019 13:59 Peter Riesler 15

Nun mussten unsere lieben Brüder und Schwestern nach der Zwangsvereinnahmung der DDR sich nur an zwei Dinge gewöhnen: den richtigen Sandmann und an den Grünen Pfeil.

Mit dem Sandmann tun sie sich immer noch schwer. Der Grüne Pfeil hat sie völlig überfordert.

Ich schreibe jetzt nichts über unseren Palast der Republik ...

14.03.2019 13:41 Gerd Müller 14

Kommt aus dem Osten, ergo schlecht und der „schlaue“ Wessi versteht das nicht.
Also abbauen.