Eine digital gefärbte Rasterelektronenmikroskopie zeigt vier magentafarbene, kugelförmige Methicillin-resistente Staphylococcus aureus Bakterien, die von blau gefärbten weißen Blutkörperchen phagozysiert werden
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien Bildrechte: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)/dpa

EU-Studie Mehr als 33.000 Tote durch multiresistente Keime

Einer EU-Studie zufolge starben 2015 EU-weit über 33.000 Menschen nach Infektionen mit antibiotika-resistenten Bakterien. Acht Jahre zuvor waren es noch 25.000. Die Gesamtzahl der Infektionen stieg auf fast 700.000.

Eine digital gefärbte Rasterelektronenmikroskopie zeigt vier magentafarbene, kugelförmige Methicillin-resistente Staphylococcus aureus Bakterien, die von blau gefärbten weißen Blutkörperchen phagozysiert werden
Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Bakterien Bildrechte: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)/dpa

In der Europäischen Union sterben immer mehr Menschen an den Folgen einer Infektion mit antibiotika-resistenten Erregern. Laut einer Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden 2015 EU-weit 33.110 Todesfälle infolge von Infektionen mit multiresistenten Bakterien registriert. 2007 seien es noch 25.000 gewesen. Das geht aus einer Veröffentlichung des Fachmagazins Lancet hervor, die dem Norddeutschen Rundfunk vorab vorlag.

Fast 700.000 Infektionen

Der ECDC-Studie zufolge wurden 2015 innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums insgesamt 671.689 Infektionen mit antibiotika-resistenten Bakterien registriert. Die Autoren warnen in dem Zusammenhang von einer "Bedrohung für die modernen Gesundheitsversorgung". Sie schreiben von einer erheblichen Belastung, verweisen aber auch darauf, dass es zwischen den verschiedenen EU-Ländern auch deutliche Unterschiede gibt.

Italien am stärksten betroffen

Krankenschwestern bei einem Patienten auf einer Intensivstation
Die meisten Ansteckungen erfolgen in Krankenhäusern. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Mit Abstand am stärksten betroffen ist demnach Italien, wo sich 2015 insgesamt 201.584 Patienten mit antibiotika-resistenten Bakterien infizierten, von denen 10.762 starben. An zweiter Stelle liegt Frankreich mit 124.806 Infizierten und 5.543 Todesfällen.

Das mit knapp 82,7 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste EU-Land Deutschland liegt mit 54.509 Infektionen und 2.363 Todesfällen bei den absoluten Zahlen an dritter Stelle. Das Risiko, sich mit multiresistenten Erregern zu infizieren und daran zu sterben, ist allerdings in Ländern wie etwa Griechenland deutlich höher. In dem nur knapp 11,2 Millionen Einwohner zählenden südeuropäischen Land wurden 2015 insgesamt 18.472 Infektionen und 1.626 Todesfälle registriert.

Belastung wie HIV/AIDS, Grippe und Tuberkulose zusammen

Insgesamt sei die Belastung durch antibiotika-resistente Bakterien so groß wie die von HIV/AIDS, Grippe und Tuberkulose zusammen genommen, schätzen die ECDC-Wissenschaftler ein. Besonders gefährdet seien Kleinkinder und ältere Menschen. Die meisten Ansteckungen mit antibiotika-resistenten Keimen erfolgten in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen.

Die Studie belegt außerdem, dass mittlerweile 40 Prozent der Infektionen durch Bakterien verursacht werden, die gegen sogenannte Reserveantibiotika resistent sind. Besonders dramatisch: Diese speziellen Antibiotika sind in der Regel die letzten Behandlungsmöglichkeiten bei Infektionen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. November 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 08:56 Uhr