ADFC Leipzig holt Platz drei bei Fahrradfreundlichkeit

Der ADFC hat wieder die fahrradfreundlichsten Städte geehrt. Unter den Großstädten holt Leipzig Platz drei - ist aber nicht mehr so gut wie vor zwei Jahren. Und eine sächsische Stadt überrascht als "Aufholer".

Leipzig räumt bei der Fahrradfreundlichkeit ab - und zwar hinter Bremen und Hannover den dritten Preis des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) in der Kategorie Städte über 500.000 Einwohner. Das geht aus dem Fahrradklimatest 2018 hervor. An der nicht-repräsentativen Online-Umfrage des ADFC nehmen alle zwei Jahre Radfahrerinnen und Radfahrer aus ganz Deutschland teil. Diese bewerten ihre Städte nach dem Schulnotenprinzip beispielsweise zu Sicherheit beim Radfahren, dem Radverkehrsnetz oder dem Stellenwert des Radverkehrs. Insgesamt 693 Städte wurden bundesweit ausgewertet.

Leipzig steigt im Ranking, verliert in der Note

Trotz der Ehrung haben die Leipziger Radfahrerinnen und Radfahrer ihre Stadt insgesamt schlechter bewertet als noch vor zwei Jahren. War beim letzten Fahrradklimatest 2016 die Durchschnittsnote 3,7, liegt der Wert 2018 bei 3,9. Dennoch liegt Leipzig aktuell mit Platz drei deutlich besser als vor zwei Jahren mit Platz neun.

"Leipzig rutscht ab, aber andere Städte rutschen viel mehr ab", ordnet Konrad Krause vom ADFC Sachsen die Zahlen ein. Insgesamt sei festzustellen, dass viele Bürger allgemein immer unzufriedener mit der Radverkehrspolitik seien. Zudem wünschten sie sich, dass es schneller vorangehe.

Besonders schlecht werden in Leipzig der Winterdienst auf Radwegen, der Fahrraddiebstahl sowie die fehlende Falschparkerkontrolle auf Radwegen bewertet.

Von den Radfahrern positiv hervorgehoben wiederum werden die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, öffentliche Fahrräder sowie geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung. Der Radverkehrsbeauftragte aus Leipzig, Christoph Waack, freut sich über den Platz drei: "Wir sind ein bisschen stolz drauf, dass das wahrgenommen wird in der Bevölkerung und es sich bundesweit als eine sehr schöne Platzierung widerspiegelt." Aber auch Waack ist der Meinung, dass noch einiges zu verbessern ist.

Das zeigt eben, Leipzig hat schon viel getan in den letzten Jahren, natürlich ist noch nicht alles Gold was glänzt, man kann noch was dran verbessern. Wir haben noch keine Verhältnisse wie in Kopenhagen.

Christoph Waack, Radverkehrsbeauftragter Leipzig

Aufholer Oschatz

Aus Mitteldeutschland ist Leipzig die einzige Stadt, die vom ADFC als besonders fahrradfreundlich geehrt wird. Und das, obwohl insgesamt 18 Städte in verschiedenen Einwohnerzahl-Kategorien als fahrradfreundlich ausgezeichnet werden. Aufmerksamkeit des ADFC bekommen jedoch auch die Städte, die im Vergleich zu den Werten vor zwei Jahren den größten Sprung nach vorne gemacht haben, sogenannte "Aufholer".

Dazu zählt die 15.000-Einwohnerstadt Oschatz in Sachsen. Lag die Bewertung der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer ihrer Stadt 2016 noch bei 4,4, hat sie sich 2018 auf eine 4,0 verbessert. "Es gibt kaum eine Stadt, die so einen Sprung nach oben gemacht hat", bewertet Konrad Krause vom ADFC die Situation in Oschatz.

Mit dem Rad in die Natur

Der Oschatzer Bürgermeister Andreas Kretschmar glaubt, dass vor allem die Radwege für Touristen, beispielsweise dem Mulde-Elbe-Radweg, ein Grund für das bessere Ergebnis beim Test seien. Für den Radweg von Strehla nach Grimma wurde eine alte Bahnstrecke reaktiviert und als Radweg ausgebaut. Dazu wurden Rastplätze angelegt und mit Fahrradladestationen für E-Bikes ausgestattet. Gerade eine ältere Generation sei viel länger mobil und genieße es, mit dem Fahrrad in der Natur zu sein. Als Problem nimmt Kretschmar nach wie vor das Fahren in der Innenstadt wahr. Dort gebe es immer den Interessenskonflikt: Entweder Autoparken oder Fahrradfahren.

Städte über 50.000 Einwohner in Mitteldeutschland

In den Städten über 50.000 Einwohner in Mitteldeutschland sind die Bewertungen durchmischt. Keine der Städte erreicht eine bessere Bewertung als Dessau-Roßlau mit einer 3,7. Zwickau schneidet mit 4,55 im Dreiländervergleich bei den Städten über 50.000 Einwohner am schlechtesten ab.

Größeres Bewusstsein

Es wird deutlich, dass sich immer mehr Menschen für den Radverkehr in ihrer Stadt interessieren. Mit 170.000 Menschen haben laut ADFC eine Rekordzahl an Radfahrerinnen und Radfahrern im Umfragezeitraum vergangenen Herbst am Fahrradklimatest teilgenommen. Dreiviertel der Befragten fahren sowohl Rad als auch Auto.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 09. April 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 20:39 Uhr