Blick auf ein Dorf über Feld und Flur
Viele fühlen sich vom ländlichen Idyll angezogen. Aber dort leben wollen nur noch wenige. Ändert sich das wieder? Bildrechte: MDR/Thomas Lorenz

Urbanisierung Wie entwickelt sich die Provinz?

Urbanisierung, Schrumpfung, Landflucht - Schlagworte, die attestieren: Dem ländlichen Raum geht es nicht gut. Doch Zukunftsforscher widersprechen jetzt und sagen: Landleben ist wieder gefragt. Sie sprechen von einer "Renaissance der Provinz". Ist jetzt also Schluss mit dem Boom der Städte?

von Marie-Sophie Rudolph, MDR AKTUELL

Blick auf ein Dorf über Feld und Flur
Viele fühlen sich vom ländlichen Idyll angezogen. Aber dort leben wollen nur noch wenige. Ändert sich das wieder? Bildrechte: MDR/Thomas Lorenz

Andrea Auster zeigt voller Stolz ihre Bienenvölker. Sie sind ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens hier auf dem Land, in der sächsischen Provinz. "Ich bin ein Stadtkind, ich bin in Leipzig groß geworden. Wir hatten nie einen Garten, aber so was habe ich mir gewünscht, schon als Kind." Vor sechs Jahren verließ sie dann die Stadt und zog auf einen Dreiseitenhof zwischen zwei Dörfern, südlich von Leipzig.

Rückkehrer bringen die Provinz nach vorne

Für Zukunftsforscher Matthias Horx braucht es Menschen wie Andrea Auster, damit Provinzen neuen Aufschwung erhalten können. Von ihnen ziehen immer mehr zurück aufs Land. Mit ihrer bereits gesammelten Stadterfahrung sorgen sie für neue Entwicklungen und Dynamiken.

Die Rückkehrer kommen mit neuen Ideen und Impulsen. Die Frage ist nur, ob sie abgelehnt oder willkommen geheißen werden.

Matthias Horx, Zukunftsforscher

Wo ein Trend ist, kommt auch irgendwann ein Gegentrend. Aus früherer Stadt-Sehnsucht werde nun Land-Sehnsucht, so der Zukunftsforscher.

Zurück aufs Land "trifft nicht auf die Masse zu"

Am Umweltforschungszentrum Leipzig kann man noch nicht erkennen, dass Urbanisierung wirklich gebremst wird. Es gebe lediglich Leuchttürme auf dem Land, meint Professor Dieter Rink.

Wir haben etliche Vorzeigekommunen, die neue Einrichtungen und Arbeitsplätze geschaffen haben oder die Bevölkerung durch kulturelle Haltefaktoren anziehen konnten. Aber das trifft nicht auf die Masse zu.

Prof. Dieter Rink, Umweltforschungszentrum Leipzig
Stelzen im Vogtland
Natur allein reicht vielen dann doch nicht. Bildrechte: dpa

Das Bundesinstitut für Raumforschung untersucht ländliche Regionen in Deutschland, die wieder wachsen. Eines fällt auf: Während es im Westen tatsächlich viele Regionen gibt, die ein Bevölkerungswachstum erleben, schrumpfen die meisten Landstriche Ostdeutschlands weiter.

Dieter Rink vom Umweltforschungszentrum glaubt: Arbeit ist noch immer der entscheidende Faktor, der Menschen in Städte zieht. "Die Arbeitsplätze sind in den Großstädten und sie entstehen auch dort. Sei es nun in der Kreativ- und Wissensindustrie, in den klassischen Industrien oder auch einfache Dienstleistungsjobs."

Es braucht mehr Infrastruktur

Wie also soll der ländliche Aufschwung gelingen? Forscher Matthias Horx meint: "Nur wenn man sich den Schuh der Zukunft selber anzieht, geht was voran. Vorher nicht. Einer der größten Zukunftsverhinderer ist das Jammern." Das glaubt auch Andrea Auster. Doch sie widerspricht auch:

Den Menschen hier ist sehr wohl bewusst: Wenn sie es nicht selbst anfassen, passiert nichts. Das hat aber Grenzen: Ohne Telekom bekomme ich kein Internet.

Andrea Auster, ist von der Stadt aufs Land gezogen

Nur bekommt sie kein Internet von der Telekom. "Ich habe hier bei der Sanierung alle technischen Voraussetzungen geschaffen. Doch es geht nicht, wir kriegen es nicht." Seit anderthalb Jahren bietet Andrea Auster auch Ferienwohnungen an – im Landhausstil, mit Kachelofen. Die vermarktet jetzt eben als internetfreie Zone zur Erholung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. März 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2018, 15:26 Uhr

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4 Kommentare

02.04.2018 19:43 Wo geht es hin? 4

Also meine "Provinz" muss sich gar nicht groß "entwickeln". Ich bin ganz zufrieden, wenn alles so bleibt, wie es ist. Wenn ich dagegen in die Städte fahre, kann ich gut und gerne auf deren "Entwicklung" als nachahmenswertes Beispiel für die Provinz verzichten.

01.04.2018 21:21 REXt 3

Könnte ja auch sein, in den Städten werden die Lebensumstände, durch die Bereicherung unerträglich!

01.04.2018 17:09 Karli 2

ja es stimmt das Landleben ist auch viel schöner als in der Stadt zu leben , natürlich aber nur wenn man alt ist, da man sonst große schwierigkeiten hat dazu noch wenn man Familie hat , ansonstem lebt man aber ruhiger und in der natur.

01.04.2018 15:54 Frank der Baugutachter 1

Anfang der 90-er wurden viele zum Hausbau auf das Land / Dorf geloggt. Die Quittung heute für alles lange Wege, tote Hose. Einfach Pampa ! So lange in Sachen Gemeinde- Städte Gebietsreform hier kein Stopp und Zeit zur Umkehr gibt wird sich nicht viel ändern.