Über 30.000 Mietfahrräder sind auf einem Parkplatz in Shanghai aneinander gekettet und aufeinander gestapelt
Die Fahrrad-Mietstationen in China, hier z.B. in Shanghai, kommen teils auf Zehntausende Bikes. Bildrechte: dpa

Fahrrad-Verleih Drohen uns Fahrrad-Schrottberge?

Fahrradverleihsysteme sind auf dem Vormarsch und ergänzen besonders in Großstädten das Angebot von Bus und Bahn. Die Nachfrage ist groß. Aber was wird zum Beispiel aus den ausrangierten Rädern? Drohen uns demnächst vielleicht ähnliche Schrottberge wie in China, wo jüngst ein großer Fahrradverleiher Pleite gegangen ist?

von Sven Kochale, MDR AKTUELL

Über 30.000 Mietfahrräder sind auf einem Parkplatz in Shanghai aneinander gekettet und aufeinander gestapelt
Die Fahrrad-Mietstationen in China, hier z.B. in Shanghai, kommen teils auf Zehntausende Bikes. Bildrechte: dpa

In Dresden gehören Leihräder längst zum Stadtbild. Im Rathaus ist man gelassen. Von chinesischen Verhältnissen sei man weit entfernt, erklärt Stadtbezirksamtsleiter André Barth: "Mit Leihrädern haben wir in Dresden kein Problem. Es gibt zum Beispiel die SZ-Bikes, die aus Sicht der Stadtbezirksämter gut betreut werden. Wir hatten da keine Schrotträder. Es passiert manchmal, dass ein Rad umgefallen ist oder an einer falschen Stelle steht. Dort rufen wir im Einzelfall auch mal an. Aber die Problemlage tendiert gegen null."

Keine Probleme in mitteldeutschen Städten

Ähnlich antworten andere Stadtverwaltungen auf eine Anfrage von MDR AKTUELL. Weder in Chemnitz, Erfurt, Halle oder Leipzig lägen Leihräder im Gebüsch oder vergammelten an der nächsten Straßenecke.

Ralf Kalupner, Geschäftsführer von ''nextbike'', unterschreibt am 05.07.2016 in Berlin auf einem Radsattel den Vertrag über die künftige Zusammenarbeit mit der Hauptstadt.
Nextbike-Gründer Kalupner. Bildrechte: dpa

Den Geschäftsführer des Fahrradverleihers "Nextbike", Ralf Kalupner, wundert das nicht. Er lässt die Räder nach speziellen Vorgaben in eigenen Werkstätten montieren und hat im gesamten Stadtgebiet Service-Teams im Einsatz. Seine Räder sollen möglichst lange unterwegs sein. "Ich kann nur sagen: Weder ist unser Geschäftsmodell so schlecht, dass alle Räder sofort auf einem Haufen landen, noch sind unsere Räder so schlecht, dass es nach einem Jahr sich nicht mehr lohnt, sie zu reparieren. Deshalb haben wir das Problem nicht", sagt Kalupner.

Kooperation mit Städten und Institutionen

Hinzu kommt, dass Leihräder meist ein markantes Design erhalten und als Werbeträger konzipiert sind. Dadurch fallen sie im Stadtverkehr auf. Es wäre also ein Leichtes, den Eigentümer zu identifizieren und ihn zur Verantwortung zu ziehen. Damit es gar nicht erst soweit kommt, setzt Nextbike-Gründer Ralf Kalupner auf Kooperationen mit Stadtverwaltungen, Hochschulen oder Verkehrsbetrieben.

Gemeinsam wird ein Konzept entwickelt, das auch die strengen gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz berücksichtigt: "Den Städten ist die Vorstellung ein Graus, dass diese chinesischen Bikeshare-Anbieter die Daten der Kunden abziehen. Dass, wenn sie dann pleite gegangen sind, die Räder überall liegen gelassen werden. Dass, wenn es mal ein Problem gibt, keiner ansprechbar ist. Wir gucken, dass wir hier Stationen haben und dass wir das alles ein bisschen ordnen und mit Anbietern zusammenarbeiten, die Kundenservice betreiben", erklärt Kalupner.

Ausleihe per App

Die Ausleihe funktioniert denkbar einfach: Alles läuft über eine App, die das nächste verfügbare Rad anzeigt und mit einem Code freischaltet. Für die Rückgabe gibt es entweder feste Stationen oder bestimmten Zonen im Stadtgebiet, damit der Nutzer möglichst flexibel ist.

Leih-Fahrrad
Nextbike wurde 2004 in Leipzig gegründet. Zentrale und Produktion in der Messestadt haben mehr als 300 Mitarbeiter. Bildrechte: MDR/Lisa Kettwig

Das allerdings erfordert nach Ansicht des Verkehrsökonomen Prof. Dr. Udo Becker von der TU Dresden eine durchdachte Strategie. "Der Fahrradverleiher sollte sich schon mit der Stadtverwaltung abstimmen, was wo möglich ist. Er muss es sogar, wenn er im öffentlichen Raum Flächen nutzen will. Dieses kooperative, europäische Verfahren ist viel sinnvoller. Das hilft dann auch den Verleihern. Weil sie dann nur an die richtigen Stellen sind, wo auch Nachfrage herrscht. Und weil sie auch verhindern, dass Vandalismus und Diebstahl zu groß werden."

Nextbike aus Leipzig jedenfalls ist bereits in über 60 Städten bundesweit vertreten und längst auch international unterwegs, bis nach Neuseeland und Indien. Nur China fehlt bislang auf der Karte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Februar 2019 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

13.02.2019 09:38 Insider 4

Der "sogenannte" Leih-Fahrrad-Boom ist doch eh bald Geschichte. :)
Der letzte Schrei - und ab April wohl auch in Deutschland legal - sind doch Elektro-Roller, die man dann auch an jeder Ecke ausleihen und auch wieder - als Stolperfalle - stehen lassen kann. Damit haben wir dann neben dem normalen Schrott dann auch noch Elektroschrott und Sondermüll (die Akkus).

12.02.2019 10:57 Brennabor 3

Ich glaube weder an das Geschäftsmodell von
Nextbike noch an einen E-Bike Boom.
Die riesigen Nachteile von beiden werden unter den
Tisch gekehrt, man lässt sie einfach unerwähnt.
Ich weiß nicht, wer hinter Nextbike steht, aber
wirtschaftlich kann das niemals sein.

12.02.2019 10:38 Fragender Rentner 2

Wie wird uns immer so gesagt, wir wollen es doch so haben !!! :-(((

Das ist dann wie mit den Supermärkten und was so angeblich nur von uns weggewurfen wird !!! :-(((

12.02.2019 05:18 optinator 1

Schrott ist doch wertvolles Material.
Was soll diese Aufregung?
Wer sich nicht an die Regeln hält, bezahlt die Entsorgung.
Ab in die Presse und weg damit wenn es stört.