Fahrraddiebstahl mit Hilfe eines Bolzenschneiders
Fahrradklau ist eines der häufigsten Delikte in Großstädten wie Leipzig. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Versicherer zahlen 120 Millionen Euro Fahrraddiebstahl: Schäden so hoch wie nie

Leipzig ist eine Fahrradstadt. Je sommerlicher es wird, desto mehr Radfahrer sind unterwegs. Das, so zeigt sich immer wieder, wissen auch Diebe. Seit Jahren gehört Fahrraddiebstahl zu den häufigsten Delikten in der Stadt. Auch die Schadenssumme wächst, doch Versicherer dürfen Verträge kündigen.

von Constanze Müller für MDR AKTUELL

Fahrraddiebstahl mit Hilfe eines Bolzenschneiders
Fahrradklau ist eines der häufigsten Delikte in Großstädten wie Leipzig. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Ein paar Studenten fahren auf Rädern durch den Leipziger Johannapark. Sie haben sich zum Grillen verabredet. Ihre Räder stellen sie auf der Wiese ab - in Sichtweite. Denn den meisten von ihnen wurde schon einmal ein Rad gestohlen. Die Angst vorm Fahrradklau ist in Leipzig verbreitet. In einer Sicherheitsumfrage der Stadt gaben 91 Prozent der Befragten an, einen Fahrraddiebstahl für wahrscheinlich zu halten.

Aufklärungsquote von sechs Prozent

Tatsächlich werde das ganze Jahr über viel gestohlen, bestätigt die Leipziger Polizei. 2017 gab es einen neuen Höchststand: 11.700 Anzeigen. Aufgeklärt worden seien aber nur sechs Prozent aller Fälle, erklärt Polizeisprecherin Maria Braunsdorf. "So ein Fahrraddiebstahl ist schnell begangen." Die Öffentlichkeit würde das meist nicht bemerken, so dass es keine Personenbeschreibungen gebe. Die Polizei könne höchstens Spuren vor Ort sichern. Vor Ort gebe es aber eine Vielzahl von Spuren.

Organisierter Diebstahl

Organisierte Banden brächten die Räder oft außer Landes oder verkauften sie in Einzelteilen. Besser zu identifizieren seien Räder, die Einzeltäter auf Online-Plattformen zum Verkauf einstellten. Manche behielten Räder aber auch selbst, erklärt Braunsdorf. Häufig würde die Polizei bei Durchsuchungen, Fahrräder finden, die die Polizei nicht zuordnen könne. "Weil die Geschädigten den Diebstahl nicht angezeigt haben", erklärt Braunsdorf.

Wenn ein Rad gestohlen ist, gilt deshalb: Möglichst schnell eine Anzeige aufgeben mit der Beschreibung des Rades, einem Foto und der Rahmennummer. Das geht auch online. Selbst wenn das Rad nicht gefunden wird, ist die Anzeige wichtig - damit die Versicherung zahlt.

Schadensbilanz 2016: 120 Millionen Euro

Jede Hausratsversicherung deckt den Diebstahl aus der Wohnung oder dem Fahrradkeller ab. Gerade im Sommer werden Räder aber oft draußen gestohlen. Dann ist eine Zusatzklausel nötig. Gut 40 Prozent aller Verträge haben diese bereits. Die Versicherer haben deshalb 2016 mit 120 Millionen Euro so viel für gestohlene Räder gezahlt, wie noch nie, erklärt Kathrin Janosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

"Mittlerweile liegen wir bei einer Entschädigung von 600 Euro pro gestohlenem Fahrrad. Das waren 1998 360 Euro." Denn die Fahrräder hätten eine immer bessere Ausstattung. "Man zeigt eher einen Diebstahl an, bei dem das Fahrrad nicht nur 100 Euro gekostet hat", führt Janosch aus.

Versicherer dürfen Verträge kündigen

Bei zu vielen Entschädigungen darf der Versicherer den Vertrag kündigen, eine Selbstbeteiligung oder höhere Beträge fordern. Alternativ eine neue Versicherung abzuschließen geht zwar, doch der Bestohlene muss die bisherigen Schadensfälle angeben. Der Vertrag kann dann auch beim neuen Versicherer teurer werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2018 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 13:15 Uhr

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5 Kommentare

22.05.2018 17:53 QX 5

Ich denke das liegt in der Natur des Fahrrades das der Diebstahlschutz sehr unzureichend ist. Was sich in den letzten Jahren verändert hat ist der Preis dieser Geräte: Ein gutes E-Fahrrad kann schon über 2000 Euro kosten. Dabei sind die Möglichkeiten der Sicherung dort auch nicht viel besser wie beim einfachen Hollandrad.

22.05.2018 12:40 SabineSorglos 4

Die Regierung schläft. Merkels Fahrrad steht sicher gut bewacht und unbenutzt im Keller. Dann ist ja alles in Ordnung. Für sie ein Land, in dem sie gerne regiert.

22.05.2018 11:50 emil 3

in mecklenburg-vorpommern ist bekannt, dass viele fahräder von banden aus dem ost-europäischen raum gestohlen, dann gelagert und abtransportiert werden. das schädigt insofern nicht bloss die besitzer, sondern auch die Versicherungswirtschaft usw..... die politik tut nichts dagegen! .......

22.05.2018 11:46 Brennabor 2

Gegen Fahrradklau ist kein Kraut gewachsen, selbst
wenn man sich das Fahrrad unter den A.... klemmt.
In Bremen wurden mal in der Fußgängerzone
Fahrräder direkt auf einen LKW verladen, dass hat
niemanden interessiert. Eine Schande !

22.05.2018 10:46 Mario K. 1

Aufklärungsquote von 6% (persönliche Erfahrung: 0 von 3 in der schönen Messestadt). Ähnlich sieht es ja bei Taschendiebstählen, wenig besser bei Einbrüchen aus. Wie damit wohl Gesamt-Aufklärungsquoten von 60+% zustande kommen? Nicht einmal organisierten Banden kann das Handwerk gelegt werden, und das seit Jahrzehnten nicht. Aber Deutschland ist ja sooo viel sicherer geworden...

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